Anti-Schwaben-Aktion

Brecht-Denkmal mit Bouletten und Kartoffelsalat beworfen

Wieder eine Anti-Schwaben-Aktion in Berlin: Diesmal traf es Bertolt Brecht. Sein Denkmal am Berliner Ensemble wurde mit Bouletten und Kartoffelsalat beworfen. Und es liegt ein Bekennerschreiben vor.

Foto: Paul Zinken / dpa

Schwarzer Humor oder einfach nur Vandalismus? Das Bertolt-Brecht-Denkmal am Berliner Ensemble in Mitte ist zum Ziel einer Aktion gegen die Schwaben in Berlin geworden. In der Nacht zu Dienstag wurde es mit Kartoffelsalat und Bouletten beworfen. „Uns ist ein Bekennerschreiben bekannt“, sagte ein Polizeisprecher. Es sei an das Landeskriminalamt weitergeleitet worden, das nun ermittle. Das Schreiben stamme von einer Gruppe namens „BEGISSA – Berliner Eingeborene Gegen Investoren Schwäbischer bzw. Schweizer Abstammung“, heißt es in der „B.Z.“ (online).Der Dramatiker Bertolt Brecht (1898-1956) stammte aus Augsburg – also dem bayrischen Teil Schwabens.

Im vergangenen Jahr hatte es ähnliche Aktionen gegen Schwaben in Berlin gegeben. Ein Hegel-Denkmal war mit Currywurst beschmiert und ein Denkmal der Künstlerin Käthe Kollwitz mit Spätzle beworfen worden. Zur Hegel-Attacke bekannte sich die Initiative „Schwaben ausbürgern“. Im Internet schrieb sie, in Berlin lebende Schwaben müssten ihre Wohnungen verlassen und in Übergangsquartiere ziehen. Neu ist nun im Fall Brecht, dass der Name der Bekenner-Gruppe wie eine Satire auf die Abkürzung Pegida klingt.

Straßen „eingeschwäbelt“

In Prenzlauer Berg rund um den auch bei Touristen beliebten Kollwitzplatz waren zudem Straßenschilder mit aufgeklebten Buchstaben „eingeschwäbelt“ worden: Aus Kollwitzplatz wurde Kollwitzspätzle, aus Wörther Straße Wörther Gässle. Der anonyme Unmut regte sich gegen die Schwaben, weil sie angeblich die Besonderheiten des Stadtviertels veränderten und die Preise auf dem Wohnungsmarkt in die Höhe trieben.

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse, der am Kollwitzplatz wohnt, hatte zum Jahreswechsel 2012/13 im Morgenpost-Gespräch gesagt, die Schwaben sollten sich besser anpassen und lernen, dass es in Berlin „Schrippen“ und nicht „Weckle“ heiße. Danach musste er in der Fernsehsendung „ARD-Buffet“ ein schwäbisches Dialekt-Rätsel lösen.

Foto: Paul Zinken / dpa