Regierender Bürgermeister

Michael Müller will wieder mehr Industrie in Berlin

Wowereits Nachfolger sieht Chancen bei Recycling, Klimatechnik sowie Elektromobilität. Müller will sich persönlich um Kontakte zu Unternehmen kümmern. Und sein Finanzsenator will mehr Investitionen.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Der neue Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) will die Industrieproduktion in Berlin ausbauen. Neben Berlins Stärken bei Dienstleistungen, Tourismus oder Kultur gehöre ein Industrieanteil zu einer gesunden Wirtschaftsstruktur, sagte Müller dem RBB. Berlin solle seine Kompetenzen bei Recycling-Wirtschaft, Klima- und Gebäudetechnik sowie Elektromobilität ausbauen. „Und wir können auf Berlins Flächen Forschung, Produktion und die Anwendung über die großen landeseigenen Unternehmen sicherstellen. Das ist ein Wettbewerbsvorteil“, betonte Müller. Er werde sich als Regierungschef auch persönlich um Kontakte zu Unternehmen kümmern.

In Sachen Bewerbung Berlins für die Olympischen Sommerspiele 2024 plädierte Müller dafür, die Chancen für die Stadt sehr genau zu prüfen. Dass die Befragung der Berliner dazu erst nach der Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes für Hamburg oder Berlin im Frühjahr 2015 geplant sei, begründete Müller mit der festgelegten Reihenfolge der Entscheidungen.

Dabei bestehe die Gefahr, dass ein mögliches Nein der Berliner zu Olympia an ihm hängen bleiben könnte. „Ja, aber wenn man vor so etwas Angst hat, sollte man nicht Regierender Bürgermeister werden. Politik muss auch eine Meinung haben, muss auch engagiert für etwas streiten“, betonte der 50-Jährige. „Dann muss man auch mal ertragen, wenn etwas anders entschieden wird.“

Neuer Finanzsenator will mehr Investitionen

Sein Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD) hält Berlins Finanzprobleme für beherrschbar. Der Senator erinnerte an die berühmte Kinderbuchfigur Jim Knopf. „Mit Problemen ist das so wie bei Jim Knopf und dem Scheinriesen Turtur. Wenn man an Probleme herangeht, dann erkennt man auch, dass man eine Chance hat, sie zu lösen“, sagte Kollatz-Ahnen am Freitag radioeins vom RBB. Natürlich gebe es eine Menge Probleme. Aber mit dieser Strategie wolle er sie angehen. „Und dann wahrscheinlich feststellen, dass die Probleme beherrschbar und nicht groß wie ein Scheinriese sind“, sagte der 57-Jährige.

Kollatz-Ahnen übernahm am Vormittag die Amtsgeschäfte von seinem Vorgänger Ulrich Nußbaum (parteilos) in der Finanzverwaltung. Er werde die Konsolidierung des Haushaltes fortführen, sagte Kollatz-Ahnen dem Sender. Doch er wolle auch die Investitionen ankurbeln. „Ich will in Berlin versuchen, ein bisschen mehr für die Investitionen zu tun. Im öffentlichen, aber insbesondere im privaten Sektor – so denn dafür Haushaltsspielräume sind.“