VCD Bahntest

Fernbus schlägt Zug beim Preis - Bahn punktet bei der Zeit

Kosten, Pünktlichkeit und CO2: Was ist das ideale Verkehrsmittel für Städte-Verbindungen? Der Verkehrsclub Deutschland hat Fernbus, Bahn und Pkw verglichen. Das eigene Auto gewann auf keiner Strecke.

Timm Wegner ist angehender Arzt. Seit fünf Jahren studiert der Berliner an der medizinischen Fakultät der Technischen Universität Dresden. Wenigstens einmal im Monat macht er sich jedoch auf den Weg in seine Heimatstadt, um Eltern und Freunde zu besuchen. Jahrelang fuhr Wegner mit der Bahn, zuletzt aber nutzte er für die gut 200 Kilometer lange Strecke stets den Fernbus. „Die Plätze sind bequem und einfach zu buchen, selbst wenn ich mich erst am Abend vorher entscheide. Und vom Preis her ist der Bus einfach unschlagbar“, sagt der 29-Jährige der Berliner Morgenpost. Die jüngste Fahrt war für ihn jedoch wenig angenehm: „Vom Schönefelder Kreuz bis zum Zentralen Omnibusbahnhof ZOB hat der Bus fast zwei Stunden gebraucht.“ Nach einem Unfall stand der Linienbus auf der Stadtautobahn im Stau. Der Fahrplan und damit auch der knappe Wochenend-Zeitplan von Timm Wegner gerieten aus den Fugen.

Diese Erfahrungen decken sich mit den Ergebnissen einer Studie, die der Verkehrsclub Deutschland (VCD) am Dienstag in Berlin vorstellte. Der Verband, der sich für eine umweltverträgliche und sichere Mobilität einsetzt, hat auf zehn innerdeutschen Städte-Verbindungen erstmals die Bahn direkt mit dem Fernlinienbus und dem Privat-Pkw verglichen. Darunter waren auch die Strecken von Berlin nach Hamburg, Hannover sowie Dresden.

Auto bei der Flexibilität vorn

Die Hauptergebnisse des VCD-Bahntest 2014/15: Die Fernbusse waren in 94 Prozent der Test-Buchungen preisgünstiger als die Bahn, haben aber erhebliche Probleme mit der Pünktlichkeit. Bei einer parallel durchgeführten Online-Umfrage gaben 52 Prozent der 2178 Teilnehmer an, dass ihr Bus sechs Minuten und mehr Verspätung hatte. Die Bahn punktet dagegen – trotz gleichfalls bekannter Pünktlichkeitsprobleme – bei der Fahrzeit und und beim Komfort. Das Auto liegt bei der Flexibilität vorn, kann aber bei den realen Kosten, in die auch die Ausgaben für Benzin oder Diesel einfließen, mit den anderen Verkehrsmitteln nicht mithalten. Bei der Suche nach dem „optimalen Reisemittel“ haben die Autoren der VCD-Studie versucht, Fahrpreis und -dauer ins Verhältnis zu setzen. Denn für Reisende heißt es laut der Autoren der Studie: „Zeit ist Geld“. So wurden nicht nur durchschnittliche Ticketpreise berücksichtigt. Auch für jede zusätzliche Minute, die ein Verkehrsmittel länger al ein anderes benötigt, erhöhten die Studienmacher den Vergleichswert. Zusätzlich gab es noch Aufschläge für den unterschiedlich hohen Kohlendioxid-Ausstoß pro Fahrgast und Kilometer, der beim Fernbus am geringsten und beim Pkw am höchsten ist. Im Ergebnis lag bei sechs von zehn Verbindungen, darunter auch die Strecken Berlin-Hamburg und Berlin-Hannover, die Bahn vor dem Fernbus. Der Pkw ist auf allen zehn Strecken nie das ideale Verkehrsmittel, so das Fazit der Studie, die von der Quotas GmbH erarbeitet wurde.

80 Prozent der Deutschen auf Fernstrecken mit dem Auto

Nach Verbandsangaben sind dennoch rund 80 Prozent der Deutschen auf Fernstrecken mit dem Auto unterwegs. Den Rest des Marktes teilen sich die Bahn (131 Millionen Fahrgäste 2013), das Flugzeug (23 Millionen Passagiere) und der Fernlinienbus (geschätzt neun Millionen Fahrgäste 2013). Für 2014 rechnet der VCD mit deutlichen Veränderungen. Vor allem die Bahn verliere auf langen Strecken immer mehr Fahrgäste an die Fernbusse. Denn die Anbieter können erst seit Anfang 2013 richtig mitmischen. Die schwarz-gelbe Bundesregierung hatte ein Gesetz aus den 1930er-Jahren gekippt, das Fernbuslinien parallel zu Bahnstrecken mit wenigen Ausnahmen verbot. Seither boomt die Branche. Gab es 2012 deutschlandweit nur 86 Fernbuslinien, sind es heute mehr als 250 Verbindungen mit 7500 Fahrten pro Woche.

Während Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) dies als Erfolgsgeschichte bezeichnet, wird sie vom VCD nicht ganz so euphorisch gesehen. Gehe die Entwicklung doch erheblich zu Lasten der Bahn. Damit langfristig beide umweltfreundlichen Verkehrsmittel attraktiv bleiben, forderte der VCD-Bundesvorsitzende Michael Ziesak deren Gleichbehandlung. Dazu gehöre etwa die Einführung einer leistungsabhängigen Maut für Busse. Während die Bahn für eine ICE-Fahrt zwischen Hamburg und Köln 1935 Euro an Trassengebühren bezahlen muss, gebe es eine solche Belastung für den Fernbusanbieter nicht. Dobrindt lehnt eine Bus-Maut kategorisch ab.

Inzwischen hat auch Bahn-Chef Rüdiger Grube mal einen Fernbus getestet - ganz inkognito. Was er davon hält.