Steigende Passagierzahle

Berlins Flughäfen werden zum Jobmotor - auch ohne BER

Rund 21.000 Menschen arbeiten an den Berliner Flughäfen: Fast zehn Prozent mehr als bei der letzten Erhebung vor zweieinhalb Jahren. 765 Flughafenmitarbeiter beschäftigt der noch nicht eröffnete BER.

Foto: Rainer Jensen / dpa

Die steigenden Passagierzahlen haben an den Berliner Flughäfen für ein deutliches Plus an Jobs gesorgt. Gezählt wurden bei der Arbeitsstättenerhebung 21.362 Arbeitsplätze an den Airports in Tegel und Schönefeld sowie auf dem noch nicht eröffneten BER. Das sind fast zehn Prozent mehr als bei der letzten Erhebung vor zweieinhalb Jahren. Es geht um Mitarbeiter von Airlines, der Flughafengesellschaft, ihren Dienstleistern, etwa in der Abfertigung, aber auch um Handwerker und Verkäufer in Läden oder Beschäftigte in der Gastronomie.

Am BER sind ohne Planer und Bauleute bereits 765 Menschen tätig. Flughafenchef Hartmut Mehdorn verwies zur Begründung auf die bereits an den BER übergesiedelte Fluggesellschaft Germania und das Frachtzentrum, das fast ausgelastet sei.

Das Passagierwachstum in Berlin werde weitergehen, sagte Mehdorn voraus. Entsprechend würden auch neue Jobs entstehen. Die Kurven des steigenden Passagieraufkommens und des Wachstums der Arbeitsplätze verlaufen annähernd parallel. Bei 35 bis 40 Millionen Passagieren, die er für 2025 erwartet, würde das noch einmal 70 bis 80 Prozent mehr Flughafen-Jobs bedeuten.

Erweiterung der Pläne am BER

Das rasante Wachstum nannte Mehdorn auch als Grund für die Schwierigkeiten beim Bau des BER-Terminals. Die ursprünglichen Pläne seien mehrfach erweitert worden. Hätte man gleich einen Flughafen für 40 Millionen Passagiere pro Jahr geplant, wäre das sicher einfacher gewesen. Mehdorn erneuerte seine Zusage, in der Aufsichtsratssitzung im Dezember einen Zeitkorridor für eine mögliche Eröffnung des BER zu nennen.

Christian Amsinck, Hauptgeschäftsführer der Vereinigung der Unternehmensverbände Berlin Brandenburg (UVB) warb dafür, angesichts der "stolzen Zahlen" den Blick wieder mehr auf die Chancen des Flughafenprojektes zu richten. Die Politik mit der neuen Regierung in Brandenburg und einem neuen Regierenden Bürgermeister in Berlin sollte das "Zeitfenster" nutzen, zusätzlichen Bau- und Finanzsachverstand in den Aufsichtsrat zu holen.

Die Flughafengesellschaft selbst hat ihre Mitarbeiterzahl in den vergangenen zwei Jahren um 400 auf fast 1900 aufgestockt. Einen neuen Job hat dort auch Milena Braun gefunden. Die 46-Jährige war früher in der Verwaltung für Air Berlin und Lufthansa tätig, ehe sie ins Terminal-Management einstieg. Und Michael-Daniel Knopf arbeitete früher in der krisengeplagten Solarbranche. Jetzt hält der Anlagenelektroniker als Vorarbeiter die Systeme in Schönefeld am Laufen. Er wartet auf den BER. "Die Störanfälligkeit der alten Anlagen ist doch sehr groß", so der 30-Jährige.

© Berliner Morgenpost 2017 – Alle Rechte vorbehalten.