Vier Tage Stillstand

Mega-Bahnstreik zum Mauerfall-Jubiläum in Berlin

Die Lokführergewerkschaft GDL will die Bahn von Mittwoch bis Montag bestreiken. Davon sind auch die Feiern zum Mauerfall-Jubiläum betroffen. Der CDU-Politiker Frank Steffel ruft zum Streikbrechen auf.

Foto: Glanze

Die Lokführergewerkschaft GDL hat der Deutschen Bahn erneut den Kampf angesagt. Ausgerechnet zum Wochenende, an dem viele Menschen den 25. Jahrestag des Mauerfalls feiern wollen, hat die GDL zum Streik aufgerufen. Ab Donnerstagmorgen zwei Uhr sollen die Lokführer für fast 100 Stunden ihre Arbeit niederlegen. Im Güterverkehr soll bereits von Mittwoch um 15 Uhr an nichts mehr gehen.

Das Ende des Streiks ist für Montag, den 10. November, um vier Uhr vorgesehen. In Berlin werden die S-Bahn-Züge und alle Regionalzüge der Deutschen Bahn betroffen sein, so GDL-Sprecher Frank Nachtigall. Ein Notfahrplan wurde noch nicht bekannt gegeben. Die Berliner S-Bahn will aktuelle Informationen auf dem Kurznachrichtendienst Twitter veröffentlichen, kündigte das Unternehmen an.

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Der Berliner CDU-Bundestagsabgeordnete Frank Steffel rief die Zugführer der S-Bahn auf, sich nicht am Streik zu beteiligen. „Ich erwarte, dass die Lokführergewerkschaft während der Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls zumindest die Berliner S-Bahn nicht bestreikt. Ich appelliere an alle Zugführer der Berliner S-Bahnen, dem Streikaufruf der GDL nicht zu folgen.“ Einen S-Bahn-Streik während der Festlichkeiten zum Mauerfalljubiläum bezeichnete er als „unangemessen“, die Feierlichkeiten dürften nicht von einigen wenigen „chaotisiert“ werden.

Der Geschäftsführer von Visit Berlin, Burkhard Kieker, bezeichnete das Vorhaben als „eine egoistische Entscheidung von einigen wenigen auf Kosten sehr vieler“. Mit Blick auf die Feierlichkeiten zum 25. Jahrestag des Mauerfalls am 9. November sagte er, dass weder Zeitpunkt noch Länge des Streiks nachvollziehbar seien.

Kieker betonte aber auch, dass der Streik die Menschen nicht von einem Besuch in der Hauptstadt abhalten werde. „Berlin hat in der Vergangenheit schon mehrfach gezeigt, dass der öffentliche Nahverkehr mit U-Bahnen, Bussen und Straßenbahnen gut aufgestellt ist.“ Außerdem gebe es Autos, Flugzeuge und Fernbusse.

Auch Thomas Lengfelder, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes Berlin, bezeichnete den Termin „bei allem Respekt vor der Tarifautonomie als mehr als unglücklich“. Der stellvertretende Hauptgeschäftsführer des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, Achim Dercks, warnte ebenfalls vor negativen Folgen des Streiks: „Was derzeit bei der Bahn passiert, ist Gift für den Standort Deutschland.“

Der bevorstehende Ausstand ist der inzwischen sechste Streik im laufenden Tarifkonflikt und der längste seit Gründung der Deutschen Bahn AG im Jahr 1994.

Die GDL begründet den Streik mit der Weigerung der Bahn, über einen eigenständigen Tarifvertrag auch für andere Berufsgruppen zu verhandeln, die nicht Lokführer sind. Sie verlangt fünf Prozent mehr Lohn im Jahr bei kürzeren Arbeitszeiten und zwar sowohl für die 20.000 Lokführer als auch für rund 17.000 Zugbegleiter und Rangierführer.

Die Deutsche Bahn hält den angekündigten erneuten Streik für „reine Schikane“. Bahn-Personalvorstand Ulrich Weber rief die Gewerkschaft auf, den Streikaufruf sofort zurück zu nehmen.