Herbst

Zehn Tipps für gute Laune im trüben Berliner Herbst

Der Herbst ist da, der Winter kommt. Na und? Das sind Dinge, die man nicht ändern kann. Anders sieht es mit der Stimmung aus. Unsere Tipps, wie man sich an tristen Tagen ein sonniges Gemüt erhält.

Foto: Paul Zinken / dpa

Der Himmel grau, die Stimmung trüb? Nicht aufgeben! Bleiben Sie bloß nicht zu Hause! Da liegt zu viel Staub in den Ecken und steht zu wenig Essen im Kühlschrank. Flüchten Sie nach draußen, gehen Sie in den nächstgelegenen Park, oder fahren Sie in den Tiergarten, Grunewald oder Köpenicker Forst, wo Sie keiner kennt. Kicken Sie das Laub aus den Haufen, wühlen Sie darin herum. Bewerfen Sie fremde Menschen nur, wenn Sie ein guter Läufer sind. Das Laub werfen die Pflanzen jetzt ab, um ihre Oberfläche und so die Wasserverdunstung zu reduzieren. Es ist bunt, weil sie ihr – grünes – Chlorophyll nach innen ziehen, so kann man die gelben und roten Farbstoffe besser sehen. Wir Menschen dagegen erbleichen, wenn die Sonneneinstrahlung fehlt. Das lässt sich ändern. Zehn Tipps:

1 Bunte Farben

Erobern Sie die Kosmetikabteilung. Es gibt in Berlin mehrere Luxuskaufhäuser, sei es am Wittenbergplatz oder an der Friedrichstraße, die viele Regale und Flächen mit bunten Farben für Wangen, Lider und Dekolleté bestücken. Außerdem sind die Räume angenehm hell ausgeleuchtet, Erinnerungen an jedes Schietwetter verblassen. Wer Konsum verneint, kann bunte Fassaden betrachten. Berlin ist eine Hochburg der Streetart, bunte und bemalte Häuser stehen in Mitte, Friedrichshain, Kreuzberg, Schöneberg. Vermutlich gibt es keinen Bezirk ohne. Oder? Augen auf und los.

2 Poppige Shows

Anderen beim Arbeiten zuzusehen wirkt ungemein erfrischend. Es ist gewiß anstrengend, stundenlang auf einer Bühne herumzuhopsen, zu lächeln, zu singen. Besorgen Sie sich also ein Ticket für ein Musical, sei es „Mamma Mia“ im Theater des Westens in Charlottenburg oder „The Wyld“ im Friedrichstadtpalast in Mitte. Die Kostüme sind bunt und poppig, die Musik spült die Gehörgänge durch, und Sie können in enger Nachbarschaft die Stärke ihres Immunsystems austesten. Vielleicht empfiehlt sich folgender Tipp.

3 Genüsslich schwitzen

Besuchen Sie den heißesten Ort Berlins: die Sauna. Egal ob deutsch, finnisch oder russisch, viele Hotels, Schwimmbäder und Fitnesscenter haben ein sogenanntes Spa oder Wellnessbereiche. Die Temperaturen können 80, 90 und bis zu 130 Grad betragen. Kreislaufschonender sind die Biosaunen mit 40 bis 50 Grad, dafür sorgen Farbspiele für Stimmung. Wer sich nicht so nackig machen will, der schlägt eben einen anderen Weg ein:

4 Ab ins Museum

Werden Sie wieder Tourist, besuchen Sie ein Museum. Wann waren Sie zuletzt im Hamburger Bahnhof oder in der jeweiligen Nationalgalerie? Im Bröhan-Museum in Charlottenburg geht es „Schrill. Bizarr. Brachial“ zu mit dem „Neuen Deutschen Design der 80er- Jahre“. Die Wassergalerie in Mitte zeigt Fotos von Enrico Verworner, darunter Spiegelungen in klitzekleinen Wassertropfen. Nebel ist nichts anderes. Beachten Sie bitte, dass die Berlinische Galerie temporär geschlossen ist, auch der Pergamonaltar wird repariert. Sie wollen sich doch nicht ärgern...

5 Lachen erfrischt

Lachen Sie. Jetzt. Geht nicht? Feigling! Lachen kann jeder. Mit Lachyoga hat der Inder Madan Kataria Krankenhausabteilungen, Fabriken und Unternehmen aufgepeppt. Dem Arzt aus Mumbai ging es dabei nicht um Profit, sondern um Gesundheit. Trauen Sie sich, Sie sind doch nicht mehr in dem Alter, wo andere Ihnen sagen dürfen, was sich schickt… Versuchen Sie es mit Kichern, wechseln Sie ins Prusten. Wiehern Sie los, geben Sie ein lautes Hihihi, ein schallendes Hahaha, brüllendes Höhöhö von sich. „Fake it until you make it“ lautet der Leitsatz der Lachyoga-Bewegung. Es muss nicht echt sein, Ihr Körper glaubt Ihnen auch so: Die Muskeln arbeiten, das Zwerchfell wackelt, die Augen tränen. Erfrischung für Körper und Geist.

6 Viel Glück beim Fernsehen!

Soso. Sie wollen gar nicht raus. Dann schalten Sie eben den Fernseher ein. Viel Glück, vielleicht kommt ja was für Sie. Wenn nicht, tut es auch ein Kanal mit bunten Bildern, also Reklame, Blockbuster oder das Sonntagsmärchen im Kinderfernsehen. Hauptsache, Farbwellen durchleuchten die Wohnung. Nieder mit dem Grau! Alternativ kann man im Internet die Tafeln von Chartre betrachten. Überspringen Sie, wenn Sie nicht so veranlagt sind, den spirituellen Teil und schielen Sie ein bisschen. Vielleicht synchronisieren sich Ihre Gehirnwellen. Wenn es funktioniert, wird Ihnen alles so angenehm gleichgültig. Grau? Welches Grau?

7 Lustiges aus dem Netz

Wo Sie gerade im Internet surfen: Tanzen und singen Sie mit Gene Kelly. Eleganter geht „Singin’ in the rain“ nicht. Und suchen Sie Sketche, ganz nach Ihrem Geschmack. Auf Deutsch Otto, Helge Schneider oder Mario Barth, auf Englisch John Cleese, Eddie Izzard und die Klassiker Walther Matthau, Jack Lemmon und Jerry Lewis an der Schreibmaschine. Auf Französisch Rémi Gaillard und die Agentenparodien von Oscar-Preisträger Jean Dujardin.

8 Mit Fremden kochen

Sie fühlen sich allein? Dann registrieren Sie sich online bei foodsharing.de. Auf der Plattform können Sie überzählige Lebensmittel angeben – Interessenten holen sie daraufhin bei Ihnen ab – und sich umgekehrt ein Ei oder Nudeln bei anderen besorgen. Sie könnten sogar mit Fremden kochen. Aufregend! Das Abenteuer sorgt für Adrenalin, das Hormon verdrängt schlechte Laune.

9 Lebensmittel, die glücklich machen

Apropos Lebensmittel. Halloween naht. Schnitzen Sie Kürbisse. (Andere) erschrecken macht Spaß. Essen Sie Saures, essen Sie scharf. Greifen Sie zu bewährten Stimmungsaufhellern – nein, nicht Alkohol und auch keine Gummibärchen aus der Mikrowelle – sondern Schokolade. Sie enthält das Rauschmittel Anandamid, das Hormon Phenethylamin, die Stimulanzien Koffein und Theobromin, außerdem den Eiweißbaustein Tryptophan. Baut der Körper ihn ab, entsteht das Hormon Serotonin, das sogenannte Glückshormon. Angeblich kommen diese Substanzen in zu geringer Konzentration vor, um Glücksgefühle auszulösen. Sagt die Wissenschaft. Was spüren Sie?

10 Von Herzen meckern

Nutzt alles nichts? Dann wählen Sie die klassische Konfrontationstherapie: schwarz anziehen, weiß pudern, cool gucken, also ein unbewegtes Gesicht zeigen. Machen Waver und Gothics seit Jahrzehnten, und sie sterben nicht aus. Außerdem gehört Meckern in Berlin zur Alltagskultur.