Prostitution

Die meisten Bordelle gibt es in Tempelhof-Schöneberg

173 Bordellbetriebe gibt es laut Statistik in Berlin, doch die Dunkelziffer dürfte viel höher sein. Sicher ist jedoch laut Polizeifahnder, dass Menschenhandel und Zwangsprostitution stetig zunehmen.

Foto: Berliner Verlag/Steinach / PA/ZB

Die schmuddelig wirkenden Läden sind zahlreich, sie locken mit blinkenden Lichtern und frivolen Versprechen. Was bei einem Spaziergang über die Dominicusstraße in Schöneberg schnell ins Auge fällt, schlägt sich auch in der Statistik nieder: In Tempelhof-Schöneberg gibt es – zusammen mit Mitte – die meisten Bordelle Berlins, insgesamt rund ein Drittel.

Das geht aus einer Antwort des Senats auf eine Anfrage des Abgeordneten Stefan Evers von der CDU-Fraktion hervor. Demnach gibt es in der Hauptstadt insgesamt 173 Bordellbetriebe, so viele wie im vergangenen Jahr.

Schlusslichter Lichtenberg und Treptow-Köpenick

Hinter Tempelhof-Schöneberg und Mitte (je 30) liegen Charlottenburg-Wilmersdorf (21) und Neukölln (20), das mit 14 Prozent den größten Zuwachs verzeichnete. Das Schlusslicht bilden Lichtenberg (4) und Treptow-Köpenick (3).

Die Dunkelziffer dürfte deutlich höher liegen. Denn der Senat betont, dass es „keine belastbaren statistischen Zahlen über die tatsächliche Anzahl von Bordellbetrieben“ gebe. Zwar seien Betreiber angehalten, ihre Gewerbe anzumelden, es bestünden allerdings keine rechtlichen Regularien hinsichtlich der Führung eines Bordells.

Die Folge: Die Betreiber würden selbst eine Bezeichnung für die Art ihrer ausgeübten Tätigkeit wählen und dabei eine Vielzahl von Begriffen verwenden. Anhaltspunkte würden sich aus Kontrollmaßnahmen oder Ermittlungsverfahren der Polizei ergeben.

8000 Prostituierte in 600 Bordellen

Eine Erhebung des Senats geht von insgesamt höheren Zahlen aus. Demzufolge gibt es in Berlin 8000 Prostituierte in mehr als 600 Bordellen – auf dem Straßenstrich oder in sogenannten Wohnungsbordellen. Diese sind laut Senat im gewerberechtlichen Sinne ebenso unreguliert wie die „regulären“ Bordellbetriebe.

Von den insgesamt 196 polizeilich bekannt gewordenen Wohnungsbordellen befinden sich 34 in Tempelhof-Schöneberg. Der Bezirk führt damit auch diese Statistik an, gefolgt von Neukölln (31) und Mitte (25). Die wenigsten dieser Einrichtungen, bei denen Prostituierte ihre Freier in einer nach außen unauffälligen Wohnung empfangen, gibt es in Marzahn-Hellersdorf (2).

Trotz mangelnder Regulierung: In reinen und allgemeinen Wohngebieten sind Bordellbetriebe bauplanungsrechtlich nicht zulässig. Gleiches gilt für besondere Wohngebiete, die vorwiegend dem Wohnen, aber auch der Unterbringung von Gewerbebetrieben dienen, sowie Mischgebiete.

Laut Senat wurden in den letzten drei Jahren sechs Anträge von Wohnungsbordellen abgewiesen, in Reinickendorf (2) sowie Charlottenburg-Wilmersdorf, Marzahn-Hellersdorf, Spandau und Steglitz-Zehlendorf (je 1). Keine Verbote gab es in Mitte, Neukölln, Tempelhof-Schöneberg und Treptow-Köpenick. Alle anderen Bezirke hätten dazu keine Angaben gemacht.

Ergibt eine Einzelfallprüfung, dass keine konkrete Störsituation vorliegt, können auch Ausnahmen gemacht werden. In Kerngebieten und Gewerbegebieten sind Wohnungsbordelle planungsrechtlich zulässig.

Zwangsprostitution nimmt zu

Statistisch nicht belegbar ist, ob es einen Zusammenhang mit der Kriminalitätsbelastung im Umfeld von Bordellbetrieben oder Wohnungsbordellen gibt. Eine solche Erhebung finde bei der Polizei nicht statt, so der Senat.

Das Landeskriminalamt weist darauf hin, dass die Dunkelziffer im Bereich der Rotlichtkriminalität extrem hoch sei. Niemand unter den Experten dort vermag genau zu sagen, wie viele illegal betriebene Wohnungsbordelle es neben den amtlich registrierten gibt.

Den Fahndern zufolge sollen es aber „etliche“ sein. Besonders zugenommen haben die Fälle von Menschenhandel im Zusammenhang mit Zwangsprostitution. Im vergangenen Jahr gab es dazu 365 Ermittlungsverfahren – fast fünfmal so viele wie in 2012.