Radverkehr

Außer Kontrolle - Wo Berlins Radspuren zugeparkt werden

Vor allem Radspuren in Kreuzberg, Mitte und der City-West werden von Autofahrern häufig widerrechtlich zugeparkt, ergab eine Erhebung von BUND und ADFC. Mehr Kontrollen sollen Abhilfe schaffen.

Foto: Maja Hitij / dpa

Auf Berlins Straßen kommt es immer wieder zu gefährlichen Begegnungen zwischen Auto- und Fahrradfahrern. Und Radfahrer, unerlaubt auf den Gehwegen unterwegs, sind wiederum für Fußgänger ein Dauerärgernis. Es könnte deutlich weniger derartige Konflikte geben, wenn den Radfahrern die ihnen reservierten Spuren auf der Straße auch tatsächlich zur Verfügung stünden. Doch Radspuren, so der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC), sind im Alltag häufig blockiert – vor allem durch dort parkende Pkw.

Immerhin: Rund 260 Straßen in der Stadt haben bereits markierte Radspuren, und dies auf einer Gesamtlänge von etwa 190 Kilometern. Bei der Kampagne „Radspuren frei!“ riefen ADFC und BUND dazu auf, zugestellte Radspuren zu melden. Während der Online-Umfrage vom 24. März bis zum 31. Juli gingen immerhin 2022 Hinweise bei ihnen ein, 5964 Blockaden wurden gemeldet.

Das Ergebnis: Vor allem Radspuren in Kreuzberg, Mitte und der City-West werden von Autofahrern häufig widerrechtlich zugeparkt. „Das ist zuallererst eine Frage der Verkehrssicherheit. Wenn ein Auto auf der Radspur steht, muss der Radfahrer regelrecht einen Slalom fahren“, sagte die Berliner ADFC-Vorsitzende Eva-Maria Scheel.

Dabei komme es immer wieder zu schweren Unfällen. Die Rechtslage ist dabei eindeutig: Bei Radverkehrsanlagen gilt für Autofahrer fast immer ein striktes Halteverbot. Lediglich auf Schutzstreifen, die mit einer gestrichelten Linie markiert sind, können diese zeitweise für das Be- und Entladen sowie das Halten (bis zu drei Minuten mit wegfahrbereitem Fahrer) genutzt werden. Bei Verstößen drohen Bußgelder zwischen 15 und 35 Euro.

Die Fahrradstaffel soll auch in der City West helfen

Doch die Gefahr, eine Strafe zu kassieren, ist offenbar gering. Daher fordern BUND und ADFC die Polizei, aber auch die bezirklichen Ordnungsämter auf, das Freihalten der Radspuren öfter und konsequenter zu kontrollieren. Die Einnahmen aus den Bußgeldern, so ADFC-Chefin Scheel, sollten den Bezirken zufließen, damit diese dafür ausreichend Personal einstellen könnten. Die gerade geschaffene Fahrradstaffel der Polizei sollte zudem nicht nur in Mitte, sondern auch in der City-West unterwegs sein.

BUND und ADFC fordern zudem die Schaffung und die deutlichere Kennzeichnung von Lieferzonen sowie mehr Angebote zum legalen Kurzzeitparken.