Facebook-Aufruf

Geht nach Berlin, zum billigen Schokopudding!

Ein junger Israeli will mit einer Aktion seine Regierung wachrütteln. Es geht um die Lebenshaltungskosten - in Israel und Berlin. Der Aufruf zum Auswandern sorgt für Aufregung.

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„Die Deutsche Gesellschaft empfängt Israelis in Berlin sehr freundlich. Deutsche und Israelis, die lange Zeit im Schatten des Holocaust gelebt haben, finden in Berlin einen gemeinsamen Boden.“ Das sagt der 25-Jährige Israeli, der in Berlin lebt und seine Heimat in Aufregung versetzt hat – mit einem Kassenzettel von Aldi und einem provokanten Aufruf.

Am Wochenende hatte der 25-Jährige auf Facebook die Discounter-Preise mit teureren Lebensmitteln in Israel verglichen: Einen Schokoladen-Pudding für 19 Cent, der – ganz ähnlich – in Israel 70 Cent kostet. Er schrieb: „Wer in Israel bleibt, muss bei sich selber sparen, bei seinen Kindern, bei Bildung, Essen, Unterkunft.“ Ein Leben dort sei nur für Reiche möglich.

Der Facebook-Post verbreitete sich rasant, Politiker und Medien reagierten. „Eine so starke Reaktion der Öffentlichkeit und der Medien habe ich nicht erwartet“, sagte der 25-Jährige am Mittwoch der Morgenpost. Seinen Namen möchte er nicht in der Zeitung lesen. „Ich werde diese Reaktion zum Anlass nehmen, dagegen zu kämpfen, wie wenig sich Israel um seine Bürger kümmert.“ Der 25-Jährige wolle auf Veranstaltungen in Tel Aviv zum Auswandern animieren. „Ich rufe Kanzlerin Angela Merkel auf, diesen jungen Menschen Visa zu erteilen.“

Politiker nehmen Debatte um Schokopudding ernst

Als Antwort auf die von israelischen Politikern und Zeitungen geäußerte Kritik, dass Juden aufgrund der Geschichte nicht nach Deutschland auswandern sollten, sagte der 25-Jährige: „Verglichen mit anderen Ländern gibt es in Berlin keinen Antisemitismus.“ Er liebe Israel und werde sicher auch zurückkehren – aber er wolle die Regierung wachrütteln. Der Einkaufszettel wurde in der Facebook-Gruppe „Olim LeBerlin“ veröffentlicht. Dieser Name spielt auf das Wort „Aliya“ an. Es bedeutet „Aufstieg“ und ist strikt für die Einwanderung nach Israel reserviert.

Wie ernst Politiker diese Debatte um den Schokopudding nehmen, zeigt die aktuelle Reaktion von Israels Oppositions-Führer Yitzhak Herzog. Er schrieb über Israel: „Das ist unser Land, kein Land oder keine Stadt der Welt kann es ersetzen.“