Bahnchef gratuliert

Die Drillinge von der Berliner S-Bahn werden 150

Torsten, Sven und Jens Mietzelfeld aus Köpenick sind die einzigen Drillinge im Unternehmen - und dürfen daher auch vom Bahn-Chef persönlich Glückwünsche empfangen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Am eigenen Geburtstag mit dem Chef anzustoßen, das kommt schon mal vor. Aber wenn der Chef circa 200.000 Mitarbeiter allein in Deutschland unter sich hat – also kaum Zeit für Einzelgespräche – und dass gleich drei Jubilare im Dreierpack erscheinen, das dürfte selten sein. Für Lars, Sven und Torsten Mietzelfeld war aber am Donnerstag so ein Morgen. Die Brüder haben ihren 50. Geburtstag gefeiert. Da sie die einzigen, ihrem Arbeitgeber S-Bahn bekannten Drillinge sind, ließ Rüdiger Grube, der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn AG – zu der die Berliner S-Bahn gehört –, sie in den 26. Stock des Bahn Towers am Potsdamer Platz einladen. Ohne vorher die Sache mit dem Sektempfang, der Torte und seiner eigenen Präsenz zu verraten.

Die Überraschung kam bei den drei Köpenickern gut an. „Schließlich werden wir hier oben kaum noch mal reinkönnen“, sagte Torsten. Oder war es Jens? Oder Sven? Sie sehen sich äußerst ähnlich – was genetisch vorgegeben ist bei eineiigen Geschwistern – und nennen sich ironisch auch „den gleichen Zellhaufen“.

Die gleichen Fehler im Diktat

Ihre Mutter saß mit an der reichlich gedeckten Frühstückstafel. Die 77-Jährige hatte schon im Aufzug nach oben eine frühere Kollegin erkannt, Charlotte Mietzelfeld hat zu DDR-Zeiten bei der Deutschen Reichsbahn gearbeitet, genauso wie ihr inzwischen verstorbener Mann. Ihre Söhne wählten denselben Arbeitgeber. „Wir sind alle drei mit 16 Jahren zur Bahn“, erinnerte sich Jens. Es war die erste Trennung. Er besuchte allein die Lokführerklasse, seine Brüder die Schlosserklasse.

An der früheren Polytechnischen Oberschule Peter Lambertz in Schmöckwitz waren sie unzertrennlich gewesen. Die Direktorin hatte verfügt, dass alle drei in eine Klasse kamen. „Zum Leidwesen der Lehrer, die uns nicht auseinander halten konnten“, sagte Jens. „Wir hatten dieselbe Frisur, wir trugen dieselben Kleider. Und wir hatten die Durchschnittsnote Drei, also die Eins des kleinen Mannes.“ Bei einem Diktat vergaßen auch alle drei den Buchstaben „t“ bei dem Wort „nicht“, erzählte ihre Mutter. „obwohl sie an drei getrennten Bänken saßen“. Jens bekommt plötzlich einen leeren Blick, Torsten beschäftigt sich mit seinen Fingernägeln und Sven antwortet auf die Frage, ob sie geschummelt hätten: „Nee, haben wir nicht.“

Auf derselben Strecke im Einsatz

Eine weitere Trennung kam mit der Armeezeit. Sven zog nach Seelow, traf seine spätere Frau und „blieb hängen“. Er wohnt dort heute noch mit seiner Familie, auch Tochter Anja war beim Geburtstagsfrühstück dabei. Als Sven nach dem Mauerfall seinen Posten beim Hochbauregiment verlor, konnte seine Familie ihn wieder zur Bahn zurückholen.

„1992 waren wir drei wieder zusammen“, sagte Torsten fröhlich. Er ist Personal- und Transportdisponent. Sven und Jens fahren als Lokführer Strecken auf dem gesamten S-Bahn-Netz. „Es gab Zeiten, da wurden wir so eingeteilt, dass wir im 20-Minuten-Abstand dieselbe Strecke fuhren. Das hat die Aufsichten wahnsinnig gemacht.“ Heute ist Jens aktiv als Betriebsrat. Torsten und Sven üben ehrenamtliche Tätigkeiten aus. Sven ist Richter am Finanzgericht Cottbus, Torsten Versichertenältester bei der Knappschaft Bahn-See.

Party mit Blasmusik

In der Freizeit sehen die Brüder sich oft. Torsten und Jens sind Nachbarn in Grünau, wo auch Sven zwischen zwei Schichten oft übernachtet. Außerdem lieben alle drei Wasser und Segeln und schätzen Musik: Jens spielt Tuba, Sven Tenorhorn und Torsten haut auf Pauke, Trommel und Becken. Die Orchesterkollegen der Blasmusikfreunde Köpenick kamen am Donnerstag zur großen Party ins Bootshaus nach Karolinenhof, dazu etliche Bahnkollegen. Die Vorbereitungen liefen schon seit Tagen.

Nun gab es noch die Zusatztorte von der Bahn mit der Zuckergussaufschrift: 150 Jahre - angeschnitten von Bahnchef Grube persönlich.