Umbenennung

Warum die AG City den Tauentzien zum Kudamm machen will

Viele Besucher und selbst Berliner halten die Tauentzienstraße für den Kurfürstendamm. Die AG City will sie daher auch so nennen. So ließe sie sich auch besser vermarkten. Doch der Bezirk ist dagegen.

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Familie Riederer aus Regensburg schaut verwirrt auf den Stadtplan. Das Ehepaar mit zwei Töchtern steht vor dem KaDeWe und will zur Touristeninformation am Kurfürstendamm. Doch das bereitet einige Schwierigkeiten, weil sich die Riederers auf dem Plan nicht wiederfinden.

So wie die Riederers sind zahlreiche Berlin-Besucher fest davon überzeugt, dass das KaDeWe und auch das Europacenter am Kurfürstendamm liegen. Von der Tauentzienstraße dagegen haben die meisten Touristen noch nie etwas gehört. Um das Verwirrspiel zu beenden, hat die Arbeitsgemeinschaft City West eine ungewöhnliche Initiative gestartet: Sie will die Tauentzienstraße in Kurfürstendamm umbenennen lassen. Dass es der Initiative dabei nicht nur um die Touristen, sondern auch um die besseren Vermarktungschancen der Anlieger unter dem guten Namen Kurfürstendamm geht, räumt Gottfried Kupsch, Vorstand der AG City, ein: „Natürlich legen insbesondere Kanzleien großen Wert auf eine Adresse am Kurfürstendamm“, so Kupsch.

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Um herauszufinden, was die Hausbesitzer von einer möglichen Umbenennung halten, habe man sämtliche Eigentümer am Tauentzien angeschrieben und ihnen diesen Vorschlag unterbreitet, so Kupsch weiter. Bislang hätten noch nicht alle auf das Schreiben reagiert, doch von KaDeWe und Europacenter habe man bereits positive Rückmeldungen für den Vorschlag bekommen. „Einige alteingesessene Berliner Familien waren jedoch auch dagegen“, sagt Kupsch.

Die AG City hat aber nicht nur die Hausbesitzer, sondern auch die Tourismuswerber von „visitBerlin“ um Stellungnahme gebeten. Und die sind begeistert: „Der Kurfürstendamm zählt zu den unverwechselbaren Markenzeichen Berlins“, schreibt visitBerlin-Geschäftsführer Burkhard Kieker. Die große Nähe der Tauentzienstraße zum Kurfürstendamm habe nicht nur geografische und wirtschaftliche Bedeutung, sondern sei wegen der enormen touristischen Anziehungskraft geradezu prädestiniert, einheitlich als Kurfürstendamm erlebbar zu werden.

Doch nicht nur für die bessere Orientierung der Touristen sei von Vorteil. Auch die bessere Auffindbarkeit der Häuser und Grundstücke insbesondere im „diffusen Nahbereich“ zwischen den beiden Straßen würde Rettungskräften und Polizei die Arbeit erleichtern, die an den Einsatzort „Kudamm“ gerufen werden.

Straßenumbenennungen sind ein heikles Thema. Sie nehmen viel Zeit in Anspruch, verursachen viel Protest und es müssen hohe rechtliche Hürden überwunden werden. Das hat Kupsch bereits bedacht. Vorsorglich hat der Immobilienunternehmer deshalb die gutachterliche Stellungnahme der Kanzlei SKW Schwarz Rechtsanwälte eingeholt. Diese kommen zu dem Ergebnis, dass eine Umbenennung der gut 500 Meter langen „Tauentzienstraße“ in „Kurfürstendamm 1–10 und 238ff. rechtlich zulässig ist“. Praktischerweise sind nämlich die Hausnummern Kurfürstendamm 1–10 bislang nicht vergeben und die Nummerierung auf der Südseite des Kurfürstendamms endet bei 237.

Neugestaltung nach dem Krieg

Der Grund für die kuriose Nummerierung liegt in der baulichen Neugestaltung des Breitscheidplatzes nach dem Zweiten Weltkrieg. Damals verlor der Kurfürstendamm seine natürliche Verlängerung nach Osten, die heutige Budapester Straße – die ihrerseits wiederum noch bis Anfang des 20. Jahrhunderts Kurfürstendamm hieß. Heute bildet dagegen die in 24 Hausnummern aufgeteilte Tauentzienstraße die natürliche Verlängerung des Kurfürstendamms.

Marc Schulte, Baustadtrat von Charlottenburg-Wilmersdorf (SPD) lehnt die Umbenennung dagegen entschieden ab. „Allein aus Marketing-Gründen werden wir keine Straße umbenennen“, erteilt der Baustadtrat der Initiative eine klare Abfuhr. Zudem sei eine „Umbenennung auch aus „historischen Gründen nicht der richtige Umgang mit der Straße“.

Auch für die mit dem Gutachten beauftragten Rechtsanwälte sehen in der historischen Bedeutung des Namens Tauentzien die „entscheidende Frage“ einer möglichen Umbenennung. Es müsse zunächst geklärt werden, inwieweit der General Graf Tauentzien heute noch durch prominente Straßennamen geehrt werden müsse.