Ein WC für alle

Bezirk Mitte führt Unisex-Toiletten in Rathäusern ein

Das Bezirksamt Mitte möchte den Menschen diskriminierungsfreie Angebote machen und hat drei „geschlechtsneutrale“ Toiletten eingerichtet. Hinweise auf den WCs sollen aufklären.

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In den Berliner Clubs ist es längst gang und gäbe, jetzt zieht auch die Verwaltung nach: In den drei Rathäusern in Mitte gibt es ab sofort nur noch „geschlechtsneutrale“ Toiletten. Geschlechtergrenzen sind passé.

Das Bezirksamt Mitte folgt damit dem Beschluss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) zu prüfen, in welchen Gebäuden des Bezirksamts Unisex-Toiletten eingerichtet werden können. Am 16. September werden sie offiziell von Bezirksbürgermeister Christian Hankem (SPD) eröffnet.

Drei weitere öffentliche Gebäude des Bezirksamts verfügen bereits über Toiletten, die Menschen aller Geschlechter gemeinsam benutzen können : die Häuser an der Schulstraße 99, an der Grüntaler Straße 21 und auch das Haus der Gesundheit.

Diskriminierung ersparen

Für das Bezirksamt seien in einer modernen Verwaltung diskriminierungsfreie und „diversitygerechte“ Angebote unerlässlich, heißt es in einer Mitteilung. Unisex-Toiletten seien ein erster Schritt in diese Richtung.

„Trans*- und Inter*-Lebensweisen werden durch diese Toiletten sichtbar gemacht“, heißt es in der Erklärung. Transsexuelle Menschen sind Menschen, deren biologisches Geschlecht nicht mit dem Geschlecht übereinstimmt, dem sie sich zugehörig fühlen.

Intersexuelle können genetisch, hormonell, psychisch oder anatomisch nicht eindeutig dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zugeordnet werden, oder wehren sich gegen eine Zuordnung. Die Unisex-Toiletten sollen nun den Menschen, die sich nicht eindeutig als Mann oder Frau definieren, Diskriminierungen ersparen. Kenntlich gemacht werden die Toiletten dadurch, dass die Piktogramme für Mann und Frau nebeneinander auf dem Schild erscheinen.

Hinweisschilder in WC-Räumen

Viele Menschen meldeten sich bereits bei Kerstin Dobrich, der Gleichstellungsbeauftragten von Mitte, und hatten Fragen zu der Einrichtung. Sie kann die Aufregung nicht verstehen. „Es ist einfach ein Angebot für alle. Dass Menschen darüber schmunzeln wundert mich.“ Außerdem gebe es zum Beispiel für Behinderte schon immer Unisex-Toiletten und kleinere Verwaltungsgebäude könnten allein aus baulichen Gründen keine zwei WCs anbieten.

Trotzdem, die Toilette für alle gehört noch nicht in den Alltag der Berliner. Um unangenehme Situationen zu vermeiden, hat das Bezirksamt in den WC-Räumen Hinweisschilder für die Gäste angebracht, die erklären, was Unisex-Toiletten sind.