Dachgärten

Grüne Oasen gut fürs Großstadt-Klima

Warum Dachgärten für Städte wie Berlin wichtig sind, sagt Wolfgang Ansel (48), Geschäftsführer des Deutschen Dachgärtnerverbandes, im Interview mit Morgenpost-Mitarbeiter Raimon Klein.

Foto: ZinCo

Berliner Morgenpost: Was macht das Besondere eines Dachgartens aus?

Wolfgang Ansel: Ein großer Vorteil ist die Freiheit der Gestaltung, ausgefallenere Ideen zu verwirklichen als am Boden. Man kann eine Fläche bearbeiten, die sehr privat ist, wo kein Nachbar direkt hineinschauen kann. Neben dieser höheren Privatsphäre kreiert die Tatsache, dass man sich auf einem Dach befindet, eine ganz besondere Atmosphäre.

Sind deswegen so viele Dachgärtenbesitzer eher öffentlichkeitsscheue Menschen?

Zunächst gibt es einfach viel weniger Dachgartenbesitzer als normale Gartenbesitzer. Dazu kommt, dass die Dachgartenbesitzer ihre Grünfläche als etwas sehr individuelles und intimes betrachten und dieses nur ihren Freunden und engsten Vertrauten zeigen möchten.

Warum sind Dachgärten für Großstädte wie Berlin so wichtig?

Es verhält sich ähnlich wie bei der Urban Gardening Bewegung, in der Stadtmenschen eine sehr emotionale Verbindung zur Natur eingehen. Am besten ist es, das an dem Ort machen zu können, an dem man lebt und nicht länger raus in die Natur fahren zu müssen. Zudem gibt es in den Großstädten einfach zu wenige Flächen am Boden und gleichzeitig riesige Flächen auf den Dächern, die nicht genutzt werden.

Ein Dachgarten ist also auch gut für das Klima einer Großstadt?

Genau, das ist sozusagen ein zusätzlicher Nutzen, da durch die Bepflanzung der Dachgartenfläche neue und vielfältigere Lebensräume geschaffen werden. Das hat den Effekt, dass es in den Städten sogar teilweise höhere Artenvielfalten gibt als auf dem Land.

Wie sieht denn der typische Dachgarten aus?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Dachgärten viel individueller sind als die Gärten am Boden. Die Menschen machen sich viel mehr Gedanken darüber, was sie mit dem Stück Fläche dort oben anfangen wollen. Den einen Trend gibt es zwar nicht, aber es gibt schon den klassischen Dachgarten mit Rasen und Sträuchern, der pflegeleicht ist. Für Besitzer mit Kindern gibt es einen Familiendachgarten, auf dem auch Spielgeräte aufgestellt werden. Man könnte auch ein ganzes Biotop anlegen oder einen ganzen Teich aufs Dach bringen. Wobei man hier genau schauen müsste, wie hoch die Gewichtsbelastung wäre.

Was müssen Einsteiger beim Bau eines Dachgartens beachten?

Der wichtigste Punkt ist immer die Frage nach der Statik. Auf einem bestehenden Gebäude müssen wir wissen, ob die Lasten, die durch die Dachbegrünung entstehen, dann tatsächlich auch von dem Gebäude aufgenommen werden können. Bei einem Neubau kann ich das dementsprechend vorher genau planen. Zudem sollte man sich das Umfeld des Gebäudes wirklich genau anschauen: was habe ich für Blickachsen und wie kann ich mit der Bepflanzung schöne Aussichten schaffen. Zudem sollte ein Dachgarten ein Stück weit zur Umgebung passen.

Kann man einen Dachgarten selbst anlegen oder braucht man einen Fachmann dazu?

Ich würde immer einen professionellen Landschaftsgärtner empfehlen, da dieser das entsprechende Know-how hat, um das Optimum aus der Fläche herausholen kann. Durch ihre Erfahrungen wissen sie, worauf es ankommt – etwa, was die Wasseranlagen betrifft. Eine gute Planung ist das wichtigste, denn alles, was auf das Dach kommt, muss erst von unten nach oben gebracht werden. Nicht, dass man am Ende immer mit der Gießkanne aus dem Erdgeschoss hochlaufen muss.

Haben Sie den Eindruck, dass immer mehr Dachgärten gebaut werden?

Das hängt ein Stück weit mit der Baubranche zusammen. Wenn mehr gebaut wird, gibt es auch mehr Dachbegrünung. Unabhängig davon bemerken wir, dass in den letzten Jahren das Bewusstsein zugenommen hat, nachhaltig, effizient und ökonomisch zu bauen – alles Faktoren, die durch eine natürliche Art der Dachbegrünung möglich sind.

Wie lange gibt es eigentlich Ihren Verband und was sind seine Aufgaben?

Gegründet wurde unser Verband 1985, die 80er-Jahre waren auch der Startpunkt der Dachbegrünungsbewegung. In dieser Zeit wurden die Möglichkeiten einer extensiven, also leichteren Dachbegrünung entdeckt. Unser Verband hat heute über 100 Mitglieder in ganz Deutschland, dabei handelt es sich vor allem um Fachbetriebe und weniger um private Dachgartenbesitzer. Unsere Hauptaufgabe ist die Öffentlichkeitsarbeit, wir wollen dafür werben, dass mehr Menschen einen Dachgarten nutzen.

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