Kommentar

Bloß nicht die Berliner Mieter aus ihren Wohnungen sanieren!

Die städtische Wohnungsbaugesellschaften investieren in ihren Bestand. Für Mieter mit geringen Einkommen kann aus einer Haussanierung ganz schnell eine „Raussanierung“ werden, meint Isabel Jürgens.

Foto: WBM

Stolz präsentiert der SPD-Bausenator Michael Müller auf einer Busfahrt die Bilanz. Berlins sechs städtische Wohnungsbaugesellschaften, so rechnet er vor, investierten in diesem Jahr 671 Millionen Euro in ihren Gebäudebestand. Soviel wie seit zehn Jahren nicht mehr. Das klingt toll, zumal in einer Stadt mit rasant wachsendem Wohnungsbedarf. Da der Löwenanteil dieser Summe in die Modernisierung fließt, können sich nicht nur Wohnungssuchende, sondern auch die Mieter freuen – über höheren Wohnkomfort und das gute Gefühl, etwas für die Umwelt zu tun.

Die entscheidende Frage, wer das Ganze eigentlich finanzieren soll, hat Müller auf seiner „Modernisierungsrundfahrt“ jedoch nicht beantwortet. Während die Steuerzahler befürchten müssen, dass die ohnehin noch besorgniserregend hohen Schuldenberge der Landesunternehmen erneut ins Unermessliche wachsen, drohen den Bewohnern nach erfolgter Modernisierung deutlich höhere Mieten. Durch die bessere Dämmung der Häuser sinken zwar die Betriebskosten – jedoch leider nicht so weit, dass die gestiegene Kaltmiete dadurch ausgeglichen wird.

Zudem ist im Mietenbündnis zwischen Senat und Wohnungsbaugesellschaften trotz vieler Proteste auch noch immer vereinbart, dass die Betriebskostenersparnisse auf die ortsübliche Vergleichsmiete draufgeschlagen werden dürfen. Für Mieter mit geringen Einkommen kann so aus einer Haussanierung ganz schnell eine „Raussanierung“ werden. Um das zu verhindern, muss Müller hier endlich nachbessern.