Umfrage

Berliner machen sich bundesweit die wenigsten Sorgen

Einer Umfrage zufolge sind die Berliner in Deutschland am optimistischsten. Nur jeder dritte hatte große Angst vor der Zukunft. Ganz anders sieht es in Brandenburg aus.

Berliner machen sich bundesweit die wenigsten Sorgen. Wie im Vorjahr war Berlin laut einer am Donnerstag vorgestellten aktuellen Umfrage der R+V Versicherung das optimistischste Bundesland. Demnach hatte jeder dritte Hauptstädter (33 Prozent) große Angst vor der Zukunft. Im ängstlichsten Bundesland Mecklenburg-Vorpommern war es dagegen jeder Zweite.

Am meisten Angst hatten die Berliner der Umfrage zufolge vor steigenden Lebenshaltungskosten – die Hälfte der Befragten gab an, sich davor zu fürchten. Antworten zu einzelnen Ängsten haben jedoch wegen der regional geringeren Zahl der Befragten nur einen begrenzten Aussagewert.

Brandenburg ist dagegen das drittängstlichste Bundesland. Abgesehen von Berlin sei die Angst überall in Ostdeutschland größer geworden, teilte die Versicherungsgesellschaft mit. In der Mark gaben 45 Prozent der Befragten an, große Angst vor der Zukunft zu haben. Am meisten fürchteten sie sich vor Pflegebedürftigkeit im Alter.

Ängste der Deutschen gehen insgesamt zurück

Auch bundesweit machen der Umfrage zufolge steigende Lebenshaltungskosten den Menschen am meisten Angst. In Brandenburg landete diese Sorge auf Platz drei.

Insgesamt sind Ängste der Deutschen in fast allen Bereichen zurückgegangen. Sorgen bereiten den meisten Menschen jedoch weiter die Kosten der EU-Schuldenkrise für die Steuerzahler, obwohl auch diese Furcht deutlich abgenommen habe, sagte Rita Jakli, Leiterin des Infocenters der R+V-Versicherung.

Während sich 2012 noch 73 Prozent und 2013 rund 68 Prozent der Deutschen vor den Kosten der EU-Schuldenkrise fürchteten, treibt diese Angst derzeit nur noch 60 Prozent der Menschen im Land um, sagte Jakli. Die Sorge bleibe damit jedoch auch in diesem Jahr die „absolute Top-Angst“. Als Dauerbrenner an der Spitze der Ängste behaupte sich zudem seit 15 Jahren die Sorge vor steigenden Lebenshaltungskosten, die in diesem Jahr 58 Prozent der Menschen belastet.

Kosten für Energie, Kraftstoffe und Nahrungsmittel gestiegen

Diese Sorge ums Geld habe trotz teils nur gefühlter Probleme auch einen realen Kern, weil die Nettoeinkommen vieler Bürger gesunken seien, betonte der Politikwissenschaftler Manfred Schmidt. So seien die Kosten für Energie in den vergangenen zehn Jahren um 70 Prozent, für Kraftstoffe um 38 Prozent und für Nahrungsmittel um 26 Prozent gestiegen, hieß es. Um den Euro sorgen sich der Studie zufolge derzeit noch 45 Prozent der Deutschen, vor zwei Jahren waren es 65 Prozent.

Deutliche Unterschiede bei den Ängsten seien zwischen Ost und West zu verzeichnen, hieß es. So hätten 43 Prozent der Ostdeutschen und 30 Prozent der Westdeutschen Angst vor einem Arbeitsplatzverlust. Um steigende Lebenshaltungskosten sorgen sich 66 Prozent der Ostdeutschen und 56 Prozent der Westdeutschen.

Frauen tragen Hauptlast der häuslichen Pflege

Große Sorgen bereitet den Deutschen weiterhin auch eine drohende Pflegebedürftigkeit im Alter: 51 Prozent haben davor Angst. Auch dies entspreche realen Entwicklungen, betonte Schmidt. Mit dem zunehmenden Alter der Bevölkerung steige auch das Risiko, selbst zum Pflegefall zu werden. So seien in Deutschland inzwischen 21 Prozent der Einwohner 65 Jahre oder älter, weltweit liege der Anteil nur in Italien und Japan noch höher.

Auf Pflege angewiesen zu sein bereite Frauen deutlich mehr Sorgen (58 Prozent) als Männern (45 Prozent), sagte Jakli. Auch das entspreche Alltagserfahrungen. So trügen Frauen derzeit die Hauptlast der häuslichen Pflege, seien jedoch häufiger auf Hilfe von außerhalb angewiesen, wenn sie selbst pflegebedürftig werden. Zudem könnten sie dafür auf weniger finanzielle Mittel zurückgreifen als Männer.

Angst vor Krieg mit deutscher Beteiligung gestiegen

Die Angst vor einem Krieg mit deutscher Beteiligung ist der Studie zufolge seit 2013 von 32 auf 35 Prozent gestiegen. Noch etwas größer ist mit 37 Prozent die Angst vor gewaltsamen Konflikten durch die Ukraine-Krise.

Geringfügig zugenommen haben auch die Sorgen vor Straftaten von 24 auf 26 Prozent und vor Spannungen durch Ausländer von 42 auf 43 Prozent. Schlusslicht bei den deutschen Ängsten ist wie in den vergangenen Jahren das mögliche Zerbrechen der eigenen Partnerschaft. Obwohl jede dritte Ehe geschieden werde, sorgten sich nur 18 Prozent der Befragten auch davor, sagte Jakli.

Für die repräsentative Umfrage werden jedes Jahr im Juni und Juli bundesweit rund 2.400 Einwohner ab 14 Jahren befragt. Dabei werden immer die gleichen 16 Fragen zu wirtschaftlichen, politischen, sozialen und persönlichen Ängsten sowie verschiedene Zusatzfragen zu aktuellen Themen gestellt.