Nach tödlicher Attacke

Berliner Polizei fasst den Messerstecher vom Alexanderplatz

Knapp 24 Stunden nach der tödlichen Attacke am Alexanderplatz ist der Täter gefasst. Es handelt sich um einen 18-Jährigen. Innensenator Henkel dankte der Polizei für den schnellen Erfolg.

Foto: schroeder

Die Nachricht vom gewaltsamen Tod eines 30-Jährigen am Sonntag in der Nähe des Alexanderplatzes hat die Berliner bestürzt – unterdessen ist der Polizei mit der Festnahme eines Tatverdächtigen in weniger als 24 Stunden nach dem Gewaltverbrechen ein rascher Erfolg gelungen. Der mutmaßliche Messerstecher ist erst 18 Jahre alt.

Die Ermittler der 2. Mordkommission konnten den jungen Mann bereits in der Nacht zum Montag mit großer Sicherheit identifizieren. Dieser war der Polizei bereits wegen anderer Gewalttaten und Drogendelikten bekannt gewesen. Noch am späten Sonntagabend hatte die Polizei eine recht vage Beschreibung des Gesuchten herausgegeben. Ein junger Mann, 20 bis 25 Jahre alt, auffällig nur wegen eines Nasenringes und drei kugelförmiger Piercings in der Unterlippe.

Am frühen Nachmittag gegen 13.40Uhr nahm die Berliner Polizei den 18-Jährigen in Friedrichshain fest. Widerstand soll er nicht geleistet haben. Anschließend wurde der Beschuldigte, gegen den wegen dringenden Tatverdachts ein Haftbefehl wegen Mordes beantragt wurde, zur Vernehmung den Ermittlern überstellt.

Streit eskalierte wegen banalem Anlass

Das Gewaltverbrechen wurde offenbar aus einem nichtigen Anlass begangen: Es ging um ein kurzes Wortgefecht zwischen zwei Gruppen, die nachmittags eher zufällig aufeinandertrafen, nachdem der 30-Jährige, der in Berlin gemeldet war, mit drei Begleitern einen Club in der Dircksenstraße verlassen hatte. Die Situation schien fast beruhigt, als der 18-Jährige plötzlich zustach. Das Opfer wurde von einem Notarzt reanimiert, dennoch starb der 30-Jährige während des Transports in ein Krankenhaus.

Das erinnert an einen anderen Fall: Jonny K. war im Oktober 2012 geschlagen und getreten worden. Er starb am Folgetag an Hirnblutungen. Die verstärkte Polizeipräsenz am Alexanderplatz mit mehr Streifengängen und einem Kontaktmobil war die politische Reaktion nach dem Mord. Das subjektive Sicherheitsgefühl konnte mit dieser Maßnahme gesteigert werden. Doch der jüngste Mord konnte auch so nicht verhindert werden.

„Alexanderplatz darf kein Angstraum werden“

Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) dankte der Polizei für den schnellen Erfolg bei der Fahndung. „Jede Sekunde, die ein solcher Gewalttäter weiter frei herumlaufen kann, wäre unerträglich gewesen“, teilte Henkel mit.

„Der Alexanderplatz darf kein Angstraum werden“, betonte Henkel. Es sei aber nachvollziehbar, dass die Menschen nach solchen Taten Angst hätten. Allerdings habe die Polizei in den letzten Jahren gegengesteuert und sei häufiger dort präsent, daher habe es auch weniger gefährliche Körperverletzungen gegeben.

Die Polizei könne aber nicht alles allein regeln, „was auf diesem Platz an Alkohol, Vernachlässigung und sozialen Spannungen aufeinanderprallt“, warnte Henkel. „Der Alex bleibt ein Ort, der großes Kopfzerbrechen bereiten muss.“

Grüne fordern mehr Einsatz vom Senat

Der innenpolitische Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, Benedikt Lux, fordert vom Senat mehr Einsatz zur Steigerung der Sicherheit. "Der Alex verzeichnet die höchste Straftatendichte und immer wieder erschreckende Gewalttaten. Diese lassen sich nicht immer vermeiden, trotzdem muss die Politik mehr im Kampf gegen Gewalt gerade an hochfrequentierten Plätzen tun – auch mit Polizeipräsenz." Dafür habe der Innensenator nichts zählbares erreicht. Eine kleine mobile Wache habe nicht ausgereicht.

Der Landeschef der Piratenpartei und deren innenpolitischer Sprecher, Christopher Lauer, forderte ein „ordentliches Sicherheitskonzept“. Es könne nicht sein, dass am helllichten Tag ein Mensch auf offener Straße niedergestochen wird, sagte Lauer am Montag. BM