Gesundheitstechnik

Siemens trennt sich von Infosoftware für Krankenhäuser

Der Konzern bezeichnet sich in dem Geschäft als chancenlos gegen die äußerst starke US-Konkurrenz. In Berlin sind zahlreiche Mitarbeiter vom Verkauf betroffen, vor allem Softwareentwicklere.

Foto: Thomas Peter / Reuters

Es hat dann doch nicht gereicht: Die Siemens verkauft sein Geschäft mit Krankenhaus-Informationssystemen an den US-Spezialisten Cerner. Man sei gegen die US-Konkurrenz chancenlos gewesen, gab Hermann Requardt, Chef der Siemens-Medizinsparte, zu. 14 Jahre lang hatte der Konzern versucht, zu einem der großen Anbieter auf dem Feld zu werden. Jetzt wechseln rund 6000 Beschäftigte weltweit von Siemens zu Cerner, darunter sind gut 600 in Deutschland – und zahlreiche in Berlin.

Die Hauptstadt ist der größte deutsche Standort des Bereichs. Hier sind vor allem Software-Entwickler und Vertriebsmitarbeiter beschäftigt. Wie viele Berliner Siemens-Mitarbeiter jetzt zu Cerner wechseln werden, ist unklar. Es sollen unter 200 sein, wie aus dem Umfeld zu hören ist. Der Konzern nennt keine genauen Zahlen. Weitere große Standorte in Deutschland sind Erlangen und St. Wolfgang (Bayern). Gesteuert wird das Geschäft aus Malvern im US-Bundesstaat Pennsylvania. Nach den USA beschäftigt der Bereich in Indien am meisten Mitarbeiter, vor allem Programmierer.

Einstieg vor 14 Jahren mit einem Zukauf

Der Verkauf ist auch Teil der neuen Konzernstrategie. Siemens-Chef Joe Kaeser hatte im Frühjahr angekündigt, den Konzern umbauen zu wollen. Managementebenen sollen wegfallen, die Medizinsparte (Healthcare) eigenständig innerhalb des Konzerns geführt werden, über einen Teilbörsengang wird zumindest nachgedacht. Als Start für die neue Struktur ist der Beginn des neuen Geschäftsjahres am 1. Oktober vorgesehen. Doch schon vorher wird in der Medizintechnik umgebaut.

Künftig werde sich Siemens in der Medizintechnik auf Systeme konzentrieren, die das Labor-, Bildgebungs- und Therapiegeschäft stützten, sagte Requardt. Die traditionsreiche Siemens-Medizintechnik verabschiedet sich immer mehr von der Vorstellung ihres ehemaligen langjährigen Managers Erich Reinhardt, an der kompletten Wertschöpfungskette des klinischen Betriebs zu verdienen. Erst jüngst verkauften die Münchner sein Mikrobiologiesegment.

Der Ausflug in die Klinik-IT erwies sich für Siemens als schlechtes Geschäft. Der Konzern hatte 2000 die US-Firma Shared Medical Services (SMS) gekauft und war damit in das Geschäft eingestiegen. Damals zahlte der Konzern 2,1 Milliarden Dollar. Die Amerikaner setzten mit 7600 Mitarbeitern jährlich 1,2 Milliarden Dollar um. Heute kommt das Geschäft mit Krankenhaus-Systemen auf knapp eine Milliarde Euro (1,33 Milliarden Dollar) Umsatz. Die Gewinne hielten sich in überschaubaren Grenzen.

Drei-Jahres-Garantie für Jobs

Sein Haus habe feststellen müssen, „dass der Geschäftserfolg unserer Krankenhausinformationssysteme nicht immer mit dem der Wettbewerber Schritt halten konnte“, sagte Spartenchef Requardt. Cerner zahlt Siemens umgerechnet rund 963 Millionen Euro. Die zuständigen Behörden müssen noch zustimmen. Das Geschäft solle im ersten Quartal 2015 abgeschlossen werden. Für drei Jahre sind die Arbeitsplätze für Mitarbeiter sicher. Auch eine entsprechende Standortgarantie wurde verhandelt.

Cerner-Manager John Peterzalek sagte: „Es gibt keine Pläne für eine Reduktion. Einer der Gründe für den Kauf war, uns die Talente zu sichern.“ Er erwartet, dass sich der Kauf für Cerner bereits in kurzer Zeit auszahle. „Wir rechnen mit profitablem Wachstum.“ Unterdessen arbeitet Siemens weiter daran, seine Hörgerätesparte an den Kapitalmarkt zu bringen. Parallel verhandelt Siemens über einen Ausstieg aus Bosch Siemens Hausgeräte (BSH).