Kriminalität

Nach Kinderporno-Razzia drei Berliner unter Verdacht

Nach einer bundesweiten Razzia besteht gegen drei Berliner der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs. Ein anonymer Hinweis brachte die Ermittler auf die richtige Spur.

Der Vorwurf wiegt schwer: In zwei einschlägigen Internetforen sollen Pädophile Kinderpornos ausgetauscht und sich gegenseitig Tipps gegeben haben, wie man Jungen anspricht. Am Dienstag durchsuchte die Polizei bundesweit mehr als hundert Wohnungen und beschlagnahmte kistenweise Beweismittel. Nach dieser bundesweiten Kinderporno-Razzia stehen nun fünf Männer unter Verdacht des sexuellen Missbrauchs – drei von ihnen leben und arbeiten in Berlin. Das teilte die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main am Mittwoch mit.

„Wir ermitteln wegen des Verdachtes der Verbreitung, des Erwerbs und des Besitzes kinderpornografischer Schriften“, sagte der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Oberstaatsanwalt Alexander Badle. Die Ermittlungen richteten sich gegen die mutmaßlichen Gründer und Nutzer zweier geschlossener Benutzergruppen eines in der Szene bekannten Internetforums, die den homosexuellen Kindesmissbrauch und den Tausch kinderpornografischen Materials zum Gegenstand hätten, erklärte er. Die beschuldigten Männer sind laut Behörde im Alter zwischen 21 und 60 Jahren, die drei Berliner Beschuldigten sind 37, 46 und 49 Jahre alt.

Verdächtige tauschten sich in Foren aus

Nach dem derzeitigen Ermittlungsstand sollen die Beschuldigten innerhalb dieser Internetgruppe Kontakte zu Gleichgesinnten geknüpft und mit diesen kinderpornografisches Bild- und Videomaterial ausgetauscht haben. „In den Foren wurden auch Erfahrungen ausgetauscht und praktische Hilfestellungen gegeben“, sagte Badle. „Beispielsweise auch, wie man den Kontakt zu Kindern herstellt.“

Neben den drei Berliner Beschuldigten ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen einen 49-Jährigen aus Nordrhein-Westfalen und einen 47 Jahre alten Beschuldigten aus Niedersachsen. Aufgrund der Forenbeiträge besteht auch der Verdacht des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern. Diese Wortbeiträge der beschuldigten Nutzer müssen nun aber erst auf ihren Wahrheitsgehalt überprüft werden. Es komme auch vor, dass die Nutzer in diesen Kreisen fiktive Taten fantasiereich beschreiben, um ihr Ansehen unter Ihresgleichen zu steigern, heißt es in Ermittlerkreisen. Die Verdachtsmomente reichen laut Staatsanwaltschaft für die Beantragung eines Haftbefehl bisher noch nicht aus.

Bei der bundesweiten Durchsuchung von 125 Wohnungen und Geschäften von insgesamt 115 Tatverdächtigen am Dienstag wurden in Berlin 26 Objekte von den Ermittlern durchsucht. 90 Beamte des Landeskriminalamtes waren bei der Razzia im Einsatz. In der Hauptstadt wurden Objekte in Reinickendorf, Mitte, Wedding, Tiergarten, Zehlendorf, Schöneberg, Kreuzberg, Friedrichshain, Lichtenberg, Treptow, Charlottenburg und Wilmersdorf. Auch in Brandenburg wurden am Dienstag sieben Objekte durchsucht. Dabei wurden nach Angaben des stellvertretenden Sprechers des Polizeipräsidiums Brandenburg, Dietmar Keck, ebenfalls Beweismittel sichergestellt worden. Weitere Einzelheiten nannte er nicht.

Kampf gegen Internetkriminalität

Die ungefähr 550 Beamten sicherten bundesweit umfangreiches Beweismaterial, darunter knapp 260 PCs und Notebooks, 850 externe Speichermedien wie Festplatten, USB-Sticks und SD-Karten, knapp 150 mobile Endgeräte wie Smartphones und Mobiltelefone und ungefähr 7500 optische Datenträger (CD/ DVD). Federführend für die Durchsuchungen ist das Landeskriminalamt Hessen.

Die Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT) wurde Anfang 2010 als Außenstelle der Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt am Main mit Sitz in Gießen errichtet. Die ZIT ist erster Ansprechpartner des Bundeskriminalamtes für Internetstraftaten bei noch ungeklärter örtlicher Zuständigkeit oder bei Massenverfahren gegen eine Vielzahl von Tätern bundesweit, heißt es in einer Informationsschrift der Generalstaatsanwaltschaft.

Die Ermittlungen waren durch einen anonymen Hinweisgeber in Gang gekommen. Das sichergestellte Beweismaterial wird nun ausgewertet. Über welchen Zeitraum sich das hinziehen kann, ist nach Angaben von Oberstaatsanwalt Badle völlig unklar.