Schmuckverkäufer

Betrüger auf dem Berliner Ring täuschen Pannen vor

Sie machen sich die Hilfsbereitschaft anderer zunutze. Schmuckverkäufer, die auf den Straßen Berlins und Brandenburgs Autopannen vortäuschen. Wer ihnen mit Geld hilft, bekommt statt Goldschmuck Tand.

Foto: Jan-Philipp Strobel / ZB

Der Kofferraum des Fahrzeugs mit meist ausländischem Kennzeichen steht offen. Daneben stehen mehrere hilflos wirkende Personen. Vorbeifahrende Autofahrer werden trotzdem oft rabiat gestoppt. In den warmen Monaten sind vor allem wieder im Westen und Süden Brandenburgs betrügerische Schmuckverkäufer unterwegs: auf Autobahnzufahrten, Rastplätzen oder Bundesstraßen.

„Die Masche ist immer gleich“, sagt Lutz Miersch, Sprecher der Polizeidirektion Süd. Die Trickbetrüger gaukeln vor, kein Geld mehr zu haben, um eine Reparatur zu bezahlen. Oder der Tank sei leer. Appelliert wird an das Mitleid. Man wolle nicht Geld erbetteln, sondern aus der Not heraus Schmuck verkaufen, werde meist erzählt.

Den Helfern werden dicke Ketten und Armbänder, Ringe mit bunten Steinen oder glitzernde Uhren präsentiert. Die Schmuckstücke tragen meist gleichzeitig zwei Stempel: 24 Karat und die Zahl 585. „Doch ein Fachmann erkennt schnell: Es ist kein Gold“, sagt Miersch. Die Retter in der Not sind geprellt und verlieren schon mal 100 Euro – im Einzelfall auch mehr.

Bei mysteriös erscheinenden Pannen sofort Polizei alarmieren

Autofahrer sollten sich nicht auf solche Angebote einlassen, warnt Miersch. Sie würden nicht nur Geld beim Kauf des billigen Schmucks einbüßen. Auch die angebliche Panne im laufenden Straßenverkehr könne für andere lebensbedrohlich sein. „Das ist ein gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr.“ Bei mysteriös erscheinenden Pannen sollte umgehend die Polizei informiert werden. Meist werden jedoch nur Anzeigen erstattet, wenn der Betrug später auffliegt.

Kritisch blieb ein 60-jähriger Berliner Motorradfahrer kürzlich auf der Landstraße 40 bei Güterfelde (Potsdam-Mittelmark). Den Kauf von Schmuck lehnte er ab, verständigte dafür aber die Polizei. Die fand dann heraus, dass der 22 Jahre alte Mann und seine 23 Jahre alte Begleiterin aus Rumänen mehrfach gesucht werden. Gegen sie wird wegen versuchten Betruges ermittelt.

Rentner ließ sich zu einer Fahrt zum Geldautomaten überreden

Weniger Glück hatte Mitte Juli ein 71-Jähriger im Landkreis Ostprignitz-Ruppin. Hinter Neuruppin gestikulierte ein Autofahrer und bat um Geld. Er hatte angeblich keinen Diesel mehr und wollte deshalb Schmuck verkaufen. Da der Rentner nicht genug Geld dabei hatte, ließ er sich überreden, gemeinsam zur Bank zu fahren. Für sein Geld erhielt der Mann dann mehrere goldfarbene Armbänder und Ringe, die sich allerdings als wertlos herausstellten.

Erst vor wenigen Tagen konnte die Polizei nach einem Hinweis in Ostprignitz Ruppin am Autobahndreieck Dosse drei mutmaßliche betrügerische Schmuckverkäufer stellen. Sie täuschten einen leeren Tank vor und versuchten Fahrzeuge anzuhalten. Die Rumänen im Alter von 20, 22 und 28 Jahren boten dafür wertloses Gold. Da der Verkauf aber noch nicht abgeschlossen war, wurden lediglich die Personalien überprüft.