Prozess

Mann gesteht vor Gericht Misshandlung seiner Freundin

Ein Berliner hat gestanden, seine Freundin stundenlang geschlagen, getreten und mit Reizgas besprüht zu haben. Grund war Eifersucht. Der 25-Jährige ist bereits vorbestraft.

Janin Sch. ist klein und zierlich, Lukas R. groß und kräftig. „Wir waren mal unzertrennlich, haben uns geliebt, hatten Zukunftspläne“, sagt der 25-Jährige am Mittwoch vor einer Moabiter Strafkammer. Und fügt mit Blick auf die ehemalige Freundin mit brüchiger Stimme hinzu: „Ich bin doch eigentlich ein Kuschelbär.“

Janin Sch. schließt genervt die Augen, als sie das hört. Die 27 Jahre alte Arzthelferin ist Zeugin und Nebenklägerin in diesem Prozess. Und ihr ehemaliger Freund, der „Kuschelbär“, ist wegen gefährlicher Körperverletzung angeklagt.

Immer wieder Handgreiflichkeiten

Kennengelernt haben sich die beiden Ende 2010. Lukas R. war dann auch sehr schnell in Janin Sch.s Wohnung im Ortsteil Westend eingezogen. Aber es wurde keine gute Beziehung. Lukas R. soll immer wieder handgreiflich geworden sein. Und Anlass für diese Ausbrüche war fast jedes mal Eifersucht.

Am 27. April 2012 eskalierte die Situation. Es ging mal wieder um einen Gutschein, den Lukas R. der Freundin Wochen zuvor zum Geburtstag geschenkt hatte: Einen Aufenthalt in den Thermen am Europacenter, mit Champagnerempfang, Sauna, Massage. „Ich hatte ihr das natürlich mit der Hoffnung geschenkt, dass sie mit mir dorthin geht“, sagt Lukas R. Das habe Janin Sch. aber nicht getan. Und er habe nun wissen wollen, mit welchem Mann sie statt seiner zum Wellness gegangen sei.

Mehrfach vorbestraft

Das habe sie ihm aber gar nicht sagen können. Denn der Gutschein existiere noch, beteuert sie vor Gericht. Er liege in der Wohnung ihrer Mutter. Lukas R. habe ihr das aber nicht geglaubt. Auch an diesem 27. April nicht, als er sie immer wieder schlug, sie an den Haaren durchs Wohnzimmer zog und das Kabel des Telefons aus der Wand riss, als sie die Polizei rufen wollte.

Als die Freundin nach einem weiteren Schlag mit dem Kopf gegen eine Waschmaschine prallte und das Bewusstsein verlor, trug er sie ins Bad und übergoss sie mit Wasser. Nachdem sie wieder zu sich kam, schlug er sie erneut. Wenig später attackierte er sie mit Deospray, das er anzündete und in Richtung ihres Gesichtes hielt.

Einen Tag später besprühte er Janin Sch. mit Reizgas und drückte ihr ein Kissen ins Gesicht, um ihre Schreie zu ersticken.

Lukas R. sagt vor Gericht, er habe damals unter dem Einfluss von Kokain gestanden und bereue die Tat. Er ist mehrfach vorbestraft, verbüßte wegen schweren Raubes eine Jugendstrafe von einem Jahr und neun Monaten. Im Juni 2012 wurde er zu einer Geldstrafe von 2400 Euro wegen unerlaubten Drogenbesitzes verurteilt.

Kokain im Strumpf

Ermittler stoppten ihn, als er mit einem Mercedes durch die Stadt fuhr, und entdeckten bei der anschließenden Kontrolle im Strumpf unterm linken Hosenbein kleine Tüten mit Kokain. Außerdem ist noch eine Verfahren wegen einer weiteren Raubtat offen. Opfer sollen diesmal Prostituierte gewesen sein. Auch dieser Vorwurf soll nun Thema des aktuellen Prozesses sein, der mit Zeugenaussagen fortgesetzt wird.

Lukas R., so ist zu hören, hofft dennoch auf eine Bewährungsstrafe. „Ich bin jetzt verlobt, werde bald Vater“ , sagt er. „Das einzige, was meinem Glück im Wege steht ist dieses Verfahren.“