BER-Sonderausschuss

Der zu kleine BER wäre schon mit Tegel-Flügen ausgelastet

Flughafenchef Mehdorn hält trotz der horrenden Mehrkosten den BER für „billig“ - zumindest im Vergleich. „Natürlich gibt es einen Baufortschritt“, sagt er dem BER-Ausschuss - und erntet Lacher.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Wann der künftige Hauptstadtflughafen BER startet, ist noch unklar. Flughafenchef Hartmut Mehdorn treibt aber schon jetzt seine Erweiterungspläne voran. Der BER werde schon am Tag seiner Eröffnung zu klein sein, bekräftigte er am Donnerstag vor dem BER-Sonderausschuss im Brandenburger Landtag. „Wenn der heutige Verkehr von Tegel zum BER umzieht, sind wir am BER voll. Dann haben wir aber noch kein Flugzeug von Schönefeld rübergeholt“, sagte Mehdorn.

Offenbar will Mehdorn den bisherigen Flughafen in Schönefeld länger nutzen als bislang geplant. Denn: Die geplante Erweiterung des BER durch Satelliten dauere „im besten Fall sieben bis acht Jahre“, sagte Mehdorn.

Der BER ist viel zu klein

Bislang war offiziell immer wieder dementiert worden, dass der Flughafen schon bei der Eröffnung zu klein sein werde. Dass bei der Abfertigung ein Chaos zu erwarten sei, sagte hingegen der Flughafen-Experte Dieter Faulenbach da Costa bereits im Jahr 2012 voraus. Er kam in seinem im Auftrag der oppositionellen Brandenburger CDU-Fraktion zum Ergebnis, dass der BER viel zu klein konzipiert und dem Passagierwachstum nicht gewachsen sein wird.

In seiner jüngsten Sitzung hat der Aufsichtsrat nun auch Geld für eine Überprüfung der Erweiterungsmöglichkeiten genehmigt. In einem Brief an die Mitarbeiter schreibt Flughafenchef Mehdorn deshalb jetzt sichtlich zufrieden: „Von strategischer Bedeutung ist die Freigabe der circa fünf Millionen Euro, die der Aufsichtsrat nun für Alternativplanungen zur Kapazitätssicherung nach der Eröffnung des BER bewilligt hat.“ Zwar sei von Anfang an geplant gewesen, je nach Marktentwicklung den BER sukzessive auf seine Maximalkapazität von 360.000 Flugbewegungen, also etwa 45 Millionen Passagiere, auszubauen. „Doch jetzt können wir erstmalig ernsthaft und offiziell prüfen, wie, in welchen Schritten und mit welchem Aufwand wir den BER künftig erweitern können“, so Mehdorn.

Der Hauptflughafen sei für etwa 27 Millionen Passagiere konzipiert. In Tegel und in Schönefeld wurden laut Mehdorn aber im vergangenen Jahr schon 26,3 Millionen Gäste gezählt. Die derzeitige Wachstumsrate liege bei etwa vier Prozent, schreibt er den Mitarbeitern. Vor dem Ausschuss sprach er von 4,5 Prozent.

Über die Lacher ärgert Mehdorn sich

Im alten Flughafen Schönefeld soll nach den bisherigen Plänen die Flugbereitschaft der Bundesregierung untergebracht werden. Mehdorn sieht darin kein großes Problem. „Selbst wenn wir Schönefeld nicht weiter betreiben würde, müsste die Flugbereitschaft der Regierung ein vorübergehendes Quartier akzeptieren“, argumentiert er. „Bis das neue Gebäude gebaut ist, würden ohnehin mindestens vier oder fünf Jahre vergehen.“ In der Sitzung des Ausschusses ging es nur am Rande um die umstrittene Finanzierung des BER.

Dabei hatte Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) eigens seine seit Wochen bis ins Detail geplante Tourismus-Sommerfahrt in die künftige Buga-Region im Havelland auf nächste Woche verschoben. Er wollte der Opposition im Sonderausschuss offenbar nicht die Bühne überlassen. CDU, FDP und die Grünen wollen der Flughafengesellschaft keinen Blanko-Scheck mehr ausstellen. Sie fordern wegen der vom Aufsichtsrat einstimmig genehmigten weiteren Finanzspritze von 1,1 Milliarden Euro eine Sondersitzung des Finanzausschusses – trotz Sommerpause des Parlaments. Dort soll das Thema nun nächsten Mittwoch beraten werden.

Der Flughafenchef sorgte mehrmals für Belustigung. Etwa mit dem Satz: „Im Vergleich zu München und Frankfurt wird das ein billiger Flughafen werden.“ Als Grünen-Fraktionschef Axel Vogel fragte: „Gibt es einen Baufortschritt?“ antwortete Mehdorn: „Wir sind Häme gewöhnt. Natürlich gibt es einen Baufortschritt. Wir sind keine Baustelle mehr. Wir machen Systemintegration.“ Das Lachen der Abgeordneten irritierte Mehdorn, zumindest für einen Moment. „Bin ich hier der Volksbelustiger?“

So sehr der Macher Mehdorn die Erweiterungspläne für den BER schon jetzt vorantreibt – bei seinen Aussagen zur Fertigstellung des Flughafens ruderte er jetzt zurück. „Unsere Ziel, bis Ende 2014 baulich fertig zu sein wollen, bleibt“, sagte er. „Davon haben wir aber die Brandschutzanlage ausgenommen.“ Das hörte sich vor einigen Monaten noch anders an.