CSD 2014

Christopher Street Day - Berlin feiert gleich dreimal Toleranz

Am Sonnabend zogen Schwule und Lesben durch Berlin, um für ihre Rechte zu demonstrieren. Unsere Reporter waren in der Stadt unterwegs. Die Eindrücke im Morgenpost-Minutenprotokoll.

Foto: dpa

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Am Ende war doch fast alles wie immer. Es war schrill, es war laut und ausgelassen, und die Wochen und Monate des öffentlichen Streits schienen vergessen. Nur, dass es in diesem Jahr zwei Paraden gab: den 36. Berliner Christopher Street Day und den ersten CSD des Aktionsbündnisses CSD 2014. Insgesamt kamen mehr als 500.000 Menschen, um gemeinsam ein Zeichen für ein freies, selbstbestimmtes Leben zu setzen.

„Die Veranstaltung ist ein Traum“

Politischer sollte es in diesem Jahr zugehen, als in den Jahren zuvor, das hatte der CSD Verein zuvor angekündigt – und dass, obwohl alle Politiker der großen Parteien ihre Teilnahme wegen der Streitigkeiten abgesagt hatten. Also eröffnete die nigerianische Menschenrechtsaktivistin Dorothy Aken’Ova die Parade.

Sie sagte in ihrer kurzen Rede, in Nigeria sei so eine Veranstaltung wie der Christopher Street Day ein Traum. „Aber ich weiß, dass er irgendwann wahr werden wird.“ Lauter Jubel. Und dann folgten die Botschafter oder Attachés der Länder, in denen Homo- oder Transsexualität fast schon Normalität ist. John B. Emerson, US-Botschafter in Berlin, sagte, obwohl viele Menschen auf der ganzen Welt wegen ihrer Sexualität diskriminiert würden, sei „heute ein Tag, um zu feiern, wer wir sind und wie wir sind.“

Aken’Ova zerschnitt das Band, und die 30 Wagen und Laufgruppen setzten sich unter lauten Electrobeats in Bewegung Richtung Wittenbergplatz. Angeführt wurde der Zug von 25 Dragqueens und -kings, die jene Länder repräsentierten, in denen es mit den Rechten für Schwule und Lesben nicht weit her ist.

Zu diesem Zeitpunkt war die zweite CSD-Parade, die das Aktionsbündnis Christopher Street Day ausrichtete, bereits unterwegs. Sie war vor der Botschaft Ugandas gestartet, um auf die restriktive Politik des afrikanischen Staats aufmerksam zu machen.

Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) eröffnete und zeigte sich solidarisch mit dem Bündnis. „Viele wussten nicht, wohin sie heute gehen sollten“, sagte er. „Sie, die heute hier sind, haben die richtige Wahl getroffen.“ Doch insgesamt kamen im Vergleich zur anderen Parade nur wenige Teilnehmer. Die Veranstalter schätzen, dass es fünf- bis zehntausend Menschen waren.

Doch auch die können auf ihre Anliegen aufmerksam machen. Als der Zug die russische Botschaft erreicht, bricht ein ohrenbetäubendes Pfeifkonzert aus. Als es dann anfängt zu regnen, sucht die Menge mit erhobenen Regenbogenfahnen Schutz – unter dem Balkon der Botschaft.

Berlin feiert die Toleranz. Und das nicht nur mit zwei Paraden, sondern mit dreien. Der Kreuzberger CSD, der unter anderem vom SO 36, dem Schwulenzentrum (SchwuZ) und der Rattenbar veranstaltet wird, wollte neben dem politischen Aufruf zu Vielfältigkeit und Toleranz vor allem auf die Solidarität und das Leben im Kiez aufmerksam machen. Den Veranstaltern ist es besonders wichtig, so wenig kommerziell wie möglich zu sein.

Aber am Ende war es doch eine große Party in der ganzen Stadt. Für die einen ging sie vor der Parteizentrale der CDU weiter, wo sich die Hauptbühne befand, und für die anderen am Nollendorfplatz. Trotz Regen, trotz verlaufender Schminke.

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