Moabiter Strafkammer

Vier Jahre Haft für Vergewaltiger eines Zimmermädchens

Weil er im Januar ein Zimmermädchen vergewaltigt hat, muss der 24-jährige Paul A. vier Jahre in Haft. Die Moabiter Richter blieben damit unter dem normalen Strafmaß. Doch das Opfer leidet bis heute.

Foto: Daniel Reinhardt / picture alliance / Daniel Reinha

Mit vier Jahren Haft bestrafte am Freitag eine Moabiter Strafkammer einen Mann, der am 4. Januar dieses Jahres in einem Hotel unweit des Alexanderplatzes ein Zimmermädchen vergewaltigte. Der 24-jährige Paul A. hatte die Tat vor Gericht gestanden. „Ich bin selber angewidert von dem, was ich getan habe“, sagte er vor der Urteilsverkündung. „Ich bin angeekelt von mir selbst.“

Paul A. kam am 4. Januar aus Neukölln von einer Party, hatte nach eigener Aussage reichlich Alkohol getrunken und Ecstasy-Pillen geschluckt. Gegen zehn Uhr betrat er das Hotel und hielt an der Rezeption einen Hotelausweis vor; woher er ihn hatte, blieb ungeklärt. In einem Flur des Hotels stieß er auf die 33-jährige Ina D. Sie hatte gerade ein Zimmer gereinigt, wollte das nächste betreten. Paul A. sagte, er könne sein Zimmer nicht finden, folgte ihr und gab an, in dem Hotel eigentlich seine kleine Schwester zu suchen, die angeblich seit Jahren spurlos verschwunden sei. Dabei trat er immer näher an das Zimmermädchen heran. Als Ina D. Angst bekam, warf er sie auf den Boden, schlug sie mehrfach mit der Faust, würgte und vergewaltigte sie. Anschließend half er der unter Schock stehenden Frau, das Bad zu reinigen und die Betten neu zu beziehen. Als es Ina D. gelang zu fliehen, verließ Paul A. das Hotel durch einen Hinterausgang. Bei seinem Opfer fanden sich jedoch DNA-Spuren.

Vergewaltiger Paul A. per DNA-Spur überführt

Paul A. war in der bundesweiten DNA-Analysedatei erfasst – er ist vorbestraft wegen Körperverletzung und Drogenhandels. So kamen die Ermittler schnell auf seine Spur. Das Gericht ging wegen des brutalen Vorgehens, bei dem das Opfer zahlreiche Verletzungen erlitt, von einer besonders schweren Vergewaltigung aus. Normalweise beginnen hier die Strafen bei mindestens fünf Jahren. Die Richter glaubten dem Angeklagten jedoch, dass er Drogen konsumiert hatte. Man habe davon ausgehen müssen, dass er zur Tatzeit nur eingeschränkt steuerungsfähig gewesen sei, hieß es in der Urteilsbegründung. Die Tat sei auch nicht charakteristisch für Paul A. Er habe sich „in einer Ausnahmesituation“ befunden.

Ina D. leidet bis heute an den Folgen dieser Tat. Sie war suizidgefährdet und befand sich fast acht Wochen in einem Krankenhaus. Nach einer Traumatherapie geht es ihr wieder etwas besser. Sie ist noch immer krank geschrieben, wird an ihre Arbeit als Zimmermädchen wieder stundenweise herangeführt.