Schlaganfall-Mobil

Rollendes Berliner Krankenhaus fährt vorerst weiter

Die mobile Schlaganfall-Hilfe in Berlin hat eine Zukunft – vorerst. Das Forschungsprojekt mit einem Spezialfahrzeug wird Bis Ende 2014 verlängert. Danach könnte es Streit mit den Krankenkassen geben.

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Wer einen Schlaganfall bekommt, benötigt schnelle ärztliche Hilfe. Je schneller sie kommt, desto geringer werden die Schäden im Gehirn, die der Betroffene behält.

Die Berliner Feuerwehr verfügt über ein einzigartiges Fahrzeug, das diese Hilfe ungewöhnlich schnell bringt, weil es ein kleines, rollendes Krankenhaus ist: Das Stroke-Einsatz-Mobil (Stemo). Es steht in der Feuerwache Wilmersdorf. Doch sein langfristiger Einsatz ist finanziell noch nicht gesichert.

Das Fahrzeug war im Rahmen eines Forschungsprojekts entwickelt und eingesetzt worden, finanziell gefördert von der Technologiestiftung Berlin. Diese Förderung lief Ende Mai aus. „Die gute Nachricht: Das Stemo bleibt uns vorerst erhalten“, sagte Berlins Innensenator Frank Henkel (CDU) am Freitag bei einem Ortstermin.

Zunächst sei das Forschungsprojekt verlängert worden, von Juni bis Ende Dezember 2014. Man hoffe, das Fahrzeug 2015 in den regulären Betrieb nehmen zu können. Dann solle eine entsprechende Gebühr in der Feuerwehrverordnung festgelegt werden.

Bis zum Jahresende 2014 soll das Stemo bei den Kassen als normales Noteinsatzfahrzeug abgerechnet werden. Die tatsächlichen Kosten in diesem halben Jahr sind jedoch voraussichtlich um 100.000 Euro höher und werden von der Charité übernommen.

Mehr als 3000 Einsätze bisher absolviert

Das Stroke-Einsatz-Mobil kostet etwa eine Million Euro. Es ist mit einen mobilen Computertomographen, mit Labortechnik und telemedizinischer Vernetzung ausgerüstet. „Fachkundiges Personal ist an Bord, und alles, was notwendig ist, um die Diagnose zu stellen und schon im Fahrzeug mit der Therapie zu beginnen“, sagte Professor Matthias Endres von der Charité. Eine wissenschaftliche Untersuchung habe gezeigt, „dass wir 50 Prozent mehr Patienten behandeln können und 25 Minuten schneller sind als bei der herkömmlichen, guten Behandlung.“

Mehr als 3000 Einsätze hat das Stema bisher absolviert. Die Krankenkassen seien bislang nicht bereit, das Fahrzeug in den regulären Betrieb aufzunehmen und zu finanzieren. Weil sie die Forschung mit dem Stemo noch nicht für ausreichend halten“, sagte Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU). „Das ist auch so. Die Deutsche Gesellschaft für Schlaganfallforschung sagte, es gebe noch weitere Sachverhalte, die zu prüfen sind“, so Czaja.

Jedes Fahrzeug kostet mit einer Million Euro dreimal so viel wie ein normaler Krankenwagen. Ab 2015 könnten die Einsätze also in die Gebührenordnung für Rettungseinsätze aufgenommen werden, sagte Henkel. Dann müssen die Kassen zahlen – oder sie klagen.