Unfallkrankenhaus

Deutschlands größte Rettungsstelle liegt in Marzahn

Die neue Notfallstation des Unfallkrankenhauses Marzahn öffnet in Kürze. Zehn Millionen Euro hat die 600 Quadratmeter große Erweiterung gekostet. Vorteile: kein Gedränge und schnellere Behandlungen.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

1600 Quadratmeter ist der Saal insgesamt groß. Himmelblaue Vorhänge und Glas sind zu sehen. Wände gibt es hier kaum. Nur hinter den Betten, den Stahltischen, den eisernen Kommoden stehen welche. Sie trennen die Behandlungsräume von den langen Fluren des Krankenhauses. Im Saal herrscht Transparenz.

Die neue Station erinnert an US-amerikanische Klinken, wie man sie aus diversen TV-Arzt- und Krimi-Serien kennt. Am 16. Mai 2013 wird die neue Rettungsstelle im Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn-Hellersdorf offiziell eröffnet werden.

„Durch die Erweiterung konnten wir den Workflow unserer Mitarbeiter optimieren und unnötiges Gedränge beseitigen“, sagt Pflegedienstleiter Stefan Wollschläger. „Außerdem können wir nun mehr Patienten schneller behandeln.“

UKB erstes neu gebautes Krankenhaus im ehemaligen Ostteil Berlins

Das UKB wurde 1997 als erstes neu gebautes Krankenhaus im ehemaligen Ostteil Berlins eröffnet. Laut Geschäftsführer Professor Axel Ekkernkamp wurde es damals für 13.500 Patienten pro Jahr konzipiert. „In den 90er-Jahren wurden weitere Traumazentren als unnötig eingestuft. Aber gleich nach unserer Eröffnung hatten wir so viele Handverletzungen, dass wir nach nur drei Monaten eine Spezialabteilung für Handverletzungen aufmachen mussten“, sagt Ekkernkamp.

In den folgenden Jahren hatten die Patientenzahlen dann regelmäßig zugenommen. 2008 kamen erstmals mehr als 55.000 Menschen zur Behandlung. „Auf diese Zahlenexplosion haben wir nun reagiert“, sagt Ekkernkamp. Fast drei Jahre, seit 2010, wurde bei laufendem Betrieb gebaut. Rund zehn Millionen Euro hat die 600 Quadratmeter große Erweiterung gekostet. Nach Klinikangaben ist die daraus entstandene Notaufnahme die größte und modernste in ganz Deutschland.

Modernisierung hat im UKB vieles verändert

Ekkernkamp erklärt die Investition: „Es war nicht so, dass wir hier vorher Mängel oder Probleme hatten. Aber gerade ein Notfallkrankenhaus muss top sein. Denn ein Notfallpatient kann sich – anders als eine schwangere Frau zum Beispiel – nicht aussuchen, in welches Krankenhaus er geht.“

Die Vergrößerungs- und Modernisierungsarbeiten haben im UKB vieles verändert. Zuvor haben sich wartende Patienten und jene, die mit dem Rettungsdienst ins Krankenhaus gebracht wurden, einen Eingang geteilt. Im Wartezimmer hat es nur 17 Plätze gegeben. Bei Gesprächsbedarf zwischen Angehörigen und Ärzten sind dafür zum Teil Behandlungsräume geräumt worden. Nun gibt es ein getrenntes Angehörigenzimmer. Außerdem gibt es private Räume für Gespräche mit Patienten über sensible Themen und zwei Isolationszimmer gegen Ansteckungsgefahr.

Namen und Daten jedes Patienten werden elektronisch erfasst

Das Wartezimmer wurde auf 60 Sitzplätze vergrößert. Nach der Anmeldung am Empfang wird entschieden, ob dem Patienten direkt in einem anliegenden, kleinen Behandlungsraum geholfen werden kann oder ob er zur weiteren Diagnose in den großen Saal eingewiesen werden muss. In dem Behandlungsraum ist die offene Situation ohne Wände Absicht. „Bei uns ist es ganz wichtig, dass wir ständig jeden Patienten überwachen können“, sagt Stefan Wollschläger. Insgesamt gibt es 37 Behandlungsplätze, davon können 29 hinter Trennvorhängen verschwinden.

Die Namen und Daten von jedem Patienten werden elektronisch erfasst. Dank vieler kleiner Monitoren und einer großen zentralen Anzeigetafel sind diese, zusammen mit der Dringlichkeit des Zustands und der genauen Position, für das Personal jederzeit schnell abrufbar.

156 Quadratmeter großer Schockraum ist das Herz der Rettungsstelle

Patienten in Lebensgefahr kommen direkt in den 156 Quadratmeter großen Schockraum. „Der Schockraum ist das Herz der Rettungsstelle“, sagt Stefan Wollschläger. Rettungsdienste erreichen den Raum mit vier Behandlungsplätzen entweder durch einen abgetrennten Flur oder, wenn Patienten per Hubschrauber eingeliefert werden, mit einem in der Nähe liegenden Aufzug.

„In dem Krankenhaus gilt das Prinzip: Je größer der Notfall, desto kürzer der Weg zu dem Schockraum. Bei Notfällen zählt jede Sekunde“, sagt der ärztliche Koordinator des UKB, Holger Hilt. „In diesem Zimmer haben wir alles parat. Hier sind Beatmungsgeräte, Infusionstechnik und auch alle notwendigen Medikamente.“ Diese sind in großen Schränken nach einem ABC-Prinzip geordnet, mit einem Abteil extra für Kindermedizin. Im Unfallkrankenhaus in Marzahn sind 65 Prozent der Patienten Notfälle.

Im Durchschnitt bringen die Krankenhaus-Hubschrauber drei Mal täglich in Lebensgefahr schwebende Menschen in die Notfallstelle. „Bei uns ist der Notfall der Normalfall“, sagt Stefan Wollschläger. Im neuen Rettungssaal müssen Patienten nun nicht mehr den Behandlungsplatz wechseln. Stattdessen bleiben sie von der Einweisung bis zur Ausweisung am gleichen Platz. „Nicht wie früher, als die Patienten sogar in den Gängen standen und Mitarbeiter Slalom fahren mussten, um an die Röntgengeräte zu kommen“, sagt Stefan Wollschläger.

Kein Personalmangel im Unfallkrankenhaus Berlin

Platz für Patienten habe es aber immer gegeben. „Das UKB hat noch nie einen Patienten abgewiesen. Das wissen auch die Rettungsdienste“, sagt Stefan Wollschläger. Anders als viele andere Krankenhäuser in Berlin leide das UKB auch nicht unter Personalmangel. 18 Ärzte und 45 Pflegekräfte sind in der Rettungsstelle täglich anwesend. Weitere Fachärzte wie Optiker können hinzugerufen werden.

Das UKB hat den Sonderpreis als „Berlins bester Arbeitgeber 2013“ von der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und dem Institut für Management- und Wirtschaftsforschung erhalten. Ekkernkamp glaubt, die Gründe dafür zu kennen: „Besser bezahlt sind unsere Mitarbeiter nicht, aber sie können hier in einer Hauptstadt arbeiten, wir sind ein familienfreundlicher Arbeitgeber, und vor allem ist die Arbeit bei uns lernintensiv.“ Zur Eröffnungsfeier am 16. Mai wird auch Gesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) erwartet.