Interview

Drei Fragen an die Turnierreiterin Julia Voigtländer

Im Schulbetrieb ist Reiten fast ein reiner Mädchensport. Bei den Turnieren sind auf einmal die Männer in der Überzahl. Wo kommen die plötzlich her?

Foto: privat

Julia Voigtländer (44) ist Vorsitzende des Regionalverbands der Reit- und Fahrvereine Berlin e.V. und Besitzerin des Dressurstalls Eichkamp. Die Turnierreiterin und Betriebswirtin übernahm die Anlage 2000 von ihrer Mutter. Tochter Pia (19) ist ebenfalls Turnierreiterin und mehrfache Landes- und Europameisterin der Junioren.

Morgenpost: Pferdemädchen wird nachgesagt, dass sie entweder Pferde oder Jungs lieben, ist das so?

Julia Voigtländer: Das mag daran liegen, dass sich die Interessen vieler pferdeverrückter Mädchen in der Pubertät dann doch eher auf Jungen und damit auf andere Freizeitaktivitäten verlagern und sie mit dem Reiten aufhören. Wer über diese Zeit hinweg weiterreitet, bleibt meist dabei – und hat trotzdem einen Freund.

Ist Reiten ein Mädchensport?

Julia Voigtländer: Unter den Reitschülern, den Hobby- und Dressurreitern sind Mädchen und Frauen in der Mehrheit. Unter den Profis gibt es dann auf einmal deutlich mehr Männer. Besonders beim Springreiten. Die sind auf einmal da. Und obwohl es insgesamt mehr Pferdewirtinnen als Pferdewirte gibt, sind die guten Ausbilder für Turnierreiter meist Männer. Frauen bleiben eher im Breiten- und Hobbysport. Der Profi-Reitsport ist ein körperlich sehr harter, anstrengender Sport.

Wo kommen die Männer denn her?

Julia Voigtländer: Jungen, die reiten kommen meist aus Reiterfamilien oder vom Land, sonst ist das sehr schwer für sie. Als Minderheit unter vielen Mädchen im Reitunterricht werden sie in der Stadt oft gehänselt. Wer kommt da schon gern zum Reiten? Bei uns sind unter den etwa 80 Reitschülern gerade mal zehn Jungen.