Zitadelle Spandau

Unbekannte Gewölbe in der Zitadelle Spandau entdeckt

Bei der Restaurierung des Magazingebäudes aus der Renaissancezeit haben Archäologen bislang unentdeckte Gewölbe gefunden. Die Schau „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ verzögert sich um ein Jahr.

Die Berlingründer Markgraf Johann I. und Markgraf Otto III. sollen hier genauso eine Heimat finden finden wie der Begründer der Sowjetunion, Wladimir Iljitsch Lenin. Damit die tonnenschweren Skulpturen, die im früheren Proviantmagazin auf der Zitadelle Spandau ein sicheres Dach über dem Kopf und vor allem einen festen Grund unter dem Sockel bekommen, wird es allerdings noch etwas dauern.

Die geplante große Ausstellung mit Berliner Denkmälern kann wegen Bauproblemen erst im Juni 2014 – und damit ein Jahr später als geplant – eröffnet werden. Doch die Bauschwierigkeiten haben auch Positives zu Tage gefördert: Archäologen entdeckten bei Sondierungsarbeiten fünf bislang unentdeckte Gewölbe, sogenannte Kasematten.

Das historische Magazingebäude diente ursprünglich dazu, für den Fall einer Belagerung Lebensmittel aller Art aufzunehmen. Doch inzwischen droht das Gebäude aus dem 16. Jahrhundert, seiner Insellage geschuldet, buchstäblich im Morast zu versinken. „Die untere Fensterreihe befindet sich bereits auf Kniehöhe“, erläuterte der mit der Restaurierung des Gebäudes beauftragte Architekt Per Pedersen bei einem Ortstermin am Mittwoch.

Damit des Haus nicht noch weiter absinkt, wird das gesamte 115 Meter lange Gebäude derzeit mit einer Betonbodenplatte abgefangen. Im Zuge dieser Baumaßnahmen war man in einer Tiefe von 2,50 Meter unter der Gebäudekante auf punktuell angelegte Pfahlpakete gestoßen, die den Haus einst den nötigen Halt gaben. Für die Verlängerung der U-Bahn-Linie U7 zum Rathaus Spandau im Jahr 1984 hatte man jedoch den Grundwasserspiegel auch im Bereich der Zitadelle abgesenkt. Mit dem Ergebnis, dass die bis dahin tadellosen Eichenpfähle verrotteten.

Munitionsdepot vermutet

Doch nicht nur der Boden muss nun erneuert und standfest gemacht werden, sondern auch die zur Wallseite ausgerichtete Mauer, da diese enorme Feuchtigkeitsschäden aufwies. „Dabei entdeckten wir die Kasematten, die direkt an dem Gebäude ansetzten und in den Wall hineingegraben waren“, erläuterte Gunnar Nath. Der Archäologe ist für die Berliner Bodendenkmalpflege zuständig.

Die insgesamt fünf Gewölbe, jeweils rund fünf Meter breit und vier bis fünf Meter hoch, wurden seiner Vermutung nach für die Aufbewahrung von Munition genutzt. „Man wollte wohl das explosive Material beschusssicher außerhalb der Versorgungsgebäude aufbewahren“, so Nath. Denkbar sei jedoch auch, dass die Kasematten als Gefängniszellen genutzt wurden. „Genau werden wir es wohl im Sommer wissen, wenn wir die Gewölbe komplett frei gelegt haben“, so Nath. Ob die Kasematten für Besucher zugänglich gestaltet werden, ist noch offen. „Das hängt auch davon ab, was wir noch finden“, so der Bodendenkmalpfleger.

Zu den unangenehmen Seiten der laufenden Restaurierung gehört die Tatsache, dass die Denkmäler-Schau nun zwölf Monate später zu sehen sein wird. Zudem erhöhten sich die Baukosten von zwölf auf 14 Millionen Euro, sagte Andrea Theissen, Leiterin des Spandauer Kunstamtes. Kernstück der Dauerausstellung mit dem Titel „Enthüllt. Berlin und seine Denkmäler“ soll der Kopf des Lenin-Denkmals werden.

Die Monumentalskulptur war kurz nach dem Mauerfall am damaligen Leninplatz (heute Platz der Vereinten Nationen) in Friedrichshain abgerissen worden. Die 19-Meter-Figur aus rotem Granit ist noch in einem Waldstück in Köpenick verbuddelt. Mindestens der knapp zwei Meter hohe und 3,5 Tonnen schwere Kopf soll nun ausgebuddelt und nach Spandau verfrachtet werden. Möglicherweise werden auch andere Körperteile des Revolutionärs geborgen. „Für das ganze Denkmal sind die Räume jedoch nicht hoch genug“, sagte Theissen. Die Museums-Decke ist rund neun Meter hoch.

150 Skulpturen gesammelt

Neben dem Lenin-Kopf sollen rund 150 Skulpturen und Büsten, darunter auch 32 Standbilder von der früheren Siegesallee im Tiergarten, zu sehen sein. „Wir wollen über die Denkmäler Geschichte vermitteln“, sagt Theissen. Die ausgewählten Exponate reichten von der Kaiserzeit über die Zeit des Nationalsozialismus bis zur Wiedervereinigung. Als Zeichen politischer Herrschaft, ideologischer Legitimation oder als Orte des Gedenkens veranschaulichten sie die deutsche Vergangenheit und den Umgang mit ihr. Schließlich wurden Skulpturen zu den unterschiedlichsten Zeiten abgeräumt, umgesetzt oder in Depots vergessen oder eben im Wald vergraben, so die Historikerin.