Drogeriemärkte

Chinesische Eltern kaufen Deutschen die Babynahrung weg

Berliner Eltern müssen sich auf leere Milchpulver-Regale in Drogerien einstellen. In China haben Eltern kein Vertrauen in einheimische Produkte und exportieren Babynahrung lieber aus Deutschland.

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Leere Regale und Schilder mit der Aufschrift „Nur zwei Pakete Säuglingsnahrungen pro Person“ – das erwartet Berliner Eltern, wenn sie in Drogeriemärkten Milchpulver für ihre Kinder kaufen möchten. Betroffen sind dabei die Marken Milumil und Aptamil von Milupa. Die Drogerieketten dm und Rossmann rationieren die Produkte – denn eine halbe Woche nach der Lieferung sei mehr als die Hälfte der Wahre schon verkauft, erklärt eine Mitarbeiterin einer dm-Filiale in Schöneberg. Oft müssen die Eltern dann mehrere Filialen aufsuchen, um das angestrebte Produkt kaufen zu können.

Doch wo ist die Ware? Wer sich auf Spurensuche begibt, findet zum Beispiel auf Taobao, dem chinesischen Pendant zu Ebay, massenweise Angebote der Milupa-Babynahrung. Unter anderem werden dort 800-Gramm-Packungen der Anfangsmilch Aptamil Pre verkauft. In Deutschland würde so eine Packung rund 20 Euro kosten, doch hier wird sie für den satten Preis von 295 chinesischen Yuan, umgerechnet 36 Euro, angeboten.

Der Milupa-Sprecher Stefan Stohl bestätigt die Spekulation, dass ihre Produkte nach China geschmuggelt werden. Dies geschehe anhand von Kleingewerben, die Studenten anheuern würden, um große Mengen an Säuglingsmilch in deutschen Drogeriemärkten zu kaufen. Auch habe das Unternehmen schon Privatanfragen von Stewardessen bekommen, die die Produkte ihren Verwandten in China mitbringen wollten.

Tausende Babies erkrankten an Melamin

Vor vier Jahren erkrankten in China fast 300.000 Neugeborene. Der Grund war, dass Melamin in dem Milchpulver für Säuglinge gefunden wurde, um einen höheren Proteingehalt des Milchpulvers vorzutäuschen. Seitdem haben die chinesischen Eltern kein Vertrauen mehr in die einheimischen Babynahrungsprodukte. Also lassen sie sich von privaten Exporteuren aus Deutschland via Internet mit dem deutschen Pulver versorgen. Ein Mitarbeiter der Pressestelle der chinesischen Botschaft in Berlin erklärte, dass sie das Problem wahrgenommen hätten. „Wir wollen das Vertrauen in die ländlichen Produkte fördern“, fügte er hinzu. Doch bis dahin sind Lieferengpässe und leere Regale in Berliner Drogerien die Konsequenz dieses massenhaften Verkaufs. Das Angebot decke nicht die Nachfrage, so Christoph Werner, Geschäftsführer für Marketing und Beschaffung von dm.

Um den sogenannten Hamsterkäufen vorzubeugen und die Versorgung zu sichern, sehen sich die Drogeriemarktketten gezwungen, die Abgabe dieser Produkte einzuschränken. „Sobald sich die aktuelle Situation wieder normalisiert hat, werden wir diese Entscheidung natürlich revidieren“, so Werner.

Die Produktionsfirma Milupa in Fulda arbeitet an der obersten Auslastungsgrenze. „Wir sind am Limit unserer Produktionsmöglichkeiten“, sagt Sprecher Stohl. Rund 40.000 Tonnen an Babymilchprodukten werden dort produziert. Eine neue Produktionslinie in einem anderen Werk sei aber in Planung. Eine Preiserhöhung müssten die deutschen Eltern aber nicht befürchten.

Allerdings sei das Phänomen auch schon bei anderen Marken wie beispielsweise Hipp zu beobachten, so Sina Balkau von Rossmann. „Wir möchten aber keine Panik schüren und weisen die Eltern darauf hin, dass wir noch weitere Produkte im Sortiment haben“, sagt sie.

2012 wurde diese Art von Schmuggel auch der neuseeländischen Regierung bekannt gegeben und unter Strafe gestellt. Insgesamt wurden Produkte im Wert von 95 Millionen Euro illegal nach China exportiert.