Schulen

Land Berlin sucht dringend 1000 neue Lehrer

In Berlins Schulen sind zahlreiche Stellen frei. Nicht alle können derzeit besetzt werden, denn es fehlt an Bewerbern. Die Bildungsverwaltung wirbt deshalb auch um Quereinsteiger ohne Lehrerstudium.

Foto: Patrick Pleul / ZB

Die Berliner Schulen benötigen dringend neue Lehrer. Zum kommenden Schuljahr sollen laut Bildungsverwaltung noch rund 1000 Pädagogen eingestellt werden. Etwa 260 Fachkräfte können durch Entfristungen von Arbeitsverträgen gewonnen werden. Die Neueinstellungen erfolgen dann ab Anfang Mai in den sogenannten zentralen Lehrercastings und in dezentralen Auswahlverfahren.

Ob dann genügend Bewerber für die gesuchten Fächer antreten, ist ungewiss. Denn schon im Februar mussten 400 neue Lehrer eingestellt werden. Paul Schuknecht, Vorsitzender der Berliner Schulleitervereinigung, geht davon aus, dass der Bewerbermarkt nun deutlich angespannter sei. Vor allem für Schulen am Stadtrand und an sozialen Brennpunkten könne es schwer werden, die freien Stellen zu besetzen.

Zudem müssten Sekundarschulen mit gymnasialer Oberstufe befürchten, dass sie bei der Einstellung von Studienräten gegenüber den Gymnasien das Nachsehen haben. Denn nachdem die Gymnasien im vergangenen Jahr einen doppelten Abiturjahrgang verabschiedeten, gab es vorübergehend einen Personalüberhang. Nun werden auch hier Fachkräfte wieder gesucht.

Obwohl die Bewerbungsfrist eigentlich schon am 31. März 2013 abgelaufen war, veröffentlichte die Bildungsverwaltung am Mittwoch einen Aufruf, dass auch verspätete Bewerbungen bei Bedarf berücksichtigt werden. Für Mangelfächer seien auch Quereinsteiger ohne Lehrerausbildung willkommen.

Das sind die Mangelfächer in Berlin

Voraussetzung ist ein Hochschulabschluss, aus dem zwei Unterrichtsfächer abgeleitet werden können. Pädagogisch werden die Quereinsteiger dann berufsbegleitend qualifiziert. Zu den Mangelfächern gehören Mathematik, Physik, Chemie, Informatik, Musik und Arbeitslehre. Zudem können sich Quereinsteiger für die beruflichen Fachrichtungen Elektrotechnik, Metalltechnik, Bautechnik, Psychologie und Sozialpädagogik bewerben.

Bereits jetzt arbeiten 120 Seiteneinsteiger an den Berliner Schulen. „Die Liste der Mangelfächer wird immer länger“, sagt Florian Bublys, Sprecher der Initiative Bildet Berlin. Die Einstellung von Quereinsteigern, denen die pädagogische und methodische Ausbildung fehle, gehe zulasten der Schulqualität, so Bublys. Vielmehr müsse Berlin die Attraktivität des Lehrerberufs erhöhen, um ausreichend Bewerber zu bekommen.

Die Initiative Bildet Berlin setzt sich für eine Gleichstellung der angestellten Lehrer mit den verbeamteten Lehrern ein. In den meisten anderen Bundesländern werden die Lehrer anders als in Berlin verbeamtet und erhalten somit bessere Konditionen. Zwar werden derzeit Junglehrer in Berlin in die höchste Gehaltsstufe eingruppiert, um konkurrenzfähig zu sein, doch diese Regelung kann jederzeit wieder gestrichen werden.

Fakt ist, dass sich der Lehrermangel in Zukunft weiter zuspitzen wird. Der Altersdurchschnitt der Lehrer an Berlins Schulen liegt bei über 50 Jahren. Und für die nächsten Jahre wird eine steigende Schülerzahl prognostiziert. Insgesamt rechnet der Senat mit einen Anstieg um 36.478 Schüler bis zum Jahr 2022.