Prenzlauer Berg

Dauerfrost erschwert Start von neuen Berliner Parkzonen

Autofahrer sollten ab 2. April für das Parken im Bötzowviertel zahlen. Doch nicht alle Parkautomaten konnten installiert werden.

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Es herrscht Bodenfrost. Seit Wochen schon. Deshalb kann man keine Betonfundamente für Parkschein-Automaten gießen. Deshalb kann man keine Schilder im gepflasterten Gehweg installieren. Und deshalb gibt es nur einen verhaltenen Start für die neuen Parkzonen in Prenzlauer Berg. Geplant war: Ab 2. April 2013 sollen Autofahrer zahlen, wenn sie im Bötzowviertel, in der Grünen Stadt, an Arnim- und Humannplatz, südlich von Bornholmer und Wisbyer Straße und im Friedrichshainer Barnimkiez ihr Fahrzeug abstellen. Ein Euro pro Stunde soll fällig sein. Doch lediglich 60 der 380 Automaten sind bisher aufgestellt – und nur im Bötzowviertel.

Die übrigen werden in einer Lagerhalle bei Eberswalde aufbewahrt. Man habe eine Prioritätenliste, nach der sie in den kommenden Wochen aufgebaut werden sollen, sagte Pankows Stadtrat für Bürgerservice, Torsten Kühne (CDU). Nach dem Bötzowviertel werden die dunkelblauen Geräte an Arnim- und Humannplatz aufgestellt, in der Grünen Stadt und dann südlich der Bornholmer Straße. „In der dritten Aprilwoche wollen wir durch sein“, kündigte der Dezernent an. Zuletzt sollen die Automaten im Barnimkiez aufgestellt werden, der dem Bötzowviertel benachbart ist.

Kontrollkräfte stehen in den Startlöchern

Im Gegensatz zu den Automaten und Schildern sind die Kontrollkräfte des Ordnungsamtes pünktlich zum Einsatz bereit. Die 63 neuen Mitarbeiter sind im Februar und März an der Verwaltungsakademie in Friedrichsfelde ausgebildet worden. Sie haben zum Abschluss noch einen Erste-Hilfe-Lehrgang absolviert. Ihre Dienstkleidung ist angefertigt und hängt in den Schränken im Verwaltungsgebäude an der Fröbelstraße. Am heutigen Dienstag wird Stadtrat Kühne die neuen Mitarbeiter begrüßen und sie an den Start schicken. Denn egal ob die Parkscheinautomaten stehen oder nicht – alle Straßen in den neuen Parkzonen werden von heute an kontrolliert. Mit der großen Gründlichkeit, für die die Kontrolleure des Pankower Bezirksamtes bekannt sind.

Sie werden Knöllchen schreiben, wenn Fahrzeuge falsch geparkt sind, keine grüne Umweltplakette tragen oder die TÜV-Kontrolle überfällig ist. „Es gibt keinen Anlass für große Kulanz“, sagte Torsten Kühne. Denn schließlich werden die 63 Kontrolleure aus den Einnahmen der Parkraumbewirtschaftung bezahlt – jeder Tag Verzögerung bringt finanzielle Einbußen für das Bezirksamt. Ein kleines Maß an Großzügigkeit wird es aber doch geben. Dort, wo schon Parkscheinautomaten stehen, werden die Kontrolleure in den ersten beiden Tagen nur „Infoknöllchen“ verteilen, wenn sie weder Parkschein noch Vignette am Auto finden. Langfristig sollen sich die neuen Parkzonen rechnen. Erwartet wird, dass sie dem Bezirk Pankow einen Überschuss von etwa einer Million Euro im Jahr erbringen. Vor allem durch Einnahmen aus Strafzetteln.

6000 Anträge auf eine Vignette

Es geht um rund 11.000 Stellplätze in den neuen Zonen 44 und 45 in Prenzlauer Berg. Die Gebühr wird von Montag bis Sonnabend, jeweils 9 bis 24 Uhr erhoben. Anwohner hätten bislang rund 6000 Anträge auf eine Vignette gestellt, sagte Stadtrat Kühne. Sie kostet 20,40 Euro für zwei Jahre. Zu rechnen sei mit insgesamt 10.000 Anträgen. Seine Verwaltung hatte schon Ende Februar 44.000 Anschreiben an die betroffenen Haushalte in Prenzlauer Berg geschickt, um sie über die Parkraumbewirtschaftung zu informieren. Ziel ist, dass Anwohner künftig besser einen Stellplatz in der Nähe ihrer Wohnung finden, und dass weniger Berufspendler ihre Autos in den Straßen abstellen.

Erreicht werden soll auch, dass weniger Fahrer auf der Suche nach einem Stellplatz im Kiez unterwegs sind – also, dass sich der sogenannte Park- und Suchverkehr vermindert. Experten hatten in mehreren Verkehrsuntersuchungen nachgewiesen, dass es sinnvoll ist, im Bötzowviertel, in der Grünen Stadt, an Humann- und Arnimplatz und südlich der Bornholmer Straße Parkgebühren zu erheben. Denn in diesen Quartieren hat ein Verdrängungseffekt eingesetzt. Freie Stellplätze sind seit Herbst 2010 Mangelware geworden, als die ersten drei Parkzonen in Prenzlauer Berg eingeführt wurden. Seither weichen Berufspendler auf die benachbarten Straßen aus, in denen sie ihr Auto noch kostenlos stehen lassen können. Dort sind die Stellplätze am Straßenrand derzeit durchschnittlich zu 95 bis 100 Prozent ausgelastet.

Barnimkiez wohl erst ab Mai Parkzone

Der Barnimkiez, der zu Friedrichshain gehört, aber von Pankow kontrolliert wird, geht voraussichtlich erst im Mai als Parkzone 40 an den Start. Betroffen ist das Gebiet zwischen Mollstraße, Otto-Braun-Straße, Friedenstraße und dem Platz der Vereinten Nationen. Dort ist Gebührenpflicht von Montag bis Freitag, 9 bis 20 Uhr, und sonnabends von 9 bis 18 Uhr. Viele Anwohner wünschen sich die Bewirtschaftung der fast 1000 Stellplätze am Fahrbahnrand. Denn sie befürchten, dass noch mehr Auswärtige in ihren Straßen parken, wenn im benachbarten Bötzowviertel die Stellplätze Geld kosten.

Deshalb könnte der April böse Überraschungen für die Bewohner des Barnimkiezes bringen. Denn das viel besuchte Bötzowviertel hat bereits Parkscheinautomaten. Es könnte sein, dass die Kunden der Gaststätten im Quartier, die Besucher des Filmtheaters am Friedrichshain und die Besucher des Volksparks Friedrichshain ihre Autos vor allem im Barnimkiez stehen lassen, wo sie noch kostenlos parken können. Eine Situation wie diese wollten die Bezirkspolitiker den Bewohnern ersparen. Deshalb hatten sie beschlossen, dass Bötzowviertel und Barnimkiez zur gleichen Zeit Parkzone werden. Der lange Winter hat einen Strich durch diese Rechnung gemacht.