Spektakulärer Unfall

Hesse rast mit Dienstwagen frontal gegen Brandenburger Tor

Der 22-Jährige, der gegen eine der Säulen des Brandenburger Tores gefahren ist, sei erst wieder wach geworden, „als es geknallt hat“.

Am frühen Mittwochmorgen ist ein 22 Jahre alter Mann mit einem BMW ungebremst gegen eine Säule des Brandenburger Tores gerast. Das Berliner Wahrzeichen bekam ein paar Kratzer ab, an dem Fahrzeug entstand Totalschaden. Der Fahrer wurde verletzt in ein nahe gelegenes Krankenhaus gebracht.

Der spektakuläre Unfall ereignete sich wenige Minuten nach zwei Uhr nachts. Nach Angaben der Polizei fuhr der 22-Jährige mit einem BMW aus dem Westen kommend in Richtung Osten die Straße des 17. Juni entlang. Kurz vor dem Platz des 18. März muss den Fahrer vermutlich der sogenannte Sekundenschlaf übermannt haben. Der Fahrer folgte nicht mehr dem Straßenverlauf nach rechts oder links, sondern fuhr ungebremst geradeaus weiter über die Bordsteinkante und den Platz. Kurz darauf prallte das Auto gegen das Brandenburger Tor.

„Der Fahrer war vermutlich hinter dem Steuer eingeschlafen“, sagte ein Polizeisprecher. „Er stand nicht unter Drogeneinfluss, und eine Atemalkoholmessung hat 0,00 Promille ergeben.“ Der Mann, der als Monteur arbeitet, kommt aus dem Raum Hessen und war mit einem Fahrzeug einer hessischen Keramik-Firma unterwegs. Die Beamten, die nur wenige Minuten nach der Kollision an der Unfallstelle eintrafen, gaben an, dass der Fahrer trotz der Wucht des Aufpralls ansprechbar war. Er sei angeschnallt gewesen, der Airbag habe funktioniert. Dennoch musste die Feuerwehr den Fahrer zur stationären Behandlung in ein Krankenhaus bringen. Es habe der Verdacht eines Schlüsselbeinbruchs bestanden, hieß es.

Der „Bild“-Zeitung sagte der Monteur, er wisse nicht, wie es zu dem Unfall gekommen sei. „Vielleicht war ich unterzuckert, weil ich nichts gegessen habe“, wird der junge Mann zitiert. Er sei erst wieder wach geworden, „ als es geknallt hat“. Der 22-Jährige verletzte sich außerdem leicht an den Knien.

Die Feuerwehr musste rund um das Autowrack ausgelaufenes Öl und Kühlflüssigkeit mit Spezialmitteln abbinden, damit diese nicht im Boden versickern. Das Unfallfahrzeug wurde noch in der Nacht sichergestellt und abgeschleppt. „Der BMW wird in den kommenden Tagen auf mögliche technische Defekte untersucht“, sagte ein Polizeisprecher. So soll ermittelt werden, wie es zu dem Unfall am Wahrzeichen gekommen ist.

An der Säule des Brandenburger Tores entstanden kleinere Schäden, Sandstein ist abgesplittert. Dass keine größeren Schäden an dem historischen Bauwerk entstanden sind, liegt vor allem daran, dass vor den einzelnen Säulen noch gusseiserne Poller stehen. Sie verhinderten, dass der Unfallfahrer mit seinem Auto mit voller Wucht gegen das Tor fahren konnte. Zwei der Poller wurden beschädigt. Von dem Zustand des Wahrzeichens verschafften sich Mitarbeiter der Senatskulturverwaltung am Freitagmorgen einen Überblick.

Schadenshöhe unbekannt

„Die Beschädigung ist ärgerlich, aber nach dem jetzigen Erkenntnisstand liegen keine gravierenden Schäden vor. Die Statik des Bauwerks wurde nicht beeinflusst“, sagte Günter Kolodziej, Sprecher der Kulturverwaltung. So ein Unfall sei glücklicherweise sehr selten. „Wir schützen das Brandenburger Tor so gut wie möglich, aber einen kompletten Schutz wird es nicht geben. Das würde die Ästhetik und die Anmutung des historischen Bauwerks empfindsam stören.“ Die Höhe des Schadens müsse jetzt eine Fachfirma genauer untersuchen.

Nach Angaben des Sprechers der Kulturverwaltung besichtigten noch am Tag nach dem Unfall Gutachter eines Fachunternehmens den Schaden. Dabei handele es sich um Mitarbeiter der Firma, die sich auch sonst um die Restaurierung und Instandhaltung des Tores kümmert.

Die Stiftung Denkmalschutz Berlin hat zwischen 2000 und 2002 zum letzten Mal eine Restaurierung des Tores durchgeführt. 22Monate war das von Carl Gotthard Langhans zwischen 1788 und 1791 im klassizistischen Stil erbaute Wahrzeichen verhüllt. 56.900Arbeitsstunden verbrachten Restauratoren damit, es zu reinigen, statisch zu sichern und Schadensstellen auszubessern. Die größte Herausforderung war, an einer Säule auf der Tiergartenseite eine stark kriegsgeschädigte Trommel auszuwechseln. Dazu musste die Säule hydraulisch abgestützt und der neue Stein behutsam in drei Teilen hineingeschoben werden. Die berühmte Quadriga, die bereits einige Jahre zuvor restauriert worden war, blieb dabei die ganze Zeit auf dem Dach. Ingesamt flossen 3,9Millionen Euro in die Sanierung.

Obwohl das Tor nun fit für die nächsten Jahrzehnte ist, kostet es jedes Jahr bis zu 40.000 Euro Unterhalt – unter anderem für die Beseitigung von Graffiti und kleineren Schäden wie beispielsweise denen von Mittwoch.