Fahrbahnschäden

Schlaglöcher werden in Berlin nur noch provisorisch gestopft

Berlins Holperpisten sind ein Aufreger für alle Verkehrsteilnehmer. Nun sollen auf stark beschädigten Straßen Tempolimits eingeführt werden.

Foto: Sergej Glanze / Glanze

Die Winterschäden auf Berlins Straßen werden zunehmend zum Verkehrshindernis. Überall in der Stadt sind inzwischen Teilabschnitte von Straßen oder einzelne Fahrstreifen wegen gefährlicher Löcher im Asphalt gesperrt. Dort, wo die Gefahrenstellen beseitigt werden, stecken Autofahrer hinter den Baufahrzeugen im Stau. Weil die Tiefbauämter der vielen Schlaglöcher kaum noch Herr werden, verhängen einige Bezirke jetzt sogar Geschwindigkeitsbeschränkungen auf stark beschädigten Teilstrecken. Auch für die Leser der Berliner Morgenpost sind die Holperpisten ein Reizthema. Viele haben sich wegen Schlaglöchern in ihrem Kiez, auf der Strecke zur Arbeit oder zum Einkaufen an diese Zeitung gewandt. Die Berliner Morgenpost hat in den zuständigen Bezirksämtern nachgefragt, um die wichtigsten Fragen zu klären.

Auf der Charlottenburger Bismarckstraße hatte die Polizei am Wochenende wegen des schlechten Fahrbahnzustand zwischen Kaiser-Friedrich-Straße und Richard-Wagner-Straße jeweils die mittlere Spur der drei Fahrstreifen pro Richtung gesperrt. Wann wird dort etwas getan?

Nach Auskunft des Tiefbauamtsleiters Rembert Pischnick waren am Montag auf der gesamten Bismarckstraße Baufirmen unterwegs, um die Fahrbahnschäden zu beseitigen. Ausnahmsweise sei nicht nur provisorisch mit dem schnell verfügbaren Kaltasphalt, sondern mit Heißasphalt gearbeitet worden. Die ausgebesserten Stellen würden so wenigstens einige Wochen halten. Nach Pischnicks Aussage sollten die Arbeiten auf der Bismarckstraße noch am Montag abgeschlossen werden.

Warum werden nicht alle Löcher in der Stadt mit haltbareren Heißasphalt geschlossen?

Nach Auskunft verschiedener Tiefbauämter muss heißer Gussasphalt, wenn er mehrere Monate halten soll, bei trockener Fahrbahn und Temperaturen über dem Gefrierpunkt verbaut werden. Anderenfalls könnten die reparierten Stellen schnell wieder ausbrechen. Zudem ist Heißasphalt teurer als das kalte Material. Nach Auskunft des Neuköllner Tiefbauamtsleiter Wieland Voskamp kostet ein Quadratmeter Kaltasphalt etwa zehn, der Quadratmeter Gussasphalt etwa 50 Euro. Außerdem gehen Ausbesserungsarbeiten mit Kaltasphalt schneller. Bei heißem Asphalt sind längere Vorarbeiten nötig und es müssen Abkühlungszeiten eingehalten werden. Entsprechend wären jeweiligen Straßenabschnitte mindestens einen halben Tag gesperrt.

Überwachen die Bezirksämter die Ausbesserungsarbeiten der Firmen?

Nach Aussage mehrerer Stadträte haben die Bezirksverwaltungen nicht das Personal, um die provisorische Reparatur jedes einzelnen Schlaglochs in der Stadt zu kontrollieren. Größere Baustellen würden aber überwacht.

Gleich mehrere Morgenpost-Leser hatten den Maximiliankorso in Frohnau als „schlimmste Straße“ im Bezirk bezeichnet. Was tut das Bezirksamt dagegen?

Auf dem Maximiliankorso gilt seit Montag Tempo 10. „Dort reiht sich wirklich Schlagloch an Schlagloch“, sagte Reinickendorfs Stadtentwicklungsstadtrat Martin Lambert (CDU). „Wir hatten keine andere Wahl mehr, als dort eine Geschwindigkeitsbegrenzung zu verhängen.“ Nach Lamberts Angaben steht der Maximiliankorso auf der Liste der Straßen, die der Bezirk für eine Grundsanierung aus dem Schlaglochsonderprogramm des Senats angemeldet hat.

An der Miraustraße in Reinickendorf haben sich zwei tiefe Krater aufgetan. Wann wird die Gefahrenstelle beseitigt?

Nach Aussage des zuständigen Stadtrats Martin Lambert wurden die Löcher bereits provisorisch mit Kaltasphalt geschlossen. Insgesamt sei diese Straße aber „in nicht so schlechtem Zustand“.

Was wird gegen die Fahrbahnschäden auf dem Ostburger Weg in Rudow getan?

Das Bezirksamt Neukölln plant dort eine Geschwindigkeitsbeschränkung von derzeit 30 auf nur noch zehn Stundenkilometer. Nach Auskunft des Tiefbauamts ist die Straße bis in den Untergrund so stark beschädigt, dass nur eine grundlegende Erneuerung helfen kann. Ein Neubau der Straße ist allerdings erst in der Investitionsplanung des Bezirks für 2017 vorgesehen. Auch auf der Planetenstraße soll demnächst Tempo 10 gelten. Auf dem Buckower Damm von Alt-Buckow bis zur Landesgrenze und auf einem Teilstück der Blaschkoallee in der Nähe zur Kreuzung mit dem Britzer Damm will der Bezirk Tempo 30 verhängen.

Wann werden Hildburghauser Straße, Mariannen- und Lorenzstraße in Lichterfelde instand gesetzt?

Nach Auskunft des Steglitz-Zehlendorfer Tiefbauamts werden die schlimmsten Löcher in der Straßendecke kurzfristig mit Kaltasphalt geflickt. Die Straße sollte eigentlich bereits vor Jahren grundlegend erneuert werden. Wegen der hohen Anliegerkosten nach dem Straßenausbaubeitragsgesetz hätten die Bezirksverordneten dem aber nicht zugestimmt, sagt Amtsleiter Martin Müller-Ettler. Nachdem das Gesetz gekippt wurde, sollen die Umbauten nun Anfang 2014 beginnen und etwa zwei Jahre dauern. Weil dann Mariannen- und Lorenzstraße als Umleitungsstrecke benötigt würden, könnten diese beiden Straßen erst nach dem Hildburghauser Damm saniert werden.

Ist die einst intakte Decke der Wiesbadener Straße in Friedenau nach der Verlegung von Fernwärmeleitungen besonders anfällig für Frostschäden?

„Das Problem mit dem aufgeplatzten Asphalt ist uns leider nicht bekannt“, sagt dazu der Baustadtrat von Tempelhof-Schöneberg, Daniel Krüger (CDU). Insofern seien dort auch keine baulichen Maßnahmen geplant.