Klaus Kandt

Berlins neuer Polizeichef - „Mehr Polizei bringt auch mehr“

Bei derAmtseinführung betont Kandt, dass er künftig für eine moderne Polizei sorgen will. Jedoch sorgt er sich um die Personalentwicklung.

Foto: Paul Zinken / dpa

Die Veranstaltung wäre auch geeignet gewesen, dem neuen Amtsinhaber ein bisschen Furcht vor der eigenen Courage einzujagen. Als „große Aufgabe“, beschrieben die Redner nacheinander den Job des Berliner Polizeipräsidenten. „Erfordert Koordination und Taktgefühl“, „die Polizei kann die Gewalt nicht alleine stoppen“, „26.000 polizeilich relevante Veranstaltungen im Jahr“, „es stehen weitreichende strategische Entscheidungen an“, „das schwierigste und aufregendste Amt“. Kein Wunder, dass Klaus Kandt schließlich sagte, als er selbst ans Rednerpult trat, viel Raum für eine eigene Agenda scheine es auf dem Posten kaum zu geben.

Ulrich Wegener war unter den Gratulanten

Dienstagmittag im Alten Stadthaus an der Klosterstraße: Der „Bärensaal“ ist blau. Blau von Uniformen. Zur feierlichen Amtseinführung von Klaus Kandt als Berliner Polizeipräsident ist die ganze Polizeiführung anwesend. Auch ehemalige Präsidenten sind da, Vertreter der Parteien und Bezirke, Geistliche, Klaus Kandts Frau, sein jüngster Sohn auch. Bevor es los geht mit Bläserquintett und Ansprachen, plaudert der EX-GSG9-Mann Kandt mit einer Legende der Polizei: Auch Ulrich Wegener, Mitbegründer der Eliteeinheit und Mitbefreier der „Landshut“ im Deutschen Herbst 1977, ist gekommen.

Bei der Amtseinführung ging es nicht nur um Kandt, auch Interimspräsidentin Margarete Koppers wurde gedankt. „Wir haben beide ein aufregendes Jahr miteinander verbracht“, sagte Innensenator Frank Henkel (CDU) zu Koppers. Der 1. Mai, die NSU-Affäre – all das habe sie beide auch geprägt. Nun freue er sich über das starke Team Kandt-Koppers an der Polizeispitze.

Kandt lobte er als „exzellenten Fachmann“. Vizepräsidentin Koppers selbst betonte die gute Zusammenarbeit mit Kandt – und versicherte ihm, dass er in der Polizei eine „tolle Mannschaft“ und 22.800 Mitarbeiter vorfinden werde, „die täglich das Beste für die Stadt geben“.

Größte Herausforderung ist nicht der 1. Mai

Für ihn sei die größte Herausforderung nicht der 1. Mai, sagte Kandt. Der sei „fachlich durchdekliniert“ nach all den Jahren, von der eingeschlagenen Route wolle er nicht abweichen. „Vor allem die strategische, die personelle Aufstellung ist die Herausforderung“, sagte Kandt. Mit Sorge sehe er die personelle Entwicklung in der stetig wachsenden Stadt. „Wir sind in einer Phase, in der man sagen kann, mehr Polizei bringt auch mehr.“

Er wolle für Einsatzfähigkeit sorgen und dafür, dass die Polizei ein attraktiver Arbeitgeber sei. „Die Stadt ändert sich und die Polizei muss sich mit ihr ändern, dafür will ich gerne sorgen“, sagte Kandt. „So ein Amt gibt es in Deutschland nur einmal.“