Prozessauftakt

Berliner soll zwei Seniorinnen getötet haben

Mustafa S. steht vor Gericht, weil er zwei Frauen in ihren Wohnungen ermordet haben soll. Doch nur eine Tat hat der Mann bislang eingeräumt.

Mustafa S. soll an einem Imbissstand vom vermeintlichen Reichtum der Rentnerin Ursula M. erfahren haben. Am 10. Februar 2012 klingelte er an ihrer Wohnungstür an der Berenhorststraße in Berlin-Reinickendorf. Er gab an, ein Handwerker zu sein. Die Hausverwaltung habe ihn wegen einer Reparaturarbeit geschickt. Die 85-Jährige ließ ihn arglos in die Wohnung. Wenig später war sie tot.

Der ehemalige Psychologiestudent muss sich ab dem heutigen Mittwoch vor einer Moabiter Schwurgerichtskammer wegen Mordes verantworten. Doch es geht nicht nur um eine Tat in diesem Prozess.

Den Ermittlungen zufolge soll der 39-Jährige bereits am 4. August 2010 eine Seniorin in ihrer Wohnung getötet und ausgeraubt haben: Die 82-jährige Ingeborg D. aus Wilmersdorf war am 10. August 2010 tot in ihrer Wohnung gefunden worden. Hinweise auf einen Täter gab es damals nicht.

Arzt ging zunächst von natürlichem Tod aus

Und auch im Fall der getöteten Ursula M. wäre Mustafa S. zunächst fast davongekommen. Angehörige fanden ihre Leiche, benachrichtigten einen Arzt, und der ging zunächst von einem natürlichen Tod ohne Fremdverschulden aus. Aber ganz sicher schien diese Einschätzung nicht. Es wurde eine Obduktion angeordnet. Dabei entdeckten die Gerichtsmediziner Hinweise, dass die gehbehinderte Seniorin erwürgt wurde. Und es fanden sich DNA-Spuren, die im Labor für DNA-Analysen in Wiesbaden zu einem schon registrierten Mann führten: dem mehrfach wegen bislang kleinerer Straftaten vorbestraften Mustafa S.

Am 28. Februar 2012 wurde Mustafa S. in Berlin festgenommen. Er hatte die Tötung der 85-jährigen Ursula M. auch schnell gestanden. Bei der Polizei soll er gesagt haben, dass er die alte Dame als Handwerker getarnt aufsuchte, um sie heimlich zu bestehlen. Sie habe das jedoch bemerkt und laut um Hilfe geschrien. Er habe versucht, sie daran zu hindern, aber keineswegs töten wollen. Als sie zusammensank, sei er davon ausgegangen, dass sie lediglich ohnmächtig geworden sei. Danach hatte er etwa 2000 Euro Bargeld und Schmuck aus der Wohnung genommen. Als Motiv gab Mustafa S. Spielsucht an. Er habe deswegen hohe Schulden gehabt.

Gerichtsmediziner gehen davon aus, dass die beiden Seniorinnen nach ähnlichem Muster getötet wurden. Im Fall der 82-jährigen Ingeborg D. bestreitet Mustafa S. jedoch die Tat. Er gab zu, die alte Dame gekannt und ab und an für sie kleine Einkäufe erledigt zu haben. Am Tattag habe er sie angeblich aber gar nicht angetroffen, weil sie die Wohnungstür trotz Verabredung nicht geöffnet habe.