Gleiche Tatwaffe

Neue Spuren im Fall Pepper nach Geiseldrama in Storkow

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Ulla Reinhard und Steffen Pletl

2011 wurde die Unternehmerfamilie in Bad Saarow angegriffen. Seitdem wird der Täter gesucht. In Storkow hat er offenbar erneut zugeschlagen.

Bei der Entführung des Berliner Geschäftsmannes am vergangenen Freitag ist nach Angaben von Ermittlern die gleiche Waffe benutzt worden wie beim Überfall auf die Unternehmerfamilie Pepper vor mehr als einem Jahr. Im Haus des am Wochenende gekidnappten 51 Jahre alten Investment-Managers in Storkow (Landkreis Oder-Spree) fanden die Beamten das Projektil einer tschechischen Waffe. „Parallelen zum Fall Pepper liegen nahe“, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Carlo Weber am Montag in Frankfurt (O.). „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass derselbe Täter erneut zugeschlagen hat.“ Dafür spreche auch das brutale Vorgehen des Täters.

Die bei der jüngsten Entführung gesicherten Spuren könnten der Polizei demnach zu einem lange ersehnten Ermittlungserfolg verhelfen. Auch die DNA des Täters konnten die Beamten am Wochenende sichern sowie weitere Beweismittel wie ein Kanu, das der Entführer auf einer Schilfinsel in Brandenburg zurückließ.

Mehr als 200 Hinweise nach „Aktenzeichen XY… ungelöst“

Im Fall Pepper hatte ein maskierter Mann im Oktober 2011 auf die Tochter des Unternehmers geschossen. Dabei blieb die junge Frau jedoch unversehrt. Ein Wachmann, der sie schützte, wurde von den Projektilen aber schwer verletzt. Wenige Monate zuvor war die Ehefrau des Unternehmers vor der Villa in Bad Saarow in Brandenburg niedergeschlagen und ebenfalls schwer verletzt worden. Die Familie setzte eine Belohnung von 50.000 Euro aus.

Die Anschläge auf die Mitglieder der Berliner Unternehmerfamilie Pepper hatten die Ermittler vor ein Rätsel gestellt. Bis heute ist offen, ob der Täter eigentlich das Familienoberhaupt Christian Pepper treffen wollte. Trotz zweimaliger Ausstrahlung von Filmbeiträgen in der ZDF-Serie „Aktenzeichen XY… ungelöst“ konnte der Täter von der Mordkommission in Frankfurt (O.) nicht identifiziert werden.

Auch die mehr als 200 Hinweise aus der Bevölkerung führten die Ermittler nicht zum Ziel. Seinen Anfang hatte der Fall am Abend des 22. August 2011 genommen: Ein mit einem Schlagstock bewaffneter Unbekannter griff die 58 Jahre alte Petra Pepper auf dem Grundstück der Familie am Friedrich-Engels-Damm in Bad Saarow (Oder-Spree) an. Die Frau wurde niedergeschlagen und bei dem Überfall schwer verletzt. Nur weil die Hunde anschlugen, die Petra Pepper gerade ausführen wollte, und weil sich zufällig ein Zeuge näherte, ließ der Täter von seinem Opfer ab. Er verschwand unerkannt.

Wachmann schwer verletzt

Wenige Monate später suchte sich der Entführer ein neues Opfer: Peppers Tochter Louisa. Am frühen Morgen des 2. Oktober war die junge Frau in Begleitung eines 31 Jahre alten Wachschützers auf der Pferdekoppel unterwegs. Um 7.20 Uhr fielen plötzlich mehrere Schüsse, die aber nicht die Frau, sondern den 31 Jahre alten Bodyguard trafen, der sich vor Louisa Pepper geworfen hatte. Der Wachmann ist seither querschnittsgelähmt.