Poller aufgestellt

In diesem Berliner Café sind Kinderwagen nicht willkommen

Im frisch eröffneten „Barn Roastery“ in Prenzlauer Berg sollen Gäste ihren Kaffee wieder in Ruhe trinken können - ganz ohne Kindergeschrei.

Foto: Ole Spata / dpa

Friedlich steht er im Eingang eines frisch eröffneten Berliner Cafés an der Schönhauser Allee in Prenzlauer Berg. Und doch erregt er die Gemüter – ein Poller. Denn ein auf seinem Kopf angebrachtes durchgestrichenes Piktogramm erklärt seine Funktion: Kinderwagen müssen hier leider draußen bleiben.

Nachdem der Berliner Lokalblog „Prenzlauer Berg Nachrichten“ über den Kinderwagenstopper der „Barn Roastery“ berichtete, landete er auf Facebook.

Mehr als 70-Mal wurde der Artikel seit seinem Erscheinen am Dienstag bereits geteilt und bis Mittwochabend mehr als 100-Mal kommentiert. Das Urteil der User ist geteilt, reicht von „kinderfeindlich“ bis „löblich“.

Kein anderer Artikel des Blogs erreichte in den vergangenen Wochen derartige Aufmerksamkeit. Auch das Fernsehen griff das schon Thema auf, es trifft offenbar einen Nerv. Darf ein Café Kinderwagen den Zutritt verbieten? Vor zwei Jahren gab es bereits eine ähnliche Diskussion im kinderreichen Kiez. Das Café Niesen an der Schwedter Straße geriet in die Schlagzeilen, nachdem es einen kinderfreien Raum eingerichtet hatte.

Ralf Rüller, Inhaber der „Barn Roastery“, sagt, ihm sei nicht bewusst gewesen, dass er mit dem Poller im Eingang seines Cafés ein solches „Feuer entzünden würde“. Vier Tage nach Eröffnung ist sein Geschäft längst nicht ausgelastet. Dafür sind drei Reporter gleichzeitig dort. Und Flyer liegen aus. Sie erklären das Café-Konzept und das Kinderwagenverbot: Im Raum stehe ein offener Röster, daher sei mit erhöhtem Rauch- und Brandrisiko zu rechnen. Kinder dürfe man zwar mitbringen, aber herumrennen sollten sie besser nicht. Im Gespräch mit Morgenpost Online wird der Inhaber deutlicher: „Wir versuchen, etwas Neues zu etablieren“, sagt der 45-Jährige: „Wir wollen Kaffee in Ruhe zelebrieren, wie Tee.“

Kein Zucker, kein Kindergeschrei

Rüller glaubt, in Deutschland werde das Heißgetränk vorwiegend mit störenden Zusätzen verkauft. Milch und Zucker gehörten für ihn nicht in den Kaffee. Und Handys, Laptops sowie Kindergeschrei nicht an einen Kaffeetisch.

„In meinem anderen Café an der Auguststraße in Mitte haben wir nur ein paar Quadratmeter. Dennoch kommen so viele Eltern mit Kinderwagen hinein, dass man sich kaum bewegen kann“, meint Rüller. „Andere Cafés lösen das Kinderwagen- Problem, indem sie sich ein Ladengeschäft suchen, das Treppen im Eingang hat, dann müssen sie sich dieser Auseinandersetzung gar nicht erst stellen.“

Rüller habe den Poller gewählt, um kein Personal an der Tür abstellen zu müssen, denn dafür wolle er kein Geld ausgeben. Bisher habe sich auch kein Gast an dem Poller gestört, meint Rüller. Wenig später erklärt eine Mutter dem Inhaber vor laufender Fernsehkamera allerdings, dass sie sich wegen des Pollers nicht willkommen fühle. Rüller beschwichtigt, während ihr Sohn die Kunststoffdeckel für den Coffee-to-go von der Theke räumt.

„Es ist schade, dass mir der Poller als kinderfeindlich ausgelegt wird“, sagt der „Barn Roastery“-Inhaber nach dem TV-Interview. „Ich liebe Kinder, ich bin selber in einer großen Familie aufgewachsen. Aber wir mussten uns damals benehmen, wenn wir ausgegangen sind.“ Häufig sei Rüller „peinlich berührt“, wenn der Kuchen, den er in seinem Café an der Auguststraße serviert, an der Wand lande, oder das frisch gebackene Brot auf den Boden zerkrümelt würde.

„Meine Kritik gilt da aber nicht den Kindern, sondern den Eltern. In meinen Augen ist es unartig, auf die Tische zu klettern oder an der Kuchenvitrine Klimmzüge zu machen.“ Er wolle mit der „Barn Roastery“ einen Ort schaffen, an dem Erwachsene sich ungestört unterhalten könnten und auch Eltern mal dem „Kinderstress“ entfliehen könnten. Handys, Notebooks und Tablet-Computer mag Rüller ebenfalls nicht an den Tischen sehen, für die habe er extra einen Medientisch eingerichtet. „Ich möchte, dass sich die Menschen beim Kaffeetrinken wieder angucken und in Ruhe miteinander reden können“, so Rüller. Für den Fall, dass zum Beispiel Rollstuhlfahrer in das Café kommen wollen oder dass tatsächlich einmal Feuer ausbreche, sei ebenfalls gesorgt. Der Poller lasse sich leicht wegschieben.