Nach EU-Verbot

Öko-Kontrolleure gehen in Berlin auf Glühlampen-Jagd

Ab 1. September dürfen auch keine 40 und 25 Watt Glühbirnen mehr produziert werden. Berliner Händler füllen schon mal ihre Lager auf.

Foto: Amin Akhtar

Die Vorteile der klassischen Glühlampen liegen für Helmut Döring klar auf der Hand: „Es ist ein warmes Licht und es ist sofort da.“ Der Berliner Eisenwarenkaufmann hat Glühbirnen in allen Variationen in seinem Sortiment. Glänzend oder matt, 100, 75, 60, 40 oder 25 Watt.

Nachdem die EU im September 2009 zunächst alle Birnen mit mindestens 100 Watt Leistung verboten und in den Jahren danach die Verordnung auch auf die 75 und 60 Watt ausgedehnt hat, naht jetzt ab dem 1. September das langsame Ende der restlichen Glühbirnenarten. Zwar sind somit alle Haushaltsglühlampen vom EU-Verbot betroffen, was aber nicht bedeutet, dass sie auch aus dem Handel sofort verschwinden müssen. Einzelhändler können noch ihre vorhandenen Vorräte abverkaufen.

Der 67 Jahre alte Helmut Döring ist einer von ihnen. Er hat sich vor einigen Jahren „schon rechtzeitig“ mit Glühlampen eingedeckt. „In unserem Lager haben wir von allen Sorten geschätzt noch 10.000 Stück da.“ Er beobachtet in seinem Geschäft am Kaiserdamm in Charlottenburg einen regelrechten Ansturm auf die klassischen Leuchtmittel: „Die Kunden verlangen Glühbirnen.“ Erst am Dienstag habe eine Kundin acht Kartons mit 60 und 100 Watt Leuchten gekauft, insgesamt seien das 800 Stück.

Klaus Christensen ist auch Kunde bei Döring: „Selbstverständlich verwende ich noch die Glühbirne.“ Heute hat er mehrere 100, 40 und 25 Watt Leuchten gekauft. „Ich würde auch weit fahren um meinen Vorrat aufzufüllen“, sagt der 67-Jährige. Bis Helmut Dörings Lager ausverkauft ist, wird es noch einige Zeit dauern. Woher der Kaufmann den Nachschub bekommen wird, weiß er auch schon: „Die Großhändler haben aus dem ganzen EU-Raum Glühbirnen gebunkert.“ Das Glühbirnen-Verbot aus Brüssel findet er nicht gut: „Der Bürger möchte sich nicht bervormunden lassen.“

Außerdem seien die alten Birnen mit 1,30 bis drei Euro weitaus günstiger als die neuen Energiesparlampen, die bis zu 40 Euro kosten könnten. „Da muss die neue Lampe lange im Einsatz sein und viel Strom verbrauchen, bis sich ihr Einsatz gegenüber der herkömmlichen Glühbirne rentiert.“ Seine Kunden würden auch nach speziellen Leuchten in Tropfenform fragen. „An einem beleuchteten Spiegel, sehen die neuen Lampen doch nicht schön aus, viel zu klobig.“

„Es ist schon schade“

Anke Runzler arbeitet als Verkäuferin in einem Baumarkt in Köpenick. Dort ist der Bestand an Glühbirnen minimal: „Wir haben von allen Sorten insgesamt noch 100 Stück.“ Ihre Kunden kaufen im Durchschnitt zehn Packungen auf einmal. „Es ist oft so, dass sie Kronleuchter haben und auf einen Schlag mehrere Birnen auswechseln müssen.“ Die 38-Jährige bevorzugt auch privat die herkömmlichen Lampen, weil sie zu Hause hohe Räume hat und mindestens 75-Watt-Birnen braucht, um sie gut auszuleuchten. „Es ist schon ein bisschen schade, dass es die Glühbirnen nicht mehr geben wird.“ Halogenlampen und LEDs sind für sie keine guten Alternativen. „Gerade im Badezimmer eignet sich eine Energiesparlampe gar nicht, durch das An- und Ausschalten.“

Nadine Kayser vom Baumarktriesen Obi beobachtet keine Hamsterkäufe: „Die Leute sind nicht mehr so stark hinter der Glühbirne her.“ Und auch bei Praktiker, Media Markt, Saturn, Rossmann, Real und Rewe sorgt die Frage nach Vorratskäufen bei 40- und 25-Watt-Birnen nur für Kopfschütteln. „Als die 100-Watt-Birnen verboten wurden, war die Kundenaufregung viel größer. Jetzt ist das kein Thema mehr“, heißt es etwa bei Rewe.

„Die Verkaufszahlen für Glühlampen sind seit Jahren stark rückläufig“, bestätigt auch Osram-Manager Klaus-Günter Vennemann. Praktiker-Sprecher Günter Harald betont: „Wir haben gute Vorräte, die reichen auch flächendeckend noch einige Zeit.“ Sogar 60-Watt-Lampen, die eigentlich schon im vergangenen Jahr unter den EU-Bann fielen, seien noch erhältlich.

Auch die Drogeriemarktkette Rossmann hat noch einiges an Glühlampen vorrätig. Bei Rewe, Media Markt und Saturn werden hingegen nur noch Restbestände verkauft. Im Internet dagegen ist die Glühbirnen-Welt noch in Ordnung. Bei Online-Händlern wie Amazon kann man auch heute noch die seit 2009 ausgemusterten 100-Watt-Glühbirnen bestellen – bei Bedarf sogar im Zehnerpack.

Das Glühlampenverbot ist Teil der Ökodesign-Richtlinie der EU. Damit diese Richtlinie auch tatsächlich eingehalten wird, will das Land Berlin sieben neue Mitarbeiter einstellen. Das Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit Berlin (Lagetsi) sucht im Auftrag des Berliner Abgeordnetenhaus „Arbeitsschutz-Aufsichtsbeamten“. Noch seien die Stellen nicht besetzt, sagt Robert Rath vom Lagetsi. Die Beamten, die eine technische Ausbildung haben sollten, werden nicht in die Wohnungen gehen, um zu schauen, ob verbotene Glühbirnen noch brennen. Sie sollen den Handel kontrollieren.

Dazu zählt, ob die Glühlampen mit der richtigen Energieeffizienzklasse ausgeschrieben sind. „Außerdem werden unsere Mitarbeiter Beschwerden nachgehen“, sagt Rath. Also wenn ein Einzelhändler Glühbirnen verkauft und sein Bestand nicht zu enden scheint, würden die Kontrolleure auch in die Lieferbelege einsehen.

Helmut Döring hat keine Angst vor Kontrollen: „Ich darf Glühbirnen aus meinem Lagerbestand verkaufen.“ Robert Rath kann die Reaktionen der Händler und der Kunden nachvollziehen, aber: „Wir haben den Übergang von der Kerze zur Glühlampe geschafft. Wir werden auch den Übergang von der Glühlampe zu anderen Leuchtmitteln schaffen.“

Mitarbeit: Madeleine Therstappen