Verbrechen

In welchen Berliner Stadtteilen die Kriminalität zunimmt

Raubüberfälle, Einbrüche, Körperverletzung: Morgenpost Online zeigt, welche Delikte sich in welchen der 95 Berliner Stadtteile häufen.

Foto: nicht-bei-mir.de

Nicht nur die Innenstadt – auch die Stadtteile in den Außenbezirken verzeichnen eine wachsende Kriminalität. Das geht aus der neuen Polizeistatistik hervor, in der erstmals die Verbrechen der vergangenen fünf Jahre in jedem einzelnen Kiez ausgewertet wurden. Innensenator Frank Henkel will die Zahlen der 95 Stadtteile am Montag im Innenausschuss des Berliner Abgeordnetenhauses vorstellen.

Mit der Hochrechnung der Anzahl der Delikte bezogen auf jeweils 100.000 Einwohner nimmt die jetzt vorgelegte Studie eine kiezbezogene Darstellung vor und ermöglicht ein Ranking. Demnach werden in Berlin auf 100.000 Einwohner im Durchschnitt 14.522 Straftaten begangen. In 18 Ortsteilen liegt die Zahl bei mehr als 15.000 Straftaten pro 100.000 Einwohner, in machen sogar bei mehr als 25.000. Morgenpost Online analysiert die Ergebnisse.

Beispiel Raubüberfälle: Neben den Innenstadtkiezen Tiergarten und Mitte ist die Entwicklung in Staaken (2011: 58 Straftaten) besorgniserregend. Die steigende Zahl an Raubüberfällen in diesem Ortsteil wird auf das Vorhandensein mehrerer Hochhaussiedlungen eine schlechte Sozialstruktur zurückgeführt. Zudem finde auf Grund der vorherrschenden Anonymität kaum eine soziale Kontrolle statt, heißt es in der Polizeianalyse. Auch im Lichtenberger Ortsteil Friedrichsfelde (89) musste die Polizei im vergangenen Jahr eine Serie von Überfällen aufklären. Als besonders gefährliche Parks werden der Görlitzer Park und Viktoriapark beschrieben, wo sich ebenfalls viele Raubstraftaten ereignen.

Mit zu den am meisten begangenen Straftaten zählen Körperverletzungen. Insgesamt 42.000 Fälle mussten von der Polizei bearbeitet werden. Das sind 1277 bezogen auf 100.000 Einwohner Die schlechteste Entwicklung hat es im Ortsteil Hermsdorf (97) gegeben. Brennpunkt sind dabei der S-Bahnhof und das Umfeld von drei Schulen.

Unterdessen konnte in den Ortsteilen Kladow (40), Konradshöhe (16) und Rahnsdorf (20) ein Rückgang derartiger Delikte erzielt werden. Die intensive Betreuung insbesondere jugendlicher Gewalttäter hat dazu geführt, so der Bericht der Polizei.

Autoklau in den Ostbezirken

In Bezug auf gefährliche und schwere Körperverletzung ist seit 2006 die Zahl rückläufig. Insgesamt wurden 2011 10.547 Fälle registriert, nach Angaben der Polizei der niedrigste Wert seit zehn Jahren. Das sind aktuell 310 Taten auf 100.000 Einwohner. Besonderes Augenmerk wird auf die Veranstaltungsorte in den Kiezen Westend (328) mit dem Olympiastadion und Haselhorst (173) mit der Zitadelle gelegt. Dort kommt es im Umfeld zahlreicher Großveranstaltungen immer häufiger zu gefährlichen Körperverletzungen.

Mit 6257 Taten je 100.000 Einwohner bilden Diebstahlsdelikte die größte Gruppe der anfallenden Straftaten. Darunter fallen Fahrrad- oder auch Autodiebstahl wie auch die etwa 38.000 Fälle des Ladendiebstahls. Besonders die Ortsteile Charlottenburg (12.276) und Niederschöneweide (913) haben sich als zusätzliche Schwerpunkte herauskristallisiert. Während sich die Diebe in Niederschöneweide vor allem auf das Einkaufszentrum am Bahnhof Schöneweide konzentrieren, fokussieren die Diebe in Charlottenburg das Europa-Center, Teile des Kurfürstendamms, die Kantstraße und die Fußgängerzone Wilmersdorfer Straße.

In Französisch Buchholz ist dagegen ein sprunghafter Anstiege von Fahrraddiebstählen zu verzeichnen. Als Problemkieze in dieser Kategorie der Straftaten stuft die Polizei auch die Ortsteile Stadtrandsiedlung Malchow, Blankenfelde und Konradshöhe, Plänterwald und Siemensstadt ein.

Die meisten Autos werden in den Stadtteilen Charlottenburg-Nord und Siemensstadt gestohlen. Dort finden die Diebe ideale Fluchtbedingungen und fühlen sich weitestgehend unbeobachtet, so die Analyse der Polizei. Denn ihr Diebesgut steht dort oftmals mehrere Tage, ohne dass es bewegt wird. Viele Fluggäste des Airport Tegel stellen, um Parkkosten zu sparen, ihr Auto im Umfeld des Airports ab. Zudem gibt es auf Grund der Nähe zur Autobahn dort gute Fluchtbedingungen für die meist aus Osteuropa stammenden Diebe. Einen weiteren Schwerpunkt bilden die Ortsteile Nikolassee und Grunewald. In der von der Polizei vorgelegten Studie wird jedoch noch ein weiteres Phänomen aufgezeigt. Demnach ist eine Verlagerung der Aktivitäten von Autodiebstählen zunehmend in den Ostbezirken zu verzeichnen. Besonders betroffen Prenzlauer Berg, Rudow und Altglienicke. Der Grund dafür ist die bessere Anbindung an die Stadtautobahn. In Frohnau verzeichnete die Polizei einen Anstieg bei den Einbrüchen und beim Autoklau. Allerdings sind die Zahlen in absolut nicht so dramatisch. Deswegen sei dort keine Kriminalitätsschwerpunkt, urteilt die Polizei.

Wohnungseinbrüche in Tiergarten und Mitte

In Berlin sind 2011 insgesamt 26.000 Fahrräder gestohlen worden. Die meisten jedoch nicht in Mitte, die in der Rankingliste damit auf dem vierten Platz rangieren . Im Hansaviertel, in Alt-Treptow, Prenzlauer Berg, Pankow, Friedrichshagen und Hirschgarten verschwinden die meisten Zweirräder. Demgegenüber verzeichnet die Polizei im Märkischen Viertel, Hellersdorf und Marzahn eine Stagnation beziehungsweise einen Rückgang der angezeigten Diebstähle. Als Ursache dafür wird unter anderem eine bessere Sicherung der Räder in Kellern genannt.

Besonders brisant das Thema der Wohnungseinbrüche. 11.006 Mal ist 2011 in Wohnungen eingebrochen worden. Waren es statistisch betrachtet 2006 nur 188 Einbrüche pro 100.000 Einwohner so liegt die Zahl 2011 bei 323 Straftaten. Tiergarten und Mitte bilden berlinweit den Spitzenwert. Neben den Einfamilienhäusern in Dahlem und Grunewald verlagern die Einbrecher ihre Streifzüge zunehmend nach Mahlsdorf, Friedrichsfelde, Biesdorf, Britz, Buckow und Rudow.

Die Zahl der Brandstiftungen ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Im Märkischen Viertel und in Hellersdorf gab es demnach die meisten Brandstiftungen. Zudem gelten Friedrichshain und der Wedding als weitere Problemkieze.