Bildung

Türkische Elite-Universität eröffnet Filiale in Berlin

Bis zu 80 Studenten sollen an der türkischen Bahcesehir-Privatuniversität in Berlin-Mitte lernen. Die Studiengebühren: 7900 Dollar pro Jahr.

Foto: Massimo Rodari

Die türkische Bahcesehir-Privatuniversität will Ende September an der Heinrich-Heine-Straße in Berlin-Mitte eine Niederlassung eröffnen. Zunächst wolle man 60 bis 80 Studenten aus Istanbul nach Berlin bringen, sagt Direktorin Süheyla Schroeder.

Die Sprache ist englisch, der Teppichboden flauschig, die Computer brandneu. Auch wenn noch Glaswände fehlen, um die Büroetage in einen Campus mit sieben Seminarräumen zu verwandeln, sagt Süheyla Schroeder: „Wir werden lange hier bleiben.“ Sie ist Direktorin des Berliner Ablegers der angesehenen Bahçesehir Universität, deren Name sich von einem Istanbuler Stadtteil ableitet. Bereits Ende September 2012 werden die ersten Studenten aus Istanbul in dem Bürobau an der Heinrich-Heine-Straße ihr Studium fortsetzen. Dann eröffnet die Privatuniversität in Berlin-Mitte ihre Zentrale für Europa. Die Hochschule arbeitet nach türkischem Recht, sie braucht keine Anerkennung deutscher Bildungsbehörden.

Die Direktorin, die seit drei Jahren an dem Projekt arbeitet, sprudelt über vor Plänen. Die 1998 gegründete Hochschule mit Stammsitz direkt am Bosporus, wo 14.000 junge Leute studieren, ist zwar als Stiftung organisiert, weil private Hochschulen in der Türkei nicht erlaubt sind. Aber sie gehört zum größten privaten Bildungsimperium der Türkei. Zu den Bahçesehir Ugur Educational Institutions des Unternehmers Enver Yücel gehören Kindergärten, Grundschulen, High Schools, Verlage, die Universität in Istanbul sowie Ableger in den USA und anderen Ländern. Unter dem Motto „Die Welt ist mein Campus“ breiten sich das Imperium aus, derzeit mit 22 Standorten weltweit präsent. Kürzlich eröffneten sie im kalifornischen Silicon Valley und in Hongkong, ab 2013 auch in London.

Architektur, Jura, Medien, Design

Zunächst wolle man 60 bis 80 Studenten aus Istanbul nach Berlin bringen, sagt Schroeder. Die Türkin ist mit einem Deutschen verheiratet. Die Studenten sollen erleben, ein Teil Europas zu sein.

Architektur, Jura, Medien, Design, Computerwissenschaften sind die Schwerpunkte. 50 bis 60 Studierende sollen zusätzlich aus Deutschland und Europa ausgesucht werden. Sie werden zwei Jahre in Berlin und zwei Jahre in Istanbul studieren oder Stationen an anderen Standorten absolvieren. „Das ist unsere Vision, wie Universitätserziehung sein sollte“, sagt sie.

Zusätzlich sind Sommerkurse geplant, Programme für Betriebswirtschaftstudenten, aber auch Weiterbildungen, etwa für Computer-Spezialisten. Besonders haben die Bildungsunternehmer aus Istanbul auch türkischstämmige Berliner im Auge. „Einer der Gründe, hier unseren Campus anzusiedeln, ist der, dass wir der türkischen Community die Möglichkeit geben wollen, bei uns zu studieren“, sagt Schroeder. Viele hätten Probleme im deutschen Bildungssystem. Seit vier Jahren ist die Professorin für Medien- und Kommunikationswissenschaften nun in Deutschland, sie unterrichtet auch an der Uni Potsdam. Es mache sie traurig zu sehen, dass es so viele türkische Jugendliche ohne Erfolge und Selbstvertrauen gebe. „Sie werden nicht genügend unterstützt.“

Die Studiengebühren könnten jedoch ein Hindernis sein für viele Berliner Einwandererkinder. Ein Jahr an der türkischen Privatuni kostet mit dem zum Start gewährten 50-prozentigen Rabatt immer noch 7900 US-Dollar, für Doktoranden und Graduierte noch mehr. Es gebe aber viele Stipendien, beruhigt die Direktorin.

„Laizistisch und politisch neutral“

Die Expansion des türkischen Bildungsimperiums, das sich als laizistisch und politisch neutral beschreibt, ist nicht nur auf Unis beschränkt. Schroeder verhandelt mit dem Land Berlin über den Kauf des Gebäudes der ehemaligen Luise-und-Wilhelm-Teske-Oberschule am Tempelhofer Damm, das wegen der Fusion der Schule mit der Waldenburg-Schule frei gezogen wird. Dort will das Unternehmen Ugur ein privates Gymnasium mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt eröffnen, nach deutschem Recht.

Dies sei aber noch nicht beantragt worden, hieß es aus der Senatsverwaltung. Man begrüße aber das Engagement der Bahçesehir Universität in Berlin, sagte Torsten Metter, Sprecher von Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD). Inzwischen haben zahlreiche ausländische Hochschulen ihre Dependancen in Berlin eröffnet, zumeist aber kleinere als der Campus der Istanbuler. Allein seit der Novelle des Hochschulgesetzes 2011 haben vier Unis die Gründung von Filialen angezeigt. So sind die US-Eliteunis Berkeley und New York University ebenso vertreten wie die Middlesex University aus Großbritannien und die University Cluj-Napoca Babes-Bolyai aus Rumänien, die EMUni aus Slowenien sowie weitere aus Russland und Kroatien. „Die Eröffnung dieser Dependancen sehen wir auch als Zeichen dafür, dass der Wissenschaftsstandort Berlin international stark wahrgenommen wird“, sagt Metter.

Auf Internationalität legt auch die Direktorin Schroeder wert. „Wir sind keine türkische Institution, wir sind eine internationale Institution.“ In einem Punkt sind sie aber doch sehr türkisch, vor allem in der Wahrnehmung deutscher Behörden. Denn die zahlenden Elite-Studenten aus Istanbul erhalten als türkische Staatsbürger nur Visa für 90 Tage. Ein Kurs dauert aber normalerweise 14 Wochen. Um Ärger mit der Ausländerbehörde zu vermeiden, pressen sie jetzt die Inhalte in die knapp zwölf Wochen. „Das Visa-Problem ist für Studenten und Dozenten ein echtes Hindernis“, sagt Schroeder.