Kommentar

Gut, dass das Tempelhofer Feld bleibt, wie es ist

Die Pläne für die Fläche werden nicht umgesetzt. Gut so, denn das Geld kann Berlin für andere Dinge gebrauchen, findet Christine Richter.

Foto: Tempelhofer Freiheit

Der Name passt: Tempelhofer Feld. Denn der ehemalige Flughafen Tempelhof, die stillgelegte Start- und Landebahn, die weiten Flächen drum rum – das ist kein Park, das ist eine große Fläche. Ein Feld. Oder, wie es der Berliner Senat und die zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung etwas pathetisch formulieren: die „Tempelhofer Freiheit“.

Der Plan des Senats sah vor, dort im Jahr 2017 die Internationale Gartenbauausstellung (IGA) zu zeigen – und in dieser Zeit dann Eintritt von den Besuchern zu verlangen. Doch weil für die IGA rund 27,5 Millionen Euro veranschlagt werden, schlug Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) kürzlich vor, dieses Projekt nach Marzahn, zu den beliebten und sehenswerten „Gärten der Welt“ zu verlegen.

Eine kluge Entscheidung. Das spart viel Geld und wertet in fünf Jahren dann auch die Gärten der Welt auf. Natürlich liegt das Tempelhofer Feld viel zentraler und ist auch für Touristen sehr viel einfacher zu erreichen. Aber Berlin ist eine Stadt, glücklicherweise seit mehr als 20 Jahren nicht mehr geteilt in Ost und West. Ich führe, wenn ich Besuch habe, die Freunde und Familie gerne durch die Gärten der Welt – und ein anderes Mal dann wieder in den Botanischen Garten im Süden der Stadt. Wenn Sie noch nicht in den Gärten der Welt waren – der Weg dorthin lohnt sich.

Grill-Alternative

Für das Tempelhofer Feld gab es aber noch mehr Ideen. Schon vor der Internationalen Gartenbauausstellung sollten dort ein 60 Meter hoher Kletterberg, eine Wasserlandschaft mit einem künstlichen See und hübsche Holzstege angelegt und allein 150 Bäume gepflanzt werden. Kosten pro Baum: rund 150 Euro.

Sehenswerte Simulationen hatten die Planer entwickelt. Doch all diese Pläne hätten mehr als 61 Millionen Euro gekostet. Am Freitag nun die gute Nachricht: Die Fraktionsvorsitzenden Florian Graf (CDU) und Raed Saleh (SPD) rücken ab von den Plänen, das Tempelhofer Feld soll so bleiben wie es ist. Das ist die richtige politische Entscheidung, denn zum einen haben die Berliner die Freifläche gut angenommen. Der Ort eignet sich hervorragend zum Inline-Skaten, Kite-Skating, Joggen oder auch einfach nur zum Fahrradfahren. Auch Touristen finden immer häufiger den Weg zum Tempelhofer Feld, denn das wird jetzt auch in Reiseführern als Tipp empfohlen.

Und noch mehr tut sich dort: In der einen Feld-Ecke haben sich Hobby-Gärtner ihren Raum erobert, an der Neuköllner Seite kommen im Sommer, an den schönen und sonnigen Tagen, viele Familien, Studenten und junge Paare zusammen, um zu grillen. Meine Nichte, die kürzlich in Berlin zu Besuch war, würde sagen: um zu chillen. Auch das.

Im Tiergarten ist das Grillen seit diesem Jahr verboten, auf dem Tempelhofer Feld bietet sich eine. wenn auch baumlose – Achtung: heiß –, Alternative. Sicherlich, so mancher wird sentimental und hätte sich – gerade angesichts des BER-Debakels – gewünscht, dass der Flughafen Tempelhof offengeblieben wäre. Aber das ist eine Schlacht, die geschlagen ist. Ich kann mich jetzt freuen, dass die Menschen diese innerstädtische Grünfläche so konsequent für sich erobert haben. Und dass die Politiker sich die Millionen-Ausgabe für einen künstlichen Freizeitpark sparen. Das Geld kann das so hoffnungslos überschuldete Berlin wahrlich für andere Dinge gebrauchen.