Großeinsatz

Razzia in Rockerszene - Waffen und Computer sichergestellt

Die Polizei durchsucht 52 Vereinsheime und Privatwohnungen in vier Bundesländern. Die Beamten nahmen sechs Personen fest.

Foto: DAPD

Die Polizei ist erneut mit einem Großaufgebot gegen Rocker vorgegangen. Mehr als 800 Beamte durchsuchten am Dienstag in den frühen Morgenstunden insgesamt 52 Objekte im Osten Brandenburgs, in Berlin, Sachsen und Nordrhein-Westfalen. Sechs Rocker wurden festgenommen, zahlreiche weitere Anhänger der Rockerszene und Zeugen vernommen. Unter dem sichergestellten Beweismaterial waren Waffen, Computer und andere Datenträger. Die Koordination und Leitung des Einsatzes übernahm die Staatsanwaltschaft in Frankfurt/Oder, deren Chefermittler Carlo Weber später von einem „durchschlagenden Erfolg“ sprach.

Der Einsatz war der vorläufige Höhepunkt längerer Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und der Kriminalpolizei in Bezug auf zwei lebensgefährliche Übergriffe im vergangenen Jahr. In der Nacht vom 24. zum 25. Dezember war zunächst ein 26-Jähriger vor einer Diskothek in Königs-Wusterhausen im Landkreis Dahme Spreewald von einer Gruppe unbekannter Männer angegriffen worden. Die Täter schlugen den 26-Jährigen brutal zusammen und fügten ihm durch mehrere Messerstiche lebensgefährliche Verletzungen zu. Wenige Tage später, in der Nacht zum 31. Dezember, fand in der Nähe der Diskothek ein weiterer Übergriff statt: Ein Jugendlicher wurde von mehreren Unbekannten attackiert. Der 16-Jährige erlitt schwere Stichverletzungen. Durch eine Notoperation konnte ihm das Leben gerettet werden.

Rivalisierende Clubs

Die Ermittler waren schnell davon ausgegangen, dass beide Taten im Zusammenhang stehen, genauere Hintergründe konnten aber erst in den vergangenen Wochen aufgeklärt werden. Demnach handelte es sich bei den Attacken um Machtkämpfe zwischen den rivalisierenden Rockerclubs Hells Angels MC Oder City aus Frankfurt/Oder und dem Gremium MC Nomade Eastside. Etwa 50 Rocker beider Clubs sowie Anhänger von Partner- und Unterstützerclubs sollen an den Taten beteiligt gewesen sein. Beim ersten Übergriff gingen offenbar Hells Angels-Anhänger auf ein Mitglied des Gremium MC Nomads Eastside los – den 26-Jährigen. Bei der zweiten Attacke ist der konkrete Ablauf noch unklar. Der 16-Jährige soll nach Angaben der Polizei nicht zum Rockermilieu gehören, sondern zufällig angegriffen worden sein. Die Staatsanwaltschaft Frankfurt/Oder hatte die Ermittlungen bereits im vergangenen Jahr als Schwerpunktdienststelle für Ermittlungen im Bereich der organisierten Kriminalität übernommen.

Um vier Uhr früh schlugen die Einsatzkräfte am Dienstag bei den Vereinsheimen und Wohnungen von Mitgliedern und Sympathisanten der beiden rivalisierender Rockergruppierungen auf. Bei 21 Objekten wurden die Ermittler von den Spezialeinsatzeinsatzkommandos (SEK) mehrerer Bundesländer unterstützt. Der Schwerpunkt des Einsatzes lag auf Frankfurt/Oder und Fürstenwalde, wo die Beamten Vereinsheime der konkurrierenden Rockerclubs durchsuchten. Weitere Einsätze fanden in Königs-Wusterhausen und Cottbus statt. In Berlin durchsuchten Polizisten zwei Vereinslokale und drei Wohnungen. Sächsische Spezialeinheiten drangen in einem Vorort von Chemnitz in ein aufwendig gesichertes Clubgelände ein. Weitere Durchsuchungen gab es in Plauen im Vogtland und in einem Vereinslokal in Duisburg.

Sechs Personen festgenommen

Bereits im Vorfeld des Einsatzes waren gegen einen Teil der Verdächtigen Haftbefehle beantragt und erlassen worden. Zwei der gesuchten Personen saßen bereits wegen anderer Haftbefehle im Gefängnis. Sechs Personen wurden festgenommen.

Bei den Durchsuchungen in Brandenburg und den anderen Bundesländern stellten die Ermittler umfangreiches Beweismaterial sicher. Neben mehreren Computern und Laptops wurde nach Angaben der Polizei eine Großzahl weiterer Datenträger beschlagnahmt. Außerdem fanden die Beamten diverse Waffen, darunter 20 Messer und Macheten sowie Schlagstöcke, Quarzhandschuhe und zu Schlagwerkzeugen umfunktionierte Gegenstände. Auch Bekleidung, Kutten und andere Dinge wurden sichergestellt. Die Auswertung der Datenträger und die kriminaltechnischen Untersuchungen der anderen Beweismittel werden laut Staatsanwaltschaft noch einige Zeit in Anspruch nehmen.

Ermittler zufrieden mit Einsatz

Im Verlaufe des Tages wurden neben den festgenommenen Personen weitere Verdächtige und auch Zeugen vernommen. Aus den Vernehmungen und den Auswertungen der sichergestellten Gegenstände erhoffen sich die Staatsanwaltschaft und Kriminalpolizei weitere Erkenntnisse zum Ablauf der beiden Verbrechen. Darüber hinaus wollen die Ermittler einen zusätzlichen Einblick ins Rockermilieu erlangen, der für künftige Ermittlungen hilfreich sein könnte.

Carlo Weber von der Staatsanwaltschaft Frankfurt Oder und der Brandenburger Polizeipräsident Arne Feuring zeigten sich am Nachmittag zufrieden mit dem Einsatz. Die Ermittlungsbehörden würden konsequent und unter Ausschöpfung aller Möglichkeiten gegen Gewalttaten und sonstige Delikte im Rockermilieu vorgehen. Der vorliegende Fall zeige, dass die kriminellen Banden auch vor Gewaltanwendung gegenüber Außenstehenden nicht zurückschrecken würden. Daraus ergebe sich für die Polizei ein besonderer Schutzauftrag gegenüber den Bürgern. In den vergangenen Wochen ist die Polizei in Berlin und Brandenburg immer wieder gegen Rocker vorgegangen.