Neue Überlegungen

Tempelhofer Feld – Alles zurück auf Null

Der Senat ändert die Pläne für das Tempelhofer Feld. Die 2017 geplante Gartenschau und der Umbau zum Parkareal stehen auf der Kippe.

Foto: GrünBerlin GmbH

Die für 2017 auf dem ehemaligen Rollfeld des Flughafens vorgesehene Internationale Gartenausstellung (IGA) wird wohl nicht dort stattfinden, sondern möglicherweise nach Marzahn verlegt. Einen entsprechenden Bericht hat Stadtentwicklungssenator Michael Müller (SPD) am Dienstag im Senat vorgelegt und einen Prüfauftrag erhalten. Müller schlägt vor, die Gärten der Welt in Marzahn zum zentralen Bestandteil der IGA zu machen.

Gleichzeitig ist auch der Plan, das Tempelhofer Feld ab dem kommenden Jahr für 61 Millionen Euro in einen Landschaftspark umzugestalten, wieder unklar. In den Koalitionsfraktionen von SPD und CDU gibt es massive Bedenken dagegen, die bei vielen Berlinern beliebte Freifläche über Jahre in eine Baustelle zu verwandeln. Die Opposition hatte schon während der Haushaltsberatungen darum gekämpft, die Investitionsmittel für die Anlage des Landschaftsparks zu streichen. „Wir verändern die bisherige Konzeption und denken die IGA 2017 neu“, sagte Müller nach der Senatssitzung. Die Berliner hätten sich die Parkfläche für ihre Freizeit erobert und die künftige Parklandschaft solle ihnen auch in Zukunft uneingeschränkt zur Verfügung stehen.

Nutzungskonkurrenz mit der Modemesse Bread & Butter

Damit deutete der Senator eines der wesentlichen Argumente gegen die Internationale Gartenausstellung in Tempelhof an: Die IGA würde auf einem abgetrennten, nur gegen Eintrittsgeld zugänglichen Teil der Fläche stattfinden. Das ist nach Ansicht von Koalitionsvertretern den Bürgern kaum vermittelbar. 2009 hatte Müllers Vorgängerin Ingeborg Junge-Reyer die IGA-Pläne vorgestellt. Im Haushaltsplan für 2012/2013 werden die Kosten mit 27,5 Millionen Euro beziffert.

Offenbar haben die Verantwortlichen aber auch festgestellt, dass es in Tempelhof eine fast unauflösliche Nutzungskonkurrenz gibt. Denn die IGA sollte auch Teile des Terminalgebäudes und des Vorfeldes nutzen. Diese sind aber langfristig für zwei Veranstaltungen im Jahr an die Modemesse Bread & Butter vermietet, die gerade zur Fashion Week wieder Tausende Fachbesucher in die Stadt lockt. Müller sagte, dass den Besuchern der IGA immerhin ein „inszenierter Dachgarten mit Aussichtsterrasse“ auf dem Terminalgebäude zur Verfügung stehen solle.

„Ist Umgestaltung notwendig?“

Ob es jedoch überhaupt zu einer IGA in Berlin kommt, scheint nach Äußerungen aus der Koalition derzeit offen. Die CDU hat Bedenken, ob die für die Finanzierung erhofften Besucherzahlen in Marzahn überhaupt erreicht werden können. Allenfalls eine abgespeckte Version sei denkbar.

Aber auch die Gestaltung des Tempelhofer Feldes zu einem Stadtpark, die im kommenden Jahr beginnen sollte, steht in Frage. Ab 2013 sollte eigentlich der vor einem Jahr von einer Jury ausgewählte Entwurf des Holländers Eelco Hooftmann mit einem geschwungenen Damm, Pavillons, einem See, Stegen, neuen Wäldchen sowie einem 60 Meter hohen Kletterberg begonnen werden. Müller versicherte, „die Parklandschaft Tempelhofer Feld“ werde „im Rahmen der beschlossenen Investitionsplanung weiter realisiert“.

Die Regierungsfraktionen sind jedoch skeptisch. „Wenn die IGA nach Marzahn umzieht, sollten die weiteren Ausbauschritte für das Tempelhofer Feld noch einmal grundsätzlich überdacht werden“, sagte der Stadtentwicklungsexperte der SPD, Daniel Buchholz. Offenbar werde das Feld, so wie es ist, sehr gut angenommen. Daher müsse „die Frage erlaubt sein, ob eine grundsätzliche Umgestaltung noch notwendig ist.“ Gleich nach der Sommerpause müsse sich die Koalition darüber verständigen, sagte Buchholz. Der CDU-Abgeordnete Stefan Evers sagte, die Koalition müsse sich daran messen lassen, welche Prioritäten sie angesichts knapper Kassen setze. Die Entwicklung des Flughafengeländes in Tegel erfordere „erhebliche Mittel“, so der Christdemokrat. Eine Denkpause für Tempelhof sei deshalb richtig.

Opposition begrüßt Sinneswandel

Die Opposition begrüßt den sich abzeichnenden Sinneswandel in der Landesregierung. „Endlich hat der Senat ein Einsehen“, sagte die stadtentwicklungspolitische Sprecherin der Grünen, Antje Kapek. Eine Verschiebung der IGA nach Marzahn sei überflüssig. „Die Berliner brauchen keine Tulpenshow sondern Geld für bezirkliche Grünanlagen und mehr neue Straßenbäume.“ Für die Linke sprach sich die ehemalige Umweltsenatorin Katrin Lompscher, die zur Zeit des Votums für die IGA im Senat saß, für eine Absage der Schau aus. „Ein Verzicht und mögliche Schadenersatzzahlungen sind finanziell die bessere Lösung für die Stadt“, sagte Lompscher. Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) würde ein Aus für die IGA in Tempelhof begrüßen. Die Weite in der Stadt sollte unbedingt erhalten, das Areal behutsam entwickelt werden. Auch eine Bürgerinitiative kämpft gegen die IGA. Mit einem Volksbegehren wollen die Anwohner erreichen, dass das Tempelhofer Feld in der derzeitigen Form erhalten bleibt.