Ernst-Busch-Schule

Stars kämpfen für ihre Schauspielschmiede

Berühmte Ernst-Busch-Absolventen fordern zwei Millionen Euro zusätzlich für einen Neubau der Hochschule, der zu scheitern droht.

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Die Liste der Unterzeichner liest sich wie ein „Who is Who“ der deutschen Bühnenkunst. Boris Aljinovic, Fritzi Haberlandt, Nina Hoss, Thomas Ostermeier, Götz Schubert, Jan Josef Liefers gehören zu den 40 Schauspielern, die in einer Anzeige für ein „Neues Zuhause“ für ihre frühere Hochschule eintreten. Sie alle lernten ihr Handwerk an der Hochschule für Schauspielkunst (HfS) Ernst Busch.

Die Stars drängen die Berliner Abgeordneten, endlich ausreichend Geld für den Neubau am schon vor drei Jahren ausgewählten Standort in den früheren Opernwerkstätten an der Chausseestraße in Mitte bereit zu stellen. Denn die Pläne für den Neubau drohen wieder einmal zu scheitern.

Im Haushaltsplanentwurf des Senats, über den die Abgeordneten im Mai entscheiden, sind ab 2012 noch 31 Millionen Euro für die neue Schauspielschule vorgesehen. Das reicht nach den bisherigen Plänen der Hochschule jedoch nicht aus. Zwei Millionen Euro zusätzlich wären mindestens nötig.

Diese Nachforderung ist es nun, die im Parlament für Unmut sorgt. Denn Geld ist bereits ausgegeben worden, ohne dass irgendein Fortschritt erzielt worden wäre. Die Gesamtkosten erhöhten sich einmal um zwei Millionen durch neue Bauplanungen. Weitere 1,6 Millionen Euro sind schon weg. Das Land musste der Humboldt Universität die Kosten für inzwischen verworfene Planungen für die HfS ersetzen und sich mit einem Bieter vergleichen.

Alle Standorte sanierungsbedürftig

Die Schauspieler sind auch deshalb ungeduldig, weil die Suche nach einem geeigneten Domizil für die Schauspielschule schon zehn Jahre währt. Derzeit ist „Ernst Busch“ auf vier Standorte verteilt, die nach Einschätzung der Bauexperten des Senats alle sanierungsbedürftig sind. Als Hauptgebäude dient ein maroder Plattenbau an der Spree in Niederschöneweide – dort findet die Schauspieler-Ausbildung statt. Puppenspieler lernen in Lichtenberg am Theater an der Parkaue, angehende Tänzer arbeiten in der Immanuelkirchstraße in Mitte und Regisseure in Prenzlauer Berg, wo auch das Studiotheater BAT untergebracht ist. Die Folge sind lange Wege und schwierige Kommunikation. Außerdem wünscht sich die Hochschule schon lange einen zentraler gelegenen Standort.

Die Haushaltspolitiker der Koalition sind nun aber entschlossen, die Kosten im festgesetzten Rahmen zu halten. Außerdem sollte eine nachträgliche Kostensteigerung im Bauverlauf ausgeschlossen sein. Die Schauspieler schreiben in ihrer Anzeige, die auch von Iris Berben als Präsidentin der Deutschen Filmakademie und der Leitung der Schaubühne unterstützt wird, dass die Hochschule im Planungsprozess schon auf den engen Finanzrahmen reagiert habe.

„Immer wieder hat die HfS, um Kosten zu sparen und das Gesamtvorhaben nicht zu gefährden, im Hinblick auf die technische Ausstattung und die Größe der geplanten Unterrichtsräume Zugeständnisse gemacht“, heißt es in dem Text. „Ungeachtet der so erzielten Einsparungen wird nach derzeitigem Planungsstand der Kostenrahmen nicht eingehalten werden können, was nicht zuletzt am in jüngster Zeit stark gestiegenen Baupreisindex liegt“, schreiben die Absolventen. Dann machen sie sich für den bisherigen Entwurf stark.

An der Ecke von Chaussee- und Zinnowitzer Straße soll demnach ein Gebäude entstehen, in dem „eine exzellente Ausbildung im Theaterbereich“ möglich sei. Zudem würde in der zunehmend von Hotel- und Bürobauten dominierten Berliner Mitte für die Bevölkerung ein Ort der Begegnung mit den Darstellenden Künsten in all ihren Formen geschaffen. Knapp zwei Millionen Euro zusätzlich seien erforderlich, um das Konzept umzusetzen. „Wir bitten Sie, diese Gelder zu bewilligen“, schreiben die Unterzeichner und verweisen auf den exzellenten Ruf der Hochschule. Kaum eine Vorstellung gehe in Berlin über die Bühne, an der nicht die „Busch“ ihren Anteil hätte.

Es sieht jedoch nicht danach aus, als würden die Bitten der Schauspieler erhört. Man habe ein großes Interesse daran, dass die Studenten nicht in ihren unsanierten Zuständen bleiben müssten, sagte der haushaltspolitische Sprecher der SPD, Torsten Schneider. Das Kapitel Ernst Busch solle in dieser Legislaturperiode zu einem guten Ende gebracht werden. Weil aber das Geld für die ambitionierten Neubaupläne nicht reicht und weitere Kostensteigerungen befürchtet werden, wird jetzt über eine Alternative nachgedacht. Die Hochschule muss auf ihren zentralen Standort verzichten. Stattdessen werden die vier bestehenden Gebäude saniert. Das wäre nach Meinung der Finanzpolitiker für etwa 20 Millionen Euro zu machen.