Mord

Tätowierer zerstückelt – Prozess in Berlin beginnt

Neun Monate nach dem schockierenden Tod eines Tätowierers sitzen von Montag an ein US-Amerikaner und seine Freundin auf der Anklagebank.

Foto: Steffen Pletl

James Sa. hatte sich zu sicher gefühlt. Der 30-jährige US-Amerikaner war sogar von sich aus im Landeskriminalamt erschienen und hatte sich als Zeuge zur Verfügung gestellt. Bei der Vernehmung, heißt es, habe er sich jedoch in Widersprüche verwickelt. Einen Tag später habe er gestanden, den 31-jährigen Raoul S. am frühen Morgen des 6. Juli 2011 getötet zu haben. Angeblich habe er den Widersacher im Streit ohne Tötungsabsicht niedergeschlagen und ihn sogar noch durch Mund-zu-Mund-Beatmung retten wollen.

Ab Montag muss sich James Sa. vor einer Moabiter Schwurgerichtskammer wegen Mordes verantworten. Ebenfalls angeklagt ist seine 22 Jahre alte Freundin Lara S. Bei ihr lautet der Vorwurf Strafvereitelung, weil sie geholfen haben soll, die Leiche zu zerstückeln und die Leichenteile in der Spree und im Schäfersee in Reinickendorf zu versenken. Darunter auch den Kopf des Opfers, den sie auf dem Weg zu ihrer Berufsschule in einem Rucksack verpackt quer durch Berlin getragen und in den Schäfersee geworfen haben soll.

James Sa. und Raoul S. kannten sich aus der Berliner Tätowiererszene, in der beide zumindest sporadisch beschäftigt waren. Am Abend des 5. Juli sollen sie sich in einem Tattoo-Studio in Schöneberg getroffen haben. Anschließend, so die Ermittlungen, seien sie zur Wohnung von Lara S. in Oberschöneweide gefahren. Es sei reichlich Schnaps getrunken, diskutiert und schließlich heftig gestritten worden. Am Ende habe James Sa. auf Raoul S. zunächst mit Fäusten eingeschlagen. Rechtsmediziner stellten später fest, dass der Täter mehrmals und für das Opfer äußerst quälend mit einem scharfen Gegenstand, vermutlich einer Axt, zugeschlagen habe. Daher auch die Anklage wegen Mordes – mit dem Mordmerkmal „Grausamkeit“.

Die Mitangeklagte Lara S. will eigenen Aussagen zufolge von dem eskalierenden Streit nur wenig mitbekommen haben. Später, so die Ermittlungen, habe sie ihrem Freund jedoch geholfen, die Leiche in der Wanne zu zerstückeln und in Müllsäcke zu verpacken. Danach soll sie das Bad akribisch gereinigt haben.

James Sa. war im Januar 2011 aus den USA nach Berlin gekommen. Er soll schon in New York als Tattoo-Künstler gegolten haben. Bekannt war er den Ermittlungen zufolge aber schon in den USA wegen seines Hangs zu Gewalttätigkeiten. So soll zwischen 1999 und 2011 von der dortigen Polizei gegen ihn zwölf Mal ermittelt worden sein. Ausnahmslos wegen Gewalttaten. Im April 2001 wurde er im Staat New York wegen schwerer Körperverletzung zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt. In Louisiana, wo er 2010 einige Monate lebte, soll gegen ihn ein noch aktueller Haftbefehl laufen. Und auch in Potsdam ist James Sa. schon auffällig geworden. Die Staatsanwaltschaft führt dort ein Verfahren gegen ihn, weil er in einem Partyzelt eine Frau geschlagen haben soll.

James Sa. droht lebenslange Haft

Für den Mord droht James Sa. lebenslänglich. Seine Freundin wird wohl mit einer Bewährungsstrafe rechnen können. Rechtsanwalt Mirko Röder, der James Sa. verteidigen wird, sieht jedoch „durchaus Ansatzpunkte für eine zeitlich begrenzte Strafe“. Möglich sei auch eine Unterbringung in einer geschlossenen Entzugsanstalt. „Mein Mandant ist zweifellos schwer alkoholkrank“, so Röder. Es sei für das Verfahren vermutlich entscheidend, wie der psychiatrische Sachverständige den Fall einschätzen werde.