Leiser und Schlecker

Verkäuferinnen blicken in eine ungewisse Zukunft

Nach der Insolvenz bangen Leiser-Mitarbeiter um ihren Job. Den gekündigten Schlecker-Angestellten will das Berliner Handwerk helfen.

Sie wissen noch nicht, was die Zukunft bringt: Die rund 400 Beschäftigten bei der Schuhhaus-Kette Leiser und ihrer Schwesterfirma Schuhhof haben Angst um ihre Jobs. Nachdem am Freitag bekannt wurde, dass das Traditionsunternehmen in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden musste, forderte die Gewerkschaft Ver.di alles zu tun, um die Arbeitsplätze bei dem insolventen Unternehmen zu erhalten. „Erforderlich sind dazu Investitionen, um die Filialen konkurrenzfähig zu halten“, hieß es bei Ver.di in Berlin.

Leiser und Schuhhof gehören zur Augsburger Unternehmensgruppe Bahner. Der Antrag auf Einleitung eines Insolvenzplanverfahrens sei am 23. März eingereicht worden, teilte das Amtsgericht Augsburg am Freitag mit. Betroffen sind nach Unternehmensangaben 1387 Beschäftigte in bundesweit rund 130 Filialen, vor allem in Augsburg und Berlin. Leiser wurde 1891 von Hermann Leiser und Julius Klausner in Berlin gegründet und später an das Familienunternehmen Bahner verkauft.

Insolvenzplan bis Ende Juni

Bahner will den Betrieb in Eigenverwaltung aufrechterhalten. Drei Sachverwalter sind nun eingesetzt worden, um das Verfahren zu überwachen. Im Zuge des Verfahrens will die Geschäftsleitung zunächst einen Insolvenzplan vorlegen. Dieser soll spätestens bis zum 23. Juni eingereicht werden.

Welche Auswirkungen das Verfahren auf Filialen und Arbeitsplätze hat, ist unklar. „Die Geschäftsführung der Bahner-Gruppe wird im Rahmen einer umfassenden Restrukturierung und Sanierung alle Anstrengungen unternehmen, die wirtschaftliche Zukunft der Gruppe nachhaltig und auf Basis einer soliden Finanzierungsgrundlage sicherzustellen“, teilte Bahner am Freitag lediglich mit. Leiser-Chef Steffen Liebich hatte zuvor bereits gesagt, es sei noch unklar, ob Mitarbeitern gehen müssten. Einfach gekündigt werden könnten sie aber nicht, denn sie seien vom Arbeitsrecht geschützt.

Doch die Beschäftigten sind natürlich trotzdem beunruhigt. Seit Bekanntgabe der Insolvenz hat Petra Ringer, die zuständige Ver.di-Gewerkschaftssekretärin im Fachbereich Handel, schon unzählige Telefonanrufe von besorgten Mitarbeitern bekommen. Sie wollen in erster Linie wissen, ob sie jetzt Angst um ihr Geld haben müssen. Zumindest in diesem Punkt konnte Petra Ringer sie vorübergehend beruhigen. „Das Gehalt der Leiser-Beschäftigte ist erst einmal sicher“, sagt Ringer. So habe die Commerzbank dem Unternehmen einen Massenkredit gegeben, um die Löhne für März, April und Mai an die Mitarbeiter zu zahlen. Dieses Geld holt sich die Bank von der Arbeitsagentur wieder zurück. „Die Angestellten müssen daher nicht selbst zum Amt um Insolvenzgeld zu beantragen“, sagt Richter. „Ihr Gehalt bleibt erst einmal ebenso unberührt wie beispielsweise ihr Recht auf Urlaub.“

Bei den Berlinern hat die Insolvenz ihres Traditions-Schuhhauses am Freitag für Überraschung gesorgt. „Eigentlich hatte ich damit gerechnet, dass sie das Schuhgeschäft noch vergrößern“, sagte etwa Wilhelm Berger aus Charlottenburg, der am Freitag auf der Wilmersdorfer Straße einkaufte. „Bei Leiser habe ich schon vor dem Krieg gekauft“, sagte der 80-Jährige. Zusammen mit seiner Frau Gisela war Berger gleich zu Leiser gefahren, nachdem sie von der Insolvenz in der Zeitung gelesen hatten. Auch die Bergers hoffen, dass die Leiser-Läden Berlin erhalten bleiben.

Während Kunden und Mitarbeiter bei Leiser noch hoffen, die Insolvenz glimpflich zu überstehen, müssen sich die Beschäftigten der ebenfalls insolventen Drogeriekette Schlecker nun schnell nach einem neuen Job umsehen. Am Donnerstag war nach langen Verhandlungen die Entscheidung gefallen, dass die deutschlandweit 10.000 Mitarbeiter die Kündigung erhalten. Die 680 Berliner Schlecker-Mitarbeiter werden nun weiter von der Arbeitsagentur betreut. Hilfe bekommen sie jedoch vom Berliner Handwerk. Am Freitag teilte die Handwerkskammer mit, den gekündigten Schlecker-Mitarbeitern eine neue Chance in einem Handwerksbetrieb bieten zu wollen. „Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass die Schlecker-Beschäftigten nicht ins berufliche Aus geraten“, sagte der Präsident der Handwerkskammer, Stephan Schwarz. Jobs gebe es zum Beispiel in Bäckereien, sagte Hans-Joachim Blauert von der Bäcker-Innung. „Wir suchen erfahrenes Verkaufs- und Servicepersonal und würden uns freuen, den gekündigten Mitarbeitern eine Perspektive zu bieten.“ Betroffene Mitarbeiter können sich bei der Handwerkskammer wochentags unter der Berliner Telefonnummer 25903555 melden.