Misshandlung

Fünf Monate altes Mädchen stirbt im Krankenhaus

Die Ärzte haben den Kampf um das Leben des Säuglings im Klinikum Buch verloren. Der Vater des Mädchens sitzt in U-Haft und schweigt.

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Mehrere Tage lang kämpften die Ärzte im Helios Klinikum Buch um das Leben eines fünf Monate alten Säuglings. Vergeblich. Am Sonntagmittag starb das kleine Mädchen gegen 11.45 Uhr an seinen schweren Verletzungen, die ihm durch Schläge zugefügt worden waren.

Wie berichtet, steht der Vater der Kleinen, Andreas S., unter dringendem Tatverdacht, das Kind geschlagen zu haben. Er wurde bereits festgenommen und sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Die Polizei versucht nun, die Tat zu rekonstruieren.

Rückblick: In der Nacht zum vergangenen Mittwoch bringen Andreas S. und seine Lebensgefährtin Ivonne S. das Baby in die Rettungsstelle des Klinikums Buch. Es ist 0.15 Uhr, laut Polizeiangaben habe das Baby auffällig geatmet und sei „nicht mehr ansprechbar“ gewesen.

Richter erlässt Haftbefehl

Bei der Untersuchung des Kindes stellten die Ärzte typische Anzeichen von Misshandlungen fest. Die linke Gesichtshälfte war geschwollen und mit Hautunterblutungen überzogen. Zudem diagnostizierten die Mediziner eine massive Hirnschwellung. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde befürchtet, dass das Kind diese schweren Verletzungen nicht überleben würde.

Auf die Frage der Ärzte, wie sich das kleine Mädchen die Verletzungen zugezogen haben könnte, wussten die Eltern keine Antwort. Daraufhin riefen die Ärzte die Polizei. Die Fachdienststelle der Polizei, das LKA 125, die sich um Fälle von Kindesmisshandlung kümmert, nahm die Ermittlungen auf.

Noch am Mittwoch verdichteten sich die Hinweise, dass Andreas S. seine Tochter misshandelt haben könnte. Polizisten nahmen ihn daraufhin fest. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft habe sich Andreas S. bei der Vernehmung von einem Anwalt vertreten lassen. Der Verdächtige hat die Tat nicht zugegeben, wie der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, mitteilte.

Ein Richter erließ am Donnerstag dennoch einen Haftbefehl wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen. Andreas S. sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Laut Strafgesetzbuch droht dem Tatverdächtigen eine Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr. Andreas S. ist bereits wegen Drogendelikten und verschiedenen Verkehrsvergehen bei der Polizei bekannt. Wegen Gewalttaten ist er bislang jedoch nicht aufgefallen.

Während die Ermittler zu diesen ersten Erkenntnissen kamen, blieb der Zustand des fünf Monate alten Mädchens in den vergangenen Tagen durchgehend kritisch. Am Sonntag verloren die Ärzte im Klinikum Buch schließlich den Kampf um das Leben der Kleinen. Nach Informationen von Morgenpost Online soll Andreas S. zum Tatzeitpunkt alleine in der Wohnung im Pankower Ortsteil Karow gewesen sein. Die 26 Jahre alte Mutter Ivonne S. soll kurz unterwegs gewesen sein.

Es wird vermutet, dass der Vater in dieser Zeit auf seine Tochter aufpasste und sie irgendwann gegen den Kopf geschlagen hat. Aus welchen Gründen, ist noch völlig unklar. Als Ivonne S. wieder nach Hause kam, soll sie das verletzte Kind entdeckt und gemeinsam mit Andreas S. ins Krankenhaus gebracht haben.

Nachbarn bemerkten nichts

Das Paar lebt seit etwa einem halben Jahr in einer ruhigen Neubausiedlung am Gewanneweg in Karow. Nachbarn wollten sich zu dem schrecklichen Vorfall nicht äußern. Andere Bewohner reagierten überrascht und bestürzt, als sie von dem Vorfall erfuhren. Auffälligkeiten habe es nicht gegeben. Auch dem Jugendamt war die Familie bislang nicht bekannt gewesen.

Andreas S. arbeitet als Prokurist bei einem Unternehmen für Bautechnik in Schöneberg. Ivonne S. soll ebenfalls berufstätig sein und in einem Warenhaus arbeiten. Noch im Januar hatte der 42-Jährige per Internetanzeige nach einem Kindermädchen gesucht, das das berufstätige Paar entlasten sollte.

Am vergangenen Freitag hatte Ivonne S. die gemeinsame Wohnung in Karow verlassen, offenbar, um die letzten Tage bei ihrer Tochter im Krankenhaus zu verbringen. Am Sonntag kehrte sie in die Wohnung zurück.