Gedenkstätte

Mahnmal für Sinti und Roma wird deutlich teurer

Obwohl das Mahnmal für die von den Nationalsozialisten ermordeten Sinti und Roma nicht mal im Ansatz fertig ist, sind die eingeplanten Kosten in Höhe von zwei Millionen Euro bereits ausgegeben. Die Gedenkstätte wird voraussichtlich doopelt so teuer werden.

Foto: dpa / dpa/DPA

Es ist nicht das erste Mal, dass sich in Berlin die Errichtung einer Gedenkstätte für Opfer der nationalsozialistischen Diktatur zu einem handfesten Bauskandal entwickelt. Diesmal geht es um das Denkmal, das an die rund 500.000 Sinti und Roma erinnern soll, die von den Nationalsozialisten ermordet wurden. Obwohl das geplante Mahnmal noch nicht einmal in Umrissen erkennbar ist, sind die eingeplanten Baukosten in Höhe von zwei Millionen Euro bereits ausgegeben. Für das vor fast genau 20 Jahren beschlossene Projekt am Reichstag rechnet die Bundesregierung mittlerweile mit Gesamtkosten in Höhe von 2,8 Millionen Euro. Das bestätigte ein Sprecher von Kulturstaatsminister Bernd Neumann (CDU) am Wochenende.

Knapp zwei Millionen Euro sind bis zum Jahreswechsel bereits verbraucht worden. Die Mehrkosten sollen nun durch Umschichtungen im Haushalt gedeckt werden, hieß es weiter. Neumann hatte Ende Dezember 2011 eine Fertigstellung des vom israelischen Künstler Dani Karavan entworfenen Mahnmals innerhalb von zwölf Monaten in Aussicht gestellt. Ähnliche Ankündigungen von Neumann und anderen führenden Politikern hatte es bereits in den Vorjahren gegeben. Der feierliche Baustart fand bereits vor drei Jahren statt. Das Grundstück am Simsonweg an der Scheidemannstraße in Tiergarten wurde vom Land Berlin zur Verfügung gestellt. Als Ursache für die deutliche Kostenüberschreitung und die erneute Bauverzögerung gibt die Bundesregierung die zuletzt auf Wunsch des Künstlers erfolgten Änderungen bei der Gestaltung des Mahnmals an. Bauherr ist das Land Berlin, mittlerweile hat sich aber auch das Bundesbauministerium eingeschaltet. Das Geld für das Mahnmal kommt von der Bundesregierung.

relatedlinksDass das Projekt nun bereits seit zwei Jahrzehnten nicht realisiert wurde, hat verschiedene Gründe. Das geplante Denkmal war zunächst auf heftigen Widerstand beim damaligen Regierenden Bürgermeister Eberhard Diepgen (CDU) gestoßen. Seiner Meinung gab es schon zu viele Denkmäler in diesem Stadtteil. Im Anschluss daran konnten sich zwei Opferverbände jahrelang nicht auf eine Inschrift einigen.

Bereits beim Bau des NS-Dokumentationszentrums „Topographie des Terrors“ waren durch lange Bauverzögerungen zehn Millionen Euro buchstäblich verbaut worden. Bereits errichtete Treppentürme mussten abgerissen werden. Für das 2010 eröffnete Projekt auf dem ehemaligen Gestapo-Gelände an der Wilhelmstraße standen aufgrund der Fehlplanung nur noch knapp drei Viertel der ursprünglich vorgesehenen Bausumme zur Verfügung.

Mehr Solidarität gefordert

Am Sonnabend hatten im Bezirk Neukölln nach Angaben des Veranstalters rund 300 Demonstranten mehr Solidarität mit den in Berlin lebenden Roma gefordert. Nach wie vor seien Roma Fremdenfeindlichkeit und Vorurteilen ausgesetzt, kritisierten die Teilnehmer der Demonstration. Anlass für die Aktion waren Postkarten der rechtspopulistischen Bürgerbewegung Pro Deutschland, die sich gegen die Roma richteten. Sie waren im Januar in Neukölln und Treptow verteilt worden.

Mit dem Protestzug wollten die Organisatoren auf die Situation der aus Bulgarien und Rumänien stammenden Roma aufmerksam machen. In ihren Heimatländern, hieß es, würden sie häufig diskriminiert und seien von der hohen Arbeitslosigkeit betroffen. Der Demonstrationszug durch Neukölln stand unter dem Motto „Willkommen in Neukölln! Willkommen zu Hause!“ Nach Angaben der Berliner Polizei verlief die Veranstaltung ohne Zwischenfälle.