Fashion Week und Grüne Woche

Messen bescheren Berlin Millioneneinnahmen

Zwischen Laufsteg und Biohäppchen: Die großen Messen haben sich für Berlin zum wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Fashion Week und die Grüne Woche bringen der Stadt Millionen.

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Dunkle Wolken, trübes Licht, Nieselregen – eigentlich kein Wetter für einen Städtetrip. Doch dank Fashion Week und Grüner Woche scheint die Anziehungskraft Berlins auch nach den Silvesterfeierlichkeiten ungebrochen zu sein. Schon seit Tagen sind Modemacher und Fashion-Fans aus aller Welt in der Stadt. Sie wollen bei der Vorabendparty zur Streetware-Messe Bread & Butter im früheren Flughafen Tempelhof oder bei der offiziellen Eröffnung der Mercedes-Benz Fashion Week am Mittwoch im Zelt am Brandenburger Tor dabei sein.

„Wir rechnen mit mehr als 200.000 Besuchern in der gesamten Modewoche“, prognostiziert Christian Tänzler, Sprecher der Tourismus-Gesellschaft „Visit Berlin“. Die Stadt sei voll, die Berliner Hotels gut ausgelastet, sagt Tänzler. Das bestätigt auch der Berliner Hotel- und Gaststättenverband Dehoga. Wegen der Fashion-Week seien besonders die Vier- und Fünf-Sterne-Hotels im Stadtzentrum „sehr gut gebucht“.

Zur Grünen Woche wären dann am Wochenende auch die Hostels und Pensionen im gesamten Stadtgebiet gut nachgefragt, sagt Thomas Lengfelder vom Deutschen Hotel- und Gaststättenverband in Berlin (Dehoga). Das Luxushotel Adlon am Pariser Platz hatte schon nach der jüngsten Fashion Week im vergangenen Juli die ersten Zimmernachfragen für das Modeereignis in diesem Winter. „Bis zum 22. Januar sind wir komplett ausgebucht“, sagt Adlon-Sprecherin Sabine Heldt.

Die großen Messen haben sich für Berlin zum wichtigen Wirtschaftsfaktor entwickelt. Allein die beiden Fashion Weeks im Januar und Juli 2011 hätten das Bruttosozialprodukt Berlins um 120 Millionen Euro erhöht, sagt Christoph Lang von der Stadtmarketing-Gesellschaft Berlin Partner. Davon hätten nicht nur Hotels, Restaurants oder Taxi-Unternahmen profitiert, Wirtschaftsgutachter hätten auch errechnet, dass die beiden Modewochen im vergangenen Jahr 33 Millionen Euro Steuern und Abgaben für die Stadtkasse gebracht hätten.

Neue Online-Angebote

Highlights der Fashion Week sind die Schauen der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin, bei der 50 internationale Designer die neuesten Looks der nächsten Herbst- und Wintersaisonpräsentieren. Zentrale Location für den Laufsteg der Modemacher ist ein riesiges Zelt auf der Straße des 17. Juni. Dort steigt am Mittwoch um 10 Uhr die erste von insgesamt 50 exklusiven Shows vor Fachpublikum. Das Label „Escada“ macht den Anfang. Während der Blick auf den exklusiven Catwalk in den vergangenen vier Jahren nur den 760 geladenen Gästen vorenthalten war, können jetzt auch Modeinteressierte einige Shows im Internet verfolgen. Beispielsweise die Eröffnung der Mercedes-Benz Fashion Week Berlin. Auch die „Offside-Show“ von Modemacher Hugo Boss soll online gezeigt werden. Wo allerdings diesmal der Laufsteg der Boss-Models steht, ist bislang noch geheim. „Das wird erst kurzfristig verraten“, sagt Daniel Aubke von IMG Fashion Europe.

Mit 50 Shows internationaler Designer ist die Mercedes-Benz Fashion Week Berlin seit ihrem Start vor fünf Jahren deutlich expandiert. „Wir haben hier mit zehn Shows angefangen und uns jetzt schon in kurzer Zeit verfünffacht“, freut sich der Veranstalter. Allein 38 exklusive Catwalks finden im Fashion-Zelt in Mitte statt, das seit dem 6. Januar aufgebaut wird und stolze 3100 Quadratmeter Fläche bietet. Neben dem 30 Meter langen Laufsteg bietet der temporäre Bau auch eine Studio-Lounge. Dort präsentieren Labels ihr Design in zwölf kunstvoll inszenierten Installationen. Zehn weitere Shows wie die von Michael Michalsky finden „offside“, also außerhalb des Fashion-Zeltes, statt. Michalsky zeigt seine Mode unter dem Motto „Lust“ am 20. Januar im Tempodrom.

Auf nach Tempelhof

Vergrößert hat sich auch die Modemesse Bread & Butter, die als Mieter des ehemaligen Flughafens Tempelhof wieder die Hangars nutzt. Auf rund 73.000 Quadratmetern, etwa 3000 Quadratmeter mehr als im Vorjahr, werden 600 Labels Sportsware und junge Straßenmode Fachbesuchern präsentieren. Die Premium-Messe im ehemaligen Postgüterbahnhof am Gleisdreieck zeigt auf 23000 Quadratmetern 1200 Kollektionen internationaler Markenhersteller. Ein Viertel davon ist erstmals dabei.

Während die Modewoche als Fachmesse vorwiegend internationales Publikum anzieht, zieht die Grüne Woche vor allem Berliner und Brandenburger an. Zwei Drittel der Besucher kommen laut Messe Berlin aus der Region. Die 77. Internationale Grüne Woche beginnt am Freitag in den Messehallen unter dem Funkturm in Charlottenburg. Die Messe Berlin als Veranstalter kündigt auch für dieses Jahr eine Agrarschau der Superlative an. Auf 11.5000 Quadratmetern Ausstellungsfläche der 26 Messehallen werden rund 1600 Aussteller aus etwa 50 Ländern ihre Produkte anbieten. Erstmals dabei: Gabun, Liechtenstein und Pakistan.

Die Grüne Woche 2012 wird ihre Schwerpunkte auf das Thema „Regionale Angebote“ und die Herkunft der Lebensmittel legen. „Da ist für die Verbraucher immer wichtiger“, sagt Messe-Sprecher Wolfgang Rogall. Auch die deutschen Bundesländer werden deshalb in diesem Jahr nicht mehr in der Länderhalle 26 vertreten sein. Sie zeigen ihre Spezialitäten erstmals in der „Straße der Bundesländer“, die von der Halle 20 bis Halle 52b reichen wird.

Wie im Vorjahr erwartet Rogall mehr als 400.000 Besucher, darunter etwa 100.000 Fachbesucher. Auch wenn Zahlen über die Geschäftsabschlüsse der Aussteller bei der weltweit größten Agrarschau nicht erfasst werden – bei der Grünen Woche würden Millionenabschlüsse gemacht, ist Rogall sicher. Allein im vergangenen Jahr habe das private Laufpublikum Waren im Wert von 45 Millionen Euro an Ort und Stelle verzehrt oder bestellt.