Familiendrama

Sohn mit Hammer getötet - Vater vor Gericht

Birk K. hat gestanden, im April 2011 seinen zwölfjährigen Sohn Julian in Berlin-Reinickendorf mit einem Hammer erschlagen zu haben. Jetzt steht der 34-Jährige vor Gericht. Weil es Belege dafür gibt, dass die Tat geplant war, droht ihm eine lebenslange Freiheitsstrafe.

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Eine defekte Computermaus war offenbar der Auslöser. So belanglos der Anlass auch war, so alltäglich Streitigkeiten zwischen Vätern und pubertierenden Söhnen in der Regel auch sein mögen, diese Auseinandersetzung geriet zur Tragödie. Der 34-jährige Birk K. soll seinen zwölfjährigen Sohn Julian mit einem Hammer erschlagen haben. Das war im April 2011. Ab heute muss sich der Berliner vor dem Schwurgericht in Moabit wegen Mordes verantworten.

An der Täterschaft des Angeklagten scheint es kaum noch Zweifel zu geben. Birk K. hat bereits ein umfassendes Geständnis abgelegt. Auch die 22. Große Strafkammer geht offenbar von einem zügigen Prozessverlauf aus, gerade mal drei Tage sind für den Fall angesetzt, schon am 3. Februar soll das Urteil gesprochen werden. Als Motiv für seine Tat soll der arbeitslos Biochemiker eine generelle Unzufriedenheit mit seiner Lebenssituation und seine zeitweiligen Depressionen genannt haben. Ermittler äußerten in der Vergangenheit mehrfach Zweifel an dieser Version, die Hauptverhandlung soll nun Klarheit darüber bringen, was einen Vater veranlasst, seinen eigenen Sohn mit einem Hammer zu erschlagen.

Glaubt man Menschen aus dem Familienumfeld, müssen Birk K., seine Lebensgefährtin Sabine T. und die gemeinsamen Kinder Julian (12) und Jenny (8) einmal eine glückliche Familie gewesen sein. Doch die heile Welt zerbrach 2008. Das Paar trennte sich, Sabine T. nahm sich mit den Kindern eine eigene Wohnung in Spandau, Birk K. zog zu einem Bekannten nach Reinickendorf. Besonders Julian soll sehr unter der Trennung der Eltern und dem angespannten Verhältnis zwischen Mutter und Vater gelitten haben, er besuchte den Vater häufig. Auch am 18. April 2011 hielt er sich wieder in der Wohnung des Vaters an der Gotthardstraße auf.

Blutlache vor Kellerverschlag

„Vermisstes Kind“ lautete das Einsatzstichwort, mit dem am späten Abend dieses Tages eine Funkstreifenbesatzung der Polizeidirektion1 in die Gotthardstraße geschickt wurde. Zuvor hatte Sabine T. Julian als vermisst gemeldet, nachdem seine jüngere Schwester allein von einem Besuch beim Vater zurückgekommen war. Jenny hatte in einem Zimmer allein gespielt, anfangs noch den Streit zwischen Birk K. und Julian mitbekommen und dann irgendwann festgestellt, dass beide verschwunden waren. Daraufhin machte sich die Achtjährige allein auf den Rückweg nach Spandau. An der Gotthardstraße entdeckten die Polizeibeamten schließlich gegen ein Uhr die Leiche von Julian, der Junge lag in einer Blutlache vor einem Kellerverschlag. Die späteren Ermittlungen ergaben, dass Birk K. seinen Sohn in der Wohnung getötet und die Leiche dann in den Keller geschafft hatte.

Als die Polizisten auf die Leiche des Kindes stießen, war K. schon auf der Flucht. Offenbar in der Absicht, einfach nur schnell aus Berlin wegzukommen, setzte er sich in einen ICE nach Düsseldorf. Die Ortswahl war spontan, Kontakte hatte K. dort nicht. Unterschlupf fand er in einem leer stehenden Abrisshaus auf dem Gelände des Düsseldorfer Hafens. Eine Zeugin entdeckte K., als er über einen Zaun um das brachliegende Gelände kletterte. Eine Funkstreifenbesatzung nahm ihn kurz darauf fest. Schnell stellten die Düsseldorfer Beamten fest, dass ihnen ein international gesuchter mutmaßlicher Mörder ins Netz gegangen war.

Eine wichtige Rolle wird in dem jetzt beginnenden Prozess eine Reisetasche spielen, die Birk K. den Ermittlern zufolge bereits vor der Tat fertig gepackt hatte. Die Staatanwaltschaft sieht darin Fluchtvorbereitungen und einen Beleg für eine geplante Tat. Darauf gründet sich der Mordvorwurf der Staatsanwaltschaft. Sollte das Gericht dem folgen, droht K. eine lebenslange Freiheitsstrafe.