Berliner Kleingruppierung

Großteil der ukrainischen Migranten ist weiblich

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In der Hauptstadt leben offiziell nur 8300 Ukrainer – die meisten von ihnen sind Frauen. Trotz ihrer häufig guten Ausbildung finden sie in Berlin allerdings meistens nur Aushilfsjobs.

Die ukrainische Gemeinschaft in Berlin ist relativ klein. Von den Berliner Behörden werden sie deshalb inoffiziell als „Kleingruppierung“ geführt. Zurzeit leben rund 8300 Ukrainer in Berlin, das heißt Migranten, die einen ukrainischen Pass haben. Hinzu kommen rund 7000 Berliner mit ukrainischem Migrationshintergrund. Unter allen Migrantengruppen aus insgesamt 199 Ländern in Berlin machen die Ukrainer damit 1,8 Prozent aus. Zum Vergleich: Rund 20 Prozent der Migranten haben einen türkischen Migrationshintergrund, 4,9 Prozent stammen aus Russland und 2,6 Prozent aus dem Libanon.

Der Großteil der ukrainischen Migranten, rund 5250, sind weiblich. Es sind vor allem die Frauen, die die Ukraine in der Hoffnung auf ein besseres Leben verlassen. „In der Ukraine werden berufstätige Frauen sehr schlecht bezahlt“, sagt Olha Samborska von der ukrainischen Gemeinde. So kommen auch gut ausgebildete Ukrainerinnen nach Deutschland – doch weil sie die Sprache nicht sprechen oder ihre Ausbildung nicht anerkannt wird, müssen sie oft illegale Aushilfsjobs annehmen. Zum Beispiel als Putzkraft oder als Haushaltshilfe. Viele Ukrainerinnen versuchen auch, über eine Heirat in Deutschland bleiben zu können. Die meisten lernen ihren deutschen Ehemann über das Internet kennen, Anfang der 2000er-Jahre habe es einen regelrechten Boom gegeben, so Samborska. Sie weiß, dass viele dieser Ehen nicht glücklich enden.

Tausende halten sich illegal auf

Die meisten Ausländer mit ukrainischen Wurzeln leben in Charlottenburg-Wilmersdorf, Mitte und Tempelhof-Schöneberg. Sie sind im Schnitt 38 Jahre alt. So klein die ukrainische Gemeinde in Berlin ist, so groß ist die Dunkelziffer. Offiziell tauchen die Ukrainer in keiner Kriminalitätsstatistik auf, doch Schätzungen zufolge leben mehrere Tausend Ukrainer illegal in der Hauptstadt.

Pfarrer Sergiy Dankiv kennt viele von ihnen. Der Seelsorger der Ukrainischen Personalpfarrei St.Nikolaus in Johannisthal hat mit Aussiedlern zu tun, die aus Perspektivlosigkeit aus ihrer Heimat geflohen sind. Anders als in anderen deutschen Städten finden Ukrainer in Berlin seltener eine gut bezahlte Anstellung. In Frankfurt und Magdeburg beispielsweise, wo der Pfarrer ebenfalls tätig ist, gibt es viele ukrainische Wissenschaftler und IT-Spezialisten.

In Berlin, so Dankiv, würden Ukrainer vermehrt auf Baustellen, in der Gastronomie oder eben als Putzkräfte arbeiten. Die ukrainische Gemeinde in Berlin, so der Pfarrer, sei sehr „multikulti“.

( jb )